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Die Bläserklasse bei einem Auftritt.

Fürstenfeldbruck

Seit zehn Jahren ein Erfolgsmodell: Bläserklassen als Start ins Musikerleben

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Lesen, Schreiben, Rechnen – das ist nicht alles, was Kindern in den Brucker Grundschulen beigebracht wird. In manchen Klassen lernen sie neben dem Schulstoff auch den Umgang mit Trompete, Tuba & Co. Die Bläserklassen sind ein Erfolgsmodell, das seit zehn Jahren funktioniert. Es basiert auf der Zusammenarbeit von Stadtkapelle und Kreismusikschule (KMS).

FürstenfeldbruckAls Paul Roh vor 13 Jahren das Jugendblasorchester der Stadtkapelle übernahm, verdiente es kaum den Namen Orchester. Ganze acht Jugendliche saßen dem Dirigenten gegenüber. Was also tun, um mehr Nachwuchs zu generieren? Das Konzept der Bläserklassen kannte Roh bis dahin nur von Münchner Gymnasien – und aus den USA, wo das gemeinsame Musizieren von Schulklassen eine lange Tradition hat.

Zwei Grundschulen griffen die Idee der Bläserklasse als erste auf

In Bruck griffen zunächst zwei Grundschulen die Idee auf. Jeweils die dritten und vierten Jahrgangsstufen bekamen die Möglichkeit, zusätzlich zum Schulstoff ein Blasinstrument zu erlernen. Doch erst, als die Stadtkapelle und die KMS im Juni 2009 einen Kooperationsvertrag unterschrieben, kam das Projekt so richtig ins Laufen. „In dem Vertrag steht wenig mehr, als dass wir uns gegenseitig unterstützen“, erzählt KMS-Leiter Dirk Olbrich. Doch das genügte.

Wichtig sei damals vor allem gewesen, das „Lagerdenken“ auf beiden Seiten aufzubrechen. Fortan übernahm die KMS die Bläserklassenbetreuung, und die Stadtkapelle fungierte mit ihrem Jugendblasorchester als Zugpferd – die Aussicht, eines Tages dort mitzuspielen, ist für die Kinder eine große Motivation.

400 Schüler haben die Bläserklasse durchlaufen

Rund 400 Schüler haben seitdem die Bläserklassen durchlaufen. Heute besteht das Jugendblasorchester aus 54 Musikern zwischen zwölf und 16 Jahren. 41 von ihnen kommen aus den Bläserklassen. In der Vorstufe sind es sogar noch mehr: Von den 25 Mitgliedern der Juniorbläser haben mit einer einzigen Ausnahme alle die Bläserklassen durchlaufen – auch ihre neue Leiterin Denise Hutter hat dort ihre musikalischen Wurzeln. In der Stadtkapelle selbst kommt der Nachwuchs ebenfalls an. Unter 62 Musikern sind inzwischen 15 ehemalige Bläserklassenschüler.

Keine öffentlichen Zuschüsse für die Bläserklassen

Bei der Verteilung der Instrumente wird darauf geachtet, dass die Zusammensetzung in etwa der eines sinfonischen Blasorchesters entspricht. Geübt wird in Kleingruppen, aber auch im Klassenverbund. Öffentliche Zuschüsse gibt es für die Bläserklassen nicht. Irgendwie schaffen es alle Beteiligten trotzdem, Instrumente und Unterricht zu finanzieren. Ein Instrumentenbauer in Grafrath hilft, indem er Reparaturen zu Sonderpreisen ausführt.

Kampf um Finanzierung der Bläserklassen macht müde

Die Eltern zahlen etwa 70 Euro im Monat, für sozial schwache Familien bemühen sich die Schulen um finanzielle Unterstützung von Stiftungen. „Gerade diesen Kindern tut die Gemeinschaft beim Musizieren unheimlich gut“, sagt Paul Roh. Der alljährliche Kampf um die Finanzierung „macht müde“, räumt der Dirigent ein. Doch immer wieder zeigt sich bereits nach wenigen Monaten, wie sehr sich die Mühe lohnt – dann nämlich, wenn die Bläserklassen in der Adventszeit ihre ersten Auftritte absolvieren.

Dass die Kinder so früh auf die Bühne dürfen, ist Teil des Konzepts. „Sie ziehen sich gegenseitig mit, dadurch kommen auch die Schwächeren mit“, erklärt Roh. „Falsche Töne verspielen sich.“ Später werden die falschen Töne immer seltener. Und als die Bläserklassen heuer beim Jubiläumskonzert zur Feier der zehnjährigen Kooperation im Stadtsaal spielten, klatschte eine Rekordzahl von 700 Besuchern begeistert Beifall.

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