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Gerd Fuhrmann (73) aus Puchheim hat seine Fahrkünste testen lassen und vor drei Jahren bei der Fahrschule Leitner freiwillig einen Auffrischungskurs gemacht.

Tests und Auffrischungskurse zwischen Freiwilligkeit und Pflicht

So fahren Senioren weiter sicher Auto

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Immer wieder verursachen Senioren Autounfälle, regelmäßig werden daher Pflicht-Fahrtests für Rentner gefordert. Zwei Senioren aus dem Landkreis haben von sich aus einen Auffrischungskurs gemacht.

Fürstenfeldbruck  Die Augen werden schlechter, auch Ohren und Beweglichkeit lassen nach. Wenn sie zu Fuß unterwegs ist, braucht die Bruckerin Antonie Ochmann (91) den Rollator. Sitzt sie aber am Steuer ihres Autos, düst sie auch mal zum Starnberger See, ins Allgäu oder nach Augsburg.

Die rüstige Rentnerin hat 1953 ihren Führerschein gemacht und fährt seitdem gern und regelmäßig Auto – früher vor allem weil ihr Mann, der kriegbeschädigt war, nicht selbst ans Steuer konnte. Inzwischen nimmt die Witwe oft jüngere Senioren mit, die sich nicht mehr ans Steuer trauen. Zwar ist Antonie Ochmann auch nicht mehr die Jüngste, doch das Autofahren und die damit verbundene Mobilität will sie nicht missen.

Seniorin Antonie Ochsmann besteht den Fahrsicherheitstest

Um herauszufinden, wie fit sie am Steuer ist, hat sie einen Fahrsicherheitscheck beim ADAC absolviert. Der Fahrlehrer hat während der rund einstündigen Fahrt so gut wie nichts beanstandet. „Am Ende habe ich eine Urkunde bekommen“, sagt Antonie Ochsmann. Und schmunzelnd fügt sie hinzu: „Als ich ihm gesagt habe, wie alt ich bin, wirkte er beeindruckt.“

Auch Gerd Fuhrmann (73) aus Puchheim hat seine Fahrkünste testen lassen und vor drei Jahren bei der Fahrschule Leitner freiwillig einen Auffrischungskurs gemacht. Fuhrmann weiß: Senioren am Steuer sind eine Risikogruppe. Sie regieren langsamer und verursachen nicht selten Unfälle. Ein besonders tragischer Vorfall passierte im Januar in einer Tiefgarage. Ein Germeringer (82) übersah beim Ausparken seine Frau und überrollte sie so unglücklich, dass die Seniorin starb. Im Oktober 2016 ist ein 81-Jähriger in Germerswang in eine Gruppe von Menschen gerast. Er hatte wohl versehentlich in seinem Automatik-BMW aufs Gaspedal gedrückt.

Gerd Fuhrmann besuchte den Kurs gemeinsam mit ein paar anderen Senioren. Erst wurden im Theorieteil alltägliche Probleme im Straßenverkehr besprochen. Danach saß er in Begleitung eines Fahrlehrers etwa eine Stunde lang hinterm Steuer. „Die Atmosphäre war entspannt. Er hat nur beobachtet und später Verbesserungsvorschläge gemacht“, sagt Fuhrmann.

Rentner am Steuer fallen der Polizei oft als Parkrempler auf

Der Puchheimer war überrascht, welche Macken sich in den 53 Jahren eingeschlichen haben, in denen er Auto fährt. „Ich hatte zum Beispiel öfter nur eine Hand am Lenkrad“, sagt er. Das will er sich jetzt abgewöhnen.

Von den fast 225 300 Menschen, die derzeit im Kreis Bruck leben, sind etwa 35 300 zwischen 60 und 75 Jahre alt. Das entspricht einem Anteil von gut 15 Prozent. Die Tendenz ist steigend. Laut einer Sprecherin des Landratsamts sind im Landkreis rund 47 000 Fahrzeuge auf Halter zugelassen, die 60 Jahre und älter sind.

An den 842 Unfällen, die die Gröbenzeller Polizei 2016 registriert hat, waren 80 Menschen beteiligt, die 60 Jahre und älter sind, sagt Inspektionsleiter Karlheinz Pangerl. Ihm zufolge fallen über 60-Jährige oft als sogenannte Parkrempler auf. Diesen Fahrern passiert beim Parken ein Missgeschick. „Viele bemerken den Schaden aus Aufregung nicht und begehen Unfallflucht. Oft sind sie so nervös, dass sie nur einen Zettel hinterlassen und daheim die Polizei alarmieren, aber das reicht nicht.“

Bundesverkehrsministerium lehnt Pflicht-Fahrtests für Senioren ab

Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge tragen im Schnitt 67 Prozent der über 64-jährigen Fahrer, die an einem Unfall beteiligt waren, die Hauptschuld. Drei von vier sind es bei den über 75-Jährigen.

Häufige Gründe sind Vorfahrtsmissachtung und Fehler beim Abbiegen oder Rückwärtsfahren. Um das Risiko zu senken, haben Unfallforscher vor einem Jahr vor dem Verkehrsgerichtstag einen gesetzlich verpflichtenden Fahrtest für Rentner gefordert. Die Grünen drängten im Bundestag auf einen Pflicht-Test für Senioren ab 75, doch das Bundesverkehrsministerium wies beides ab. Begründung: Man wolle ältere Autofahrer nicht bevormunden.

„Man sollte an die Vernunft der Senioren appellieren“, sagt Fred Herrmann, Leiter der gleichnamigen Fürstenfeldbrucker Fahrschule.

Das sieht auch Karlheinz Pangerl von der Gröbenzeller Polizei so. Vielmehr sollte man an die Vernunft der Senioren appellieren, sich untersuchen zu lassen. Gerd Fuhrmann und Antonie Ochsmann gehören da allerdings bisher leider zu den Ausnahmen. „Die Resonanz für Auffrischungskurse ist sehr gering. Vielleicht weil die Senioren Angst haben, dass ihnen ihr Führerschein abgenommen werden könnte – was nicht der Fall ist.“ Das sagt Fred Herrmann, Chef der gleichnamigen Fahrschule in Bruck. Und gerade für Einkäufe oder Fahrten zum Arzt seien viele Senioren auf das Auto angewiesen – vor allem auf dem Land.

Prüfungen für Senioren am Steuer in anderen Ländern bereits Pflicht

Der Fürstenfeldbrucker Fahrschul-Chef Axel Lämmle fordert einen verpflichtenden Gesundheits-Check.

Im Gegensatz zu seinem Berufskollegen Fred Herrmann plädiert Axel Lämmle für eine verpflichtende Gesundheitsprüfung. Lkw-Fahrer müssen das ab Erwerb des Führerscheins alle fünf Jahre machen, inklusive genauer Untersuchung der Augen. Die Tests haben sich bewährt, findet der Brucker Fahrschul-Chef.

In anderen Ländern der EU sind solche Prüfungen nicht unüblich. Spanier müssen erstmals mit 45 Jahren zum Gesundheits-Check. Dieser wird danach alle fünf Jahre wiederholt, ab dem 70. Lebensjahr sogar alle zwei Jahre. In Italien wird die Fahrerlaubnis ab dem 50. Lebensjahr nur nach einer medizinischen Untersuchung verlängert. Ab dem 70. Lebensjahr dann alle zwei Jahre.

Auch der 73-Jährige Gerd Fuhrmann will seine Fahrkünste künftig in regelmäßigen Abständen überprüfen lassen. „Ich fahre fast täglich mit dem Auto und will es nicht missen“, sagt der 73-Jährige. „Dazu will ich aber sichergehen, dass ich auf der Straße keine Gefahr für mich und andere Verkehrsteilnehmer bin.“

Pilotprojekte

Andere Landkreise versuchen, Senioren das Abgeben ihres „Lappens“ leichter zu machen. In Kaufbeuren etwa gibt es kostenlose Bustickets für Renter, die freiwillig auf ihren Führerschein verzichten.

Regina Mittermeier

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