Fotos wie diese auf der Facebook-Seite der Wasserratten will eine Mutter nicht von ihrem Kind veröffentlicht sehen.

Umstrittener Passus

Mutter beharrt auf Datenschutz: Kind darf nicht in Schwimmkurs

  • Peter Loder
    vonPeter Loder
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Weil die Mutter nicht mit der Veröffentlichung von Fotos ihres Kindes einverstanden ist, wird dem Fünfjährigen die Mitgliedschaft bei den Wasserratten-Schwimmern verwehrt. Vereinschef und Bayerischer Landessportverband verteidigen das Vorgehen.

Fürstenfeldbruck – Theresa H. wollte ihren Sohn zum Schwimmunterricht des Wasserratten-Vereins in die Amperoase bringen. Dort wurde ihr gesagt, dass der Fünfjährige nur mitmachen dürfe, wenn die Erziehungsberechtigte allen Vertragsbedingungen zur Mitgliedschaft zustimme. Ein Passus aber störte die Mutter. Und zwar der, in dem steht, dass der Verein Fotos von ihrem Kind im Internet und auf Facebook veröffentlichen darf. Wörtlich heißt es in dem Vertragswerk: „Sämtliche Nutzungsrechte ... werden (dem Verein) exklusiv und ohne zeitliche, örtliche und inhaltliche Einschränkung übertragen.“

Eine Praxis, die in den allermeisten Vereinen – egal, welcher Sportart – so umgesetzt und damit einer Empfehlung der Sportverbände gefolgt wird. Thomas Kern, Pressesprecher beim Bayerischen Landessportverband (BLSV) in München: „So ein Passus muss in einem Mitgliedsantrag stehen.“ Stefan Sponer, seit 40 Jahren Funktionär und Präsident bei den Wasserratten, verteidigt seine Position ebenfalls: „Wir schützen uns mit dieser Maßnahme vor Klagen.“ Vor allem aber sei der Aufwand für Trainer und Betreuer zu groß, wenn ständig darauf geachtet werden müsse, welches Kind fotografiert werden dürfe und welches nicht.

Theresa H. stört sich hauptsächlich daran, dass bei einer Zustimmung Fotos in sozialen Medien veröffentlicht und die Bildrechte damit automatisch beispielsweise an Facebook übertragen werden. „Ich finde es eine bodenlose Unverschämtheit, dass der Verein von mir erwartet, ihm unwiderruflich die Rechte an Fotos meines halbnackten Kindes zu erteilen.“ Eine Freundin, die den umstrittenen Absatz im Mitgliederantrag durchgestrichen habe und trotzdem aufgenommen wurde, will mittlerweile Bilder von ihrer Tochter auf der Facebook-Seite des Vereins entdeckt haben, die gegen ihren ausdrücklichen Willen aufgenommen wurden.

Sponer kann die Aufregung nicht verstehen, zumal sein Verein ohnehin sehr sorgfältig mit Fotos umgehe. Grundsätzlich gilt für ihn: „Wenn ich Mitglied in einem Verein werden will, unterwerfe ich mich dessen Satzung. Keiner wird dazu gezwungen.“ Die Wasserratten sind mit ihren aktuell rund 420 Mitgliedern ohnehin überbelegt. Wer aufgenommen werden will, muss zunächst auf eine Warteliste.

Theresa H. hat ihr Vorhaben unterdessen aufgegeben. Sie sucht nun anderweitig Schwimmlehrer für ihr Kind, kann aber trotzdem nicht verstehen, „wie man so einen verantwortungslosen Umgang mit dem Datenschutz fordern und zur Bedingung an der Teilnahme beim Schwimmunterricht machen kann“. 

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