Eine Anlaufstelle: Seit fünf Jahren leitet Bernd Moraweck ehrenamtlich die Radlwerkstatt. Diese wird zwar vom Asylhelferkreis betrieben, ist aber offen für alle. Foto: Peter Weber
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Eine Anlaufstelle: Seit fünf Jahren leitet Bernd Moraweck ehrenamtlich die Radlwerkstatt. Diese wird zwar vom Asylhelferkreis betrieben, ist aber offen für alle.

Fürstenfeldbruck

Seine Radlwerkstatt ist ein Ort der Integration

  • Eva Strauß
    vonEva Strauß
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Räder zu reparieren war nicht gerade Bernd Morawecks Leidenschaft. Er machte es halt, wenn es sein musste. Das ist nun anders: Seit fünf Jahren leitet der Puchheimer ehrenamtlich die Fahrrad-Werkstatt des Asylhelferkreises – und trägt dadurch zur Integration der Flüchtlinge bei. Nun hat ihn die Bürgerstiftung zum „Menschen der Tat“ im Oktober gekürt.

Puchheim – Jeden Freitag von 14 bis 17 Uhr herrscht reger Betrieb in den Kellerräumen der Alten Schule. Dann ziehen die Helfer der Fahrradwerkstatt Schrauben nach, flicken Reifen, reparieren Bremsen und Gangschaltungen. Und sie zeigen den Leuten – meist Asylbewerber und Bewohner der Planie –, wie sie das selber tun können. „Wir reparieren die Räder gemeinsam“, erklärt Bernd Moraweck. „Mir ist es wichtig, dass sie mithelfen können und dass man miteinander ins Gespräch kommt.“

Seit mittlerweile fünf Jahren leitet der 52-Jährige die Fahrradwerkstatt. Fünf bis sechs Stunden pro Woche verbringt er dort. Er organisiert Material und Ersatzteile und macht den „Dienstplan“. Zu seinem Team gehören noch drei weitere Helfer – Hermann Popp, Adolf Casperlein und Bernhard Rauscher. Unterstützt werden sie von drei syrischen Brüdern – 13, 15 und 21 Jahre alt. „Die übersetzen auch, das ist gut“, sagt Moraweck. Denn die Verständigung ist nicht immer einfach. Größtenteils wird Deutsch gesprochen, teils Englisch. „Und auch mit Händen und Füßen“, so der gelernte Nachrichtentechniker.

So kam es zu dem Engagement

Vor der Fahrradwerkstatt war Moraweck, der ursprünglich aus Sachsen kommt, nicht groß ehrenamtlich tätig. „Ich singe im Gospelchor, und als Jugendlicher war ich in der DDR in einer Umweltgruppe.“ Zum Aylhelferkreis sei er durch puren Zufall gekommen. „Und dann stand plötzlich diese Aufgabe vor mir.“

Angefangen hat alles 2015, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle. Er begleitete eine Freundin zur Turnhalle, wo damals die Asylbewerber notdürftig untergebracht waren. „Einer zeigte mir ein Kinderfahrrad, bei dem die Luft raus war“, erinnert sich Moraweck. Er holte Werkzeug und reparierte das Rad. Das kann er. Schließlich hat er die Drahtesel seiner Kinder auch immer wieder gängig gemacht. Ein großer Bastler sei er aber nie gewesen. „Ich habe halt das Nötigste gemacht.“ Als der Asylhelferkreis dann einen Leiter für die Fahrradwerkstatt suchte, fiel die Wahl auf Moraweck.

In den Kellerräumen der Alten Schule hatte es schon einmal eine Fahrradwerkstatt gegeben, die vom Jugendzentrum betrieben worden war. Deshalb war bereits etwas Werkzeug vorhanden. Allerdings stand alles voll mit Gerümpel. „Wir haben ausgeräumt, die Wände teilweise neu verputzt, angestrichen, mehr Werkzeug organisiert“, erzählt der 52-Jährige. Nachdem dann die ersten Puchheimer Räder gespendet hatten, konnte es losgehen.

Manchmal kommt es zu Wartezeiten

„Es wird gut angenommen“, sagt Moraweck. „Vielleicht sogar zu gut.“ Denn manchmal brächten sehr viele Leute auf einmal ihre Räder zur Werkstatt. Dann müssen Wartezeiten von bis zu drei Wochen in Kauf genommen werden, „weil wir einfach nicht mehr hinterherkommen“. Den großen Zulauf erklärt sich Moraweck auch dadurch, dass es in ganz Puchheim kein einziges Radgeschäft gebe. Die Werkstatt werde zwar vom Helferkreis betrieben, aber sei offen für alle. „Jeder kann kommen.“

Moraweck und sein Team reparieren aber nicht nur Räder, sie verkaufen sie auch. Zwischen zehn und 40 Euro kostet ein gespendetes, wieder flott gemachtes Rad. Und auch für Ersatzteile muss gezahlt werden. Das sei wichtig, so Moraweck. Denn so könne man den Asylbewerbern vermitteln, dass die Gegenstände auch einen Wert haben.

Gefragt nach seiner Motivation, antwortet der Puchheimer: „Ich möchte meinen Beitrag leisten, dass die Menschen hier einen Anlaufpunkt haben. Wo sie nicht nur ihr Rad repariert bekommen, sondern auch mal jemanden zum Reden haben – sofern es sprachlich geht.“ Zudem mache ihm die Zusammenarbeit mit den Menschen einfach Spaß. Auch das Handwerkliche reize ihn.

Und nicht zuletzt sind es Erlebnisse wie diese, die dazu führen, dass Moraweck fast jeden Freitag in der Werkstatt steht: Vor Kurzem hat ihm eine syrische Frau, die mit dem Rad nach Eichenau zur Arbeit fährt und etwas länger auf die Reparatur warten musste, etwas zu essen mitgebracht – kleine Maultaschen mit Gemüse. „Das hat mich sehr gefreut. Nicht nur, weil sie irre lecker waren, sondern auch, weil sie an mich gedacht hat.“

Von den 500 Euro Preisgeld will Moraweck sein Team zum Essen einladen. Der Rest wandert in die Kasse der Werkstatt – damit noch viele Räder repariert werden und die Integration weiter voranschreiten kann.

Die Aktion

Die Partner, die hinter der Aktion stehen.

Bei der Aktion „Mensch der Tat“ kann jeder mitmachen, der sich ehrenamtlich engagiert oder jemanden kennt, der ehrenamtlich arbeitet. Bewerbungen sind möglich über www.ehrenamtsboerse-lkr-ffb.de. Wenn jemand eine andere Person vorschlägt, muss der Vorgeschlagene die Bewerbung unterschreiben, bevor sie zurückgesendet wird. Dies geschieht entweder per E-Mail an ehrenamt@buergerstiftung-lkrffb.de oder via Post an Ehrenamtsbörse, Münchner Straße 5/ 3. OG, 82256 Fürstenfeldbruck. Eine Jury – bestehend aus Vertretern der Bürgerstiftung, der VR-Bank und des Landratsamtes – kürt die Gewinner. 

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