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Der Brucker Schlachthof gilt eigentlich als Vorzeige-Betrieb. Um so mehr überraschen die Vorwürfe.

Soko Tierschutz

Schwere Vorwürfe gegen Brucker Schlachthof

Der Augsburger Verein „Soko Tierschutz“ glaubt, den Brucker Schlachthof übler Tierquälerei überführt zu haben. Videos, die mit versteckter Kamera aufgenommen wurden, sollen verheerende Zustände zeigen. Der Schlachthof wehrt sich gegen die Vorwürfe; die Soko Tierschutz hat Strafanzeige erstattet.

Fürstenfeldbruck – Der Verein wirft dem Schlachthof vor, Elektroschocker exzessiv einzusetzen. Tiere in Panik würden geschlagen. Besonders schockierend sei, dass auf den Aufnahmen zu sehen sei, wie einem Rind der Schwanz umgebogen wird. Das verursache dem Tier Höllenqualen. Außerdem zeige das Bildmaterial massive Probleme bei der Betäubung von Schweinen. Immer wieder setzten sich Tiere während der Schlachtung massiv zur Wehr, schnappten nach Luft oder bewegten den Kopf. Dazu komme, dass Tiere zu wenig mit Futter und Wasser versorgt würden. Die im Video zu sehende Betäubungszange sei als Treibmittel nicht mal im Ausland üblich. Die Brucker Zustände seien im bayernweiten Vergleich einzigartig, so ein Sprecher der Tierschutzorganisation.

Der Brucker Schlachthof, so die Soko Tierschutz, sei bekannt für seine Schlachtung für Bioland, Naturland, und „Unser Land“. Die mit der Kamera aufgedeckte Realität beweise, dass die Zustände verheerend seien.

Stammt das Video wirklich aus dem Brucker Schlachthof?

Eine Sprecherin des Brucker Landratsamts, dem die Kontrolle des Schlachthofs obliegt, betont, dass es im Moment unklar sei, ob das Video wirklich im Brucker Schlachthof entstanden ist und ob es nicht unter strafrechtlich relevanten Umständen zustande kam. „Es ist nicht bestätigt, dass die Bilder im Brucker Schlachthof entstanden sind.“ Gleichwohl werde den Vorwürfen nun nachgegangen. Ganz allgemein, unabhängig von der Frage nach der Authentizität des Videos gesagt, seien das Packen eines Rinds am Schwanz und das Treiben mit Elektroschockern tatsächlich Verstöße gegen den Tierschutz. 

Zucken kein Beweis für mangelnde Betäubung

Wenn Schweine während des Entblutens zucken, dann sei das allerdings per se kein Beweis für mangelnde Betäubung, sondern könne vegetative Ursachen haben. Für einen Kontrolleur wäre das Zucken aber eine Aufforderung, zu überprüfen, ob das Tier atmet, wobei all dies nur erste Eindrücke aus dem Video seien und noch keine veterinärrechtlichen Einordnungen. Nachbetäubungen unterdessen seien kein Verstoß.

Die Kontrolle über den Schlachthof liegt übrigens nur in zweiter Instanz beim Landratsamt. Die eigentliche Kontrolle ist an eine Firma übertragen. In der jüngeren Vergangenheit seien einzelne tierschutzrechtliche Mängel beanstandet worden, berichtete die Sprecherin der Kreisbehörde. So sei ein Rind zu früh in die Box getrieben worden, was nicht sein dürfe. Außerdem sei Munition, die für Rinder gedacht sei, bei Kälbern verwendet worden. Das seien aber Momentaufnahmen gewesen. Ganz allgemein gelte: Wo kontrolliert werde, da würden auch Mängel festgestellt. Baulichen Mängeln begegne der Schlachthof derzeit mit Umbaumaßnahmen.

Gesichter mit Absicht verpixelt

Die Zweifel an der Echtheit des Videos hält man beim Tierschutzverein unterdessen für mutig. Dem Verein liege eine Version vor, in der anders als in der veröffentlichten, handelnde Personen klar zu erkennen seien. „Man sieht Verantwortliche durchs Bild latschen“, so ein Sprecher. Es gehe aber nicht um um einzelne Personen, sondern ums System. „Wir wollen, dass das aufgearbeitet wird.“

Das soll tatsächlich geschehen. So hat auch das Umweltministerium gestern bereits reagiert. Die Regierung von Oberbayern als zuständige Aufsichtsbehörde wurde ihrerseits gebeten, den Brucker Betrieb umfassend zu überprüfen.

Krisensitzung im Schlachthof

Die Soko Tierschutz gilt als Skandalmacher. Sie deckte unter anderem die Zustände in einer Putenmastanlage in Süddeutschland auf, zeigte Bilder von der Intensivhaltung von Hühnern. Sie geriet aber auch in die Kritik wegen reißerischer Darstellung und wegen der Behauptung in einem Fall, ein Rhesusaffe in einem Labor sei blutverschmieert. Tatsächlich handelte es sich um Desinfektionsmittel. Der Sprecher von Soko Tierschutz: „Ohne Videos geht es nicht.“

Im Brucker Schlachthof selbst fand gestern eine Krisensitzung statt. Unter anderem wurde gerätselt, ob eine Kamera in den Schlachthof kommen konnte. In einer ersten Reaktion hatte sich Geschäftsführer Max Keil entsetzt gezeigt. Offiziell kündigte der Schlachthof gestern an, das Material zu prüfen, „ob und wenn ja, welche Aufnahmen aus unserem Betrieb stammen könnten“. Sollte sich zeigen, dass einzelnen Mitarbeitern Verfehlungen vorzuwerfen sind, „werden wir die entsprechenden Konsequenzen ergreifen“.

Der Verein Soko Tierschutz legt Wert darauf, dass es sich bei der Behauptung, am Kopf des Affen habe sich Jod befunden, um eine Mär handelt, die das betreffende Institut selbst eingeräumt habe. Korrekt sei das Wort „Wundsekret“.

(st)  

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