Brucks Straßennamen

Schriftsteller fachsimpelte am Gartenzaun

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Wer Michael Kohlhaas googelt, landet bei der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist.

Fürstenfeldbruck Doch die Michael-Kohlhaas-Straße in Bruck wurde nicht nach Kleists fiktivem Helden benannt, sondern nach einem Schriftsteller, der lange Jahre in der Stadt lebte. Dem Zeitgenossen und Freund von Ludwig Thoma wurde ebenso viel Talent bescheinigt wie diesem, doch zu vergleichbarem Ruhm brachte er es nie.

Bürgerlich kam Michael Kohlhaas 1866 als Erwin Schmidhuber in Laufen an der Salzach auf die Welt. Er entstammte einer alten Kaufmannsfamilie und studierte nach seiner Schulzeit in Burghausen Rechtswissenschaften in München.

Als junger Anwalt ließ sich Schmidhuber 1887 in Bruck nieder und eröffnete im Hotel Post eine eigene Kanzlei. Hier lernte er seine spätere Frau kennen – Fanny Weiß, eine Großtante von Ludwig Weiß, dem heutigen Seniorchef des Hotels. Geheiratet wurde um 1900. Anschließend zog das Paar nach Landau an der Isar, wo Schmidhuber einen Posten als Amtsrichter bekam. Eine weitere berufliche Station war Bad Tölz.

Doch viel lieber als in Gesetzesbücher vertiefte sich der Jurist in seine humorvollen Erzählungen und Romane, die er – ähnlich wie Ludwig Thoma – in der Welt der oberbayerischen Bauern und Kleinbürger ansiedelte. Schon in relativ jungen Jahren ließ er sich pensionieren, um sich ganz dem Schreiben widmen zu können.

Nach dem Ersten Weltkrieg zog Schmidhuber mit seiner Frau und den vier Kindern nach Pasing, wo er Mitarbeiter einer satirischen Zeitschrift wurde. 1917 kam die Familie zurück nach Bruck und bezog ein Haus in der Stadelberger Straße gegenüber dem Amtsgericht. Die Nachbarin Else Wibel war ebenfalls Schriftstellerin – sie und Schmidhuber sollen sich über den Gartenzaun hinweg rege über ihre Arbeiten ausgetauscht haben.

Warum der schreibende Jurist als Pseudonym ausgerechnet den Namen des düsteren, Selbstjustiz übenden Rächers Michael Kohlhaas aus der Kleist-Novelle wählte, ist nicht überliefert. Den wenigen historischen Zeugnissen nach zu urteilen war Schmidhuber ein charmanter, warmherziger Mensch mit viel Sinn für Humor, der sich auch in seinen Werken wiederfindet.

Seine erste Veröffentlichung „Briefe aus der Provinz“ erschien 1909. Unter dem Titel „Vom Papst Urban dem Vierten bis zur Schallhammer Kathl“ (1925) brachte er 14 heitere Erzählungen heraus. Zwischen 1926 und 1932 erschienen fünf weitere Werke. Einen besonderen Verehrer hatte Schmidhuber in seinem Schriftstellerkollegen Hans Erich Blaich alias Dr. Owlglass, der ihn als „Ludwig Thoma der Intelligenz“ bezeichnete. Schmidhubers beste Erzählungen würden denen Thomas „an lustiger Erfindung, an Anschaulichkeit und unbefangener Schlagkraft“ in nichts nachstehen, lobte Blaich.

Auch Else Wibel schwärmte von Schmidhuber, der sich selbst immer treu geblieben sei und nie Zugeständnisse an den Geschmack eines großen Publikums gemacht habe. 1937 starb der Schriftsteller in Bruck, doch beigesetzt wurde er in seiner Heimatstadt Laufen. Das Grab seiner Frau Fanny befindet sich auf dem Friedhof St. Magdalena.

Die Serie

Viele Straßen in Fürstenfeldbruck sind nach verdienten Bürgern, Künstlern und Äbten benannt. In der Tagblatt-Serie werden die Persönlichkeiten vorgestellt.

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