Ein Ticket für alles: Das MVV-Tarifsystem soll perspektivisch im ganzen Landkreis gelten.
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Der 20-Jährige hatte kein Ticket.

Westkreis FFB

Trotz vieler Vorstrafen: Schwarzfahrer erhält weitere Chance

Wegen Schwarzfahrens stand ein 20-Jähriger vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts. Vier Fahrten ohne Ticket mit der S-Bahn hätten ihn ins Gefängnis bringen können.

Denn in seinem Erziehungsregister standen bereits fünf Eintragungen und eine offene Bewährung. Doch der junge Mann atmete am Ende der Verhandlung auf: Er muss nur eine Geldauflage von 550 Euro zahlen. Vor drei Jahren war der 20-Jährige wegen Drogenhandels und -besitzes, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung zu einer Jugendstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt worden. 2019 folgte eine weitere Bewährungsstrafe: wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung in Mittäterschaft. Das Strafmaß stieg auf 24 Monate, für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Damals sagte die Jugendrichterin, das sei seine letzte Chance.

Schwierige Kindheit

Nun, in der aktuellen Verhandlung, räumte die Staatsanwältin mit Blick auf den Angeklagten ein: „Er ist gereift.“ Sie schlug eine Geldauflage von 700 Euro auf. Die Rechtsanwältin des Mannes plädierte wie die Jugendgerichtshilfe für 500 Euro und sagte, ihr Mandat sei „auf einem guten Weg“. Man einigte sich auf 550 Euro.

Der junge Mann hatte eine schwierige Kindheit. Sein Vater ist unbekannt, die Mutter war drogenabhängig. Wegen Vernachlässigung kam er in eine Pflegefamilie. Dort fühlt er sich bis heute sehr wohl. Doch auch dort musste er einen Schicksalsschlag verkraften: Sein Pflegevater starb vor einigen Jahren. In der Folge nahm der heute 20-Jährige Drogen und verübte Straftaten. Trotzdem schaffte er die Mittlere Reife und fand einen Ausbildungsplatz als Fitnesstrainer. In der Pandemie landete er in Kurzarbeit. Zeitweise musste er von 140 Euro im Monat leben. In dieser Zeit war er ohne Fahrkarte in der S-Bahn erwischt worden.

Mittlerweile kann er seine Ausbildung fortsetzen, sein Einkommen ist auf rund 500 Euro angestiegen. Und er ist stolzer Besitzer einer Jahreskarte für die S-Bahn.  sus

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