Im Säulensaal

Sechstes Brucker Poetry Slam ist ein voller Erfolg

Fürstenfeldbruck – Das Prinzip des Poetry Slam ist einfach: Je besser die Poeten, desto mehr Spaß haben die Zuschauer. Desto schwerer ist aber auch ihre Aufgabe, den Sieger zu ermitteln.

Unter den acht Teilnehmern der sechsten Brucker Poetry-Slam-Auflage setzte sich am Samstag eine junge Mutter durch, die mit einem erotischen Verhältnis zur Sprache verblüffte.

Weil die von der IG Kultur organisierte Veranstaltung aus dem Haus 10 buchstäblich herausgewachsen ist, fand der Dichter-Wettstreit erstmals im Säulensaal des benachbarten Veranstaltungsforums statt. Womit wohl niemand gerechnet hatte: Auch diese Location füllte sich bis auf den letzten Platz.

Ein voller Erfolg also, noch bevor der Münchner Johannes Lenz als erster Poet die Bühne mit den Uralt-Möbeln aus den Tiefen des letzten Jahrhunderts betreten hatte. Er habe Spaß daran, „Worte wie Haare zu spalten, bis sich kein Atom mehr teilt“. Lenz setzte mit seinem Rap gegen Rassismus einen leidenschaftlichen Auftakt, bevor Anna Brandl darüber nachdachte, warum so vieles Wichtige ungesagt bleibt.

Beide konnten sich aber nicht gegen den Sieger der ersten Runde durchsetzen: Yannik Sellmann schilderte sein Leben als Computerspiel-Nerd mit syntaktischem Schnellfeuer und kompromissloser Selbstironie. Das brachte ihm den lautesten Beifall und damit das Ticket fürs Finale ein. Dorthin schaffte es auch Sven Kemmler, der älteste und wohl berühmteste Poet des Abends. Der 48-jährige Autor, Kabarettist, Comedian, Regisseur und Schauspieler mit eigenem Wikipedia-Eintrag muss nur den Mund aufmachen, schon hat er einen in der Tasche mit dieser Stimme – einem Organ irgendwo zwischen Harry Rowohlt und dem fiesen Lacher am Ende von Michael Jacksons „Thriller“. Und wenn er diese Erzähler-Stimme dann noch zum Thema seines Textes macht und vorführt, wie schön sich damit gruseln lässt, dann hat die Konkurrenz das Nachsehen. Auch wenn sie so gut ist wie die Traum-Mischerin Teresa Reichel und der 17-jährige Julius Althoetmar mit seinem fiktiven Lebenslauf bis ins Jahr 2052.

Doch auf dem Dichterthron landete Meike Harms, die bayerische Slam-Meisterin 2014. Bei ihrem ersten Auftritt seit der Geburt ihrer Tochter ließ die Gilchinger Bühnenpoetin den verstorbenen Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki auferstehen. Und sie ließ das Publikum teilhaben an ihrem „erfüllten, wilden Textleben“, zu dem „ungeschützter Schriftverkehr“ ebenso gehört wie „Text an ungewöhnlichen Orten“ und „wechselnde Gesprächspartner“.

Weil eine Teilnehmerin abgesagt hatte, gab es von Moderator Johannes Berger nicht nur launige Erklärungen zum Ablauf des Abends, sondern auch ein eigenes Stück Slam-Poesie zum Thema Beziehungspausen. Nicht zu vergessen die schrägen Preise: Saure Gurken und Cornflakes für Yannik Sellmann, Wein für Sven Kemmler, Sekt für Meike Harms.

Ulrike Osman

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