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Jugendliche Straftäter sollen eine Chance erhalten.

Fürstenfeldbruck

Schwieriges Jahr für die Arbeit mit straffälligen Jugendlichen

Jeder hat eine zweite Chance verdient. Nach diesem Motto schreibt das Strafgesetzbuch vor, dass Strafe auch der Wiedereingliederung in die Gesellschaft dienen soll.

Fürstenfeldbruck - Das gilt ebenso für straffällige Jugendliche. In Fürstenfeldbruck hilft der Verein „Sozialpädagogische Resozialisierungs- und Integrationsangebote“ (Sprint) betroffenen Jugendlichen dabei, ihr oft schwieriges Leben unter Kontrolle zu bringen. Wie aus dem jetzt vorgelegten Jahresbericht 2020 hervorgeht, erweist sich die Betreuung in der Pandemie als schwierig. Coronabedingt wurden demnach aber auch weniger Jugendliche den Vereinsmaßnahmen zugeteilt.

Gruppendynamische Maßnahmen konnten nur eingeschränkt durchgeführt werden. Dem Öko-Wochenende wurden im vergangenen Jahr 21 Jugendliche zugeteilt, nur fünf von ihnen konnten die Maßnahme absolvieren. Beim sozialen Trainingskurs waren es fünf von 16. Das sei zwar schade, so die Vereinsleiterin Karen Adomeit, aber die Versorgung der Jugendlichen könne durch andere Maßnahmen sichergestellt werden.

Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz

Beispielsweise haben Jugendrichter im vergangenen Jahr 46 hauptsächlich männliche Jugendliche zu einer sechsmonatigen Betreuungsweisung verdonnert. 2019 waren es 51. Einmal zugeteilt, müssen die Jugendlichen regelmäßig Termine mit Sprint-Beratern wahrnehmen. Häufigster Grund für die Maßnahme waren Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (16 Prozent).

Insgesamt konnten 29 der 46 Betreuungsweisungen „erfolgreich abgeschlossen“ werden, bilanziert der Verein. Als erfolgreich abgeschlossen gelten alle Betreuungsweisungen, bei denen „Schritte in die richtige Richtung“ gemacht wurden und die Jugendlichen „gut mitgearbeitet“ haben. „Alle, oft vielschichtigen Probleme der Jugendlichen zu lösen ist in den sechs Monaten meist unmöglich“, sagt Adomeit.

Täter-Opfer-Ausgleich

Sprint bietet außerdem den so genannten Opfer-Täter-Ausgleich an. In dessen Rahmen sollen Klärungsgespräche – als Alternative zum Gericht – zu einer für beide Parteien zufriedenstellenden und zukunftsorientiert präventiven Lösung führen. Erfolgreich sei dieses Konzept, weil sich beide Parteien oft sozial nahe stehen.

Bei Jugendlichen enden 92 Prozent der Gespräche positiv. Über die Hälfte der Teilnehmer sind eigentlich befreundet. Die freiwillige Teilnahme bleibt aber Voraussetzung. Bei den Erwachsenen konnten die Klärungsgespräche im Jahr 2020 zu 67 Prozent erfolgreich abgeschlossen werden. Oft waren Konflikte innerhalb eines Paares Thema. Opfer waren dabei mehrheitlich Frauen.  pb

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