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Dem langjährigen Kulturreferenten Lorenz Lampl wurde in Fürstenfeldbruck eine Straße gewidmet. 

Brucks Straßennamen

Seine akribische Recherche rettete die Klosterkirche

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Acht Geschwister, ein früh verstorbener Vater, eine mittellose Mutter – Lorenz Lampl, 1917 in Hattenhofen geboren, hatte keinen einfachen Start ins Leben.

Fürstenfeldbruck –  Und doch sollte er es weit bringen. Er wurde Arzt und engagierte sich jahrzehntelang als Kulturreferent in der Brucker Kommunalpolitik. Als sein größter Verdienst gilt die Rettung der Klosterkirche.

Das Gebäude war auf Eichenpfählen gebaut, die aufgrund von Veränderungen im Grundwasserspiegel – ausgelöst durch die Amper-Regulierung – zu modern begonnen hatten. Mit akribischer Recherche gelang es Lampl, nachzuweisen, dass über den Wittelsbacher Ausgleichsfonds das Land Bayern für den Erhalt der einsturzgefährdeten Kirche zuständig war. Er involvierte die Staatsregierung bis hinauf zu Ministerpräsident Alfons Goppel.

Und er holte das Thema ins Bewusstsein der Bevölkerung. Praktisch im Alleingang organisierte der beliebte Hausarzt 1963 die 700-Jahr-Feier des Klosters mit einem Veranstaltungsprogramm, das sich über sechs Monate erstreckte. Es gab Gottesdienste, Konzerte, Ausstellungen und Theater – Höhepunkt war eine Freilichtaufführung des „Jedermann“ vor der Kulisse der Klosterkirche. Schlussendlich setzte Lampl die bauliche Sanierung und Innenrestaurierung des Gebäudes durch. Gleichzeitig dachte er bereits weiter und gründete 1979, nur ein Jahr nach der Wiedereröffnung der Klosterkirche, den Förderverein Stadthalle. Dass der große Traum eines repräsentativen Veranstaltungsortes für Bruck in Erfüllung ging, erlebte er allerdings nicht mehr mit.

Erfolgreiche Laufbahn

Seine erfolgreiche Laufbahn war dem Mediziner nicht in die Wiege gelegt. Als sein Vater 1928 starb, war Lampl elf Jahre alt. Seine Mutter, die mit neun Kindern zurückblieb, hatte keine Möglichkeit, den aufgeweckten Buben auf eine höhere Schule zu schicken. Dass das Kloster St. Ottilien ihm mit einem Armenstipendium den Zugang zu akademischer Bildung eröffnete, vergaß Lampl nie. Nach dem Abitur 1938 trat er sogar kurzzeitig eine Klosterlaufbahn an, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beendete diese Phase. Lampl begann ein Medizinstudium und absolvierte es im Wechsel mit Fronteinsätzen als Gebirgsjäger.

1945 landete er als amerikanischer Kriegsgefangener im Lazarett in Fürstenfeld. Dort lernte er Andreas Stöckle, den damaligen Chefarzt des Brucker Krankenhauses, kennen und wurde nach dem Abschluss des Studiums 1946 dessen Assistent. Sechs Jahre später, am 1. Januar 1952, übernahm er Stöckles Hausarztpraxis in der Pucher Straße 60. Der junge Mediziner muss schon damals einen äußerst guten Ruf bei den Bruckern gehabt haben. Am Silvesterabend 1951 soll eine Patientin mit Gallenkolik in die Praxis gekommen sein, die aber nicht mehr von Stöckle behandelt werden wollte. Sie werde bis Mitternacht aushalten, um Lorenz Lampls erste Patientin zu sein, soll die Frau erklärt haben.

Im Kreistag

1952 war auch das Jahr, in dem Lampl erstmals in den Kreistag gewählt wurde. Fünf Jahre später zog er in den Stadtrat ein. Der traditionsbewusste, kirchlich geprägte und konservative Mediziner fand nach dem Niedergang der Bayernpartei seine politische Heimat bei der CSU. Als Landarzt vom alten Schlag, der für seine Patienten rund um die Uhr erreichbar war, genoss er enormes Vertrauen bei der Bevölkerung und wurde bei Wahlen oft von hinteren Plätzen nach vorne gewählt – auch, wenn er sich mit seiner eigenwilligen Art nicht nur Freunde machte.

Während seiner gesamten 33 Jahre im Stadtrat war Lampl Kulturreferent. 1966 gelang ihm die Wiederbelebung der eingeschlafenen Leonhardifahrt. Weil dem Vater von vier Kindern die Aussöhnung innerhalb Europas ein Anliegen war, setzte er sich für die Städtepartnerschaften mit Livry Gargan und Cerveteri ein. Lampl war Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Ehrenrings der Stadt. Er starb 1993 mit 75 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Die Dr.-Lorenz-Lampl-Straße an der Westseite des Volksfestplatzes erinnert bis heute an ihn. ULRIKE OSMAN

Die Serie

Viele Straßen in Fürstenfeldbruck sind nach verdienten Bürgern, Künstlern und Äbten benannt. In der Tagblatt- Serie werden die namensgebenden Persönlichkeiten vorgestellt.

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