In dieser ehemaligen Villa an der Feldstraße entstand 1971 der erste heilpädagogische Kindergarten. archiv

Jubiläum

Seit 45 Jahren an der Seite Behinderter

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Fürstenfeldbruck – Sie war eine Pionierin: Die mittlerweile verstorbene Anita Heß. Vor 45 Jahren gründete sie unter anderem die erste Kindergartengruppe für Menschen mit Behinderung in der Villa an der Feldstraße.

Heute ist Inklusion fast schon ein Modewort. Vor 45 Jahren sah das noch anders aus. Menschen mit Behinderung lebten größtenteils am Rande der Gesellschaft. Schon damals hatte es sich Anita Heß zur Aufgabe gemacht, sich um Betroffene zu kümmern. Zuerst besuchte sie die Kinder mit Behinderung in deren Zuhause.

1969 gründete sie dann die Kinderhilfe Fürstenfeldbruck. Danach entstanden weitere Einrichtungen wie die Cäcilienschule für Kinder mit geistiger Behinderung oder verschiedene heilpädagogische und integrative Tagesstätten. Heute kümmern sich in der inzwischen in eine Stiftung überführten Kinderhilfe über 300 Mitarbeiter um mehr als 1000 Bürger im Landkreis.

Zurück zur Kindergartengruppe: 1970 hatte Anita Heß einen provisorischen Kindergarten in einem evangelischen Gemeindehaus eingerichtet. Dort wurden sechs Kinder mit Handicap zunächst nur zweimal pro Woche betreut. 1971 dann der große Schritt: An der Feldstraße 15 entstand der erste heilpädagogische Kindergarten Brucks. Hier gab es zum ersten Mal Plätze für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und verschiedenartigen Behinderungen.

Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Felder in das Angebot eingebunden. Beispielsweise bekommen die Kinder spezielle Unterstützung wie Logopädie (Sprachförderung), Ergotherapie (Wahrnehmung und Konzentration werden durch handwerkliche Beschäftigung gefördert) und Krankengymnastik.

„Das Konzept wurde immer differenzierter“, sagt Beatrix Mülling-Urban (56), pädagogischer Vorstand der Kinderhilfe Fürstenfeldbruck. „Und wir haben bereits damals Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreut.“ Offiziell heißt die Einrichtung, die jetzt ihr 45-jähriges Bestehen feiert, „Heilpädagogische Tagesstätte für Kinder von drei Jahren bis zur Einschulung“ oder bei Eltern und Kindern kurz „ Die Feldmäuse“. Sie beherbergt nach dem zusätzlichen Ankauf eines Hauses an der Landsberger Straße fünf Gruppen, in denen je maximal neun Kinder betreut werden.

Constanze Off (32) leitet die Einrichtung. „Zu uns kommen Kinder, die einen besonderen Förderbedarf haben. Häufig kommen Entwicklungsprobleme des Kindes und eine belastete Familiensituation zusammen. Hier können wir unterstützen“, erklärt sie. Die Kinder lernen in Gruppen, werden aber auch individuell von Fachpersonal vor Ort gefördert. „Manche tun sich beispielsweise beim Spracherwerb schwer, können bestimmte Silben nicht aussprechen oder haben Probleme mit der Grammatik. Andere haben Probleme mit gewissen Bewegungsabläufen“, schildert Off.

Ein Schwerpunkt sei das soziale Zusammenleben. Die Kinder haben in der Einrichtung einen geregelten Tagesablauf, essen beispielsweise zusammen. Viele von ihnen hätten soziale Ängste, die sie in der geschützten Gruppe abbauen können, so Mülling-Urban. Die meisten Kinder kommen aus Bruck, die Einrichtung bietet aber für Kinder des gesamten Landkreises Platz. Die Kosten für die Betreuung (montags bis freitags 7.30 bis 14.30 Uhr) übernimmt größtenteils der Bezirk Oberbayern – nach einem entsprechenden Antrag.

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