+
Hat sich immer schon für Geschichte interessiert: Otto Meissner, Ex-Vorsitzender des Historischen Vereins. 

Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten

Schon als Bub erforschte er Grabhügel

Fürstenfeldbruck – „Es gibt nur wenige Menschen, die bei dem Wort ,Schatzsuche’ keine glänzenden Augen bekommen“, hat Otto Meißner festgestellt. 

Auch er selbst ist fasziniert von den Zeugnissen vergangener Epochen, die im Boden rund um Bruck verborgen sind. Beziehungsweise verborgen waren. Meißner hat als langjähriger Vorsitzender des Historischen Vereins maßgeblich dazu beigetragen, viele dieser Schätze zu heben. Für sein Engagement wurde er kürzlich mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet.

Schon als Bub erkundete der 77-Jährige die Grabhügel in der Rothschwaige. „Ich habe mich der Geschichte immer verbunden gefühlt“, erzählt Meißner. So war es nur logisch, dass er später – inzwischen selbst Lehrer – ein Geschichtsbuch für die Grundschule verfassen sollte.

Als der Historische Verein 1982 gegründet wurde, war der gebürtige Sudetendeutsche beruflich noch zu eingespannt. Erst 1993 wurde er Mitglied und war schon bald im Arbeitskreis Vor- und Frühgeschichte voll in seinem Element. Bei vielen Grabungen war er die treibende Kraft, auch wenn er sich nie in den Vordergrund spielte und es ihm nicht darum ging, die bedeutendsten Funde möglichst eigenhändig auszubuddeln.

Viel wichtiger war ihm die Gemeinsamkeit mit Gleichgesinnten. Und von denen gab es im Laufe der Zeit immer mehr. Als Meißner 2004 den Vorsitz übernahm, hatte der Verein 250 Mitglieder. In den elf Jahren unter seiner Leitung stieg die Zahl auf rund 700. Es gefiel den Leuten, dass sie bei Grabungen mitmachen konnten. Gemeinsam untersuchte man die Äcker entlang der Römerstraße bei Schöngeising und förderte Münzen und Tonscherben zutage.

Dort, wo heute der Emmeringer Wertstoffhof liegt, hoben die Hobby-Archäologen unter fachlicher Anleitung ein bajuwarisches Gräberfeld aus. Ein hartes Stück Arbeit war das, erinnert sich Meißner. Zwei Meter tief musste gegraben werden, und die Fundausbeute war dann noch nicht mal so dicht wie erhofft. Dafür stieß man später bei der Erweiterung des Gewerbegebiets Hasenheide auf keltische Hausspuren und im Haspelmoor auf Bruchstücke von Mammutstoßzähnen.

Viele der Funde sind im Museum Fürstenfeldbruck zu sehen. Meißner und seine Mitstreiter richteten die Räume eigenhändig her und entwickelten die Konzeption für die Ausstellung. Die Bezüge zwischen Vergangenheit und Gegenwart für die Besucher greifbar zu machen – das ist es, was der ehemalige Lehrer und langjährige Mitarbeiter der Schulverwaltung bei der Regierung von Oberbayern erreichen möchte. Anders gesagt: Die Leser von „Asterix und Obelix“ sollen realisieren, dass die Römerzeit sich auch hier vor der Haustür abgespielt hat.

2015 trat Meißner vom Vereinsvorsitz zurück. Nicht, weil er keine Lust mehr hatte, sondern weil es ihm wichtig war, die Leitung rechtzeitig in jüngere Hände zu geben. Seitdem unterstützt er den Vorstand als Beisitzer, wie in der Anfangszeit. Noch immer macht es ihm Spaß, zu organisieren und am vielfältigen Jahresprogramm mitzuarbeiten, das unter anderem aus Vorträgen und Exkursionen besteht.

Das Thema Schatzsuche ist für Laien mehr oder weniger gestorben, seit es von offizieller Seite keine Grabungsgenehmigungen mehr gibt. Anders als manch anderer Hobby-Archäologe klingt Meißner erstaunlich gelassen, wenn er darüber spricht. Die Hoffnung auf grünes Licht für eine „Kleingrabung“ auf der Turminsel bei Schöngeising hat er noch nicht aufgegeben.

Ob das klappt oder nicht – langweilig wird dem dreifachen Vater und vierfachen Großvater auf keinen Fall. Täglich kümmert er sich zusammen mit seiner Frau um das jüngste Enkelkind. Oder die beiden machen Musik, er an der Geige, sie am Klavier. Auch das Interesse an der Geschichte teilen sie – und den Spaß an gemeinsamen Bildungsreisen.  (os)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wird das Rathaus ein Gröbenbach-Palast?
Gröbenzell - Knapp 14,5 Millionen Euro sind für das neue Gröbenzeller Rathaus im Haushalt vorgesehen – deutlich mehr als anfangs geplant. Manche Gemeinderäte sprachen …
Wird das Rathaus ein Gröbenbach-Palast?
Bei Großbränden helfen Wehren zusammen
Landkreis - Ein Jahr ohne große Wetter-Kapriolen schlägt sich auch in der Einsatzbilanz der Landkreis-Feuerwehren nieder. Beim Neujahrsempfang blickte Kreisbrandrat …
Bei Großbränden helfen Wehren zusammen
Gas und Bremse verwechselt: Autofahrer kracht in Mauer
Olching - Bei einem Unfall am Freitag gegen 16 Uhr auf der Olchinger Straße ist ein 76-jähriger Autofahrer leicht verletzt worden. Er wurde in die Kreisklinik gebracht.
Gas und Bremse verwechselt: Autofahrer kracht in Mauer
Fettexplosion in Asylheim
Mammendorf - In der Asylunterkunft an der Münchner Straße ist es am Freitag gegen 16 Uhr zu einer Fettexplosion in einer Küche gekommen.
Fettexplosion in Asylheim

Kommentare