Die Bürger in Uniform wird es in der Stadt Fürstenfeldbruck vorerst nicht geben. 

Bürger in Uniform

Sicherheitswacht: Stadt Fürstenfeldbruck lehnt Hilfssheriffs mit knapper Mehrheit ab

Bürger in Uniform, die in der Stadt für mehr Sicherheit sorgen – darauf verzichtet Fürstenfeldbruck. Der Hauptausschuss hat sich gegen eine Sicherheitswacht ausgesprochen. Doch das Votum war denkbar knapp.

FürstenfeldbruckDie Sicherheitswacht wird von der bayerischen Staatsregierung derzeit beworben. Zu Jahresbeginn hatte der damalige Leiter der Brucker Polizeiinspektion, Walter Müller, das Projekt erstmals vorgestellt. Die Bürger in Uniform werden nach einem Auswahlverfahren von der Polizei ausgebildet. Sie sind ehrenamtlich an Brennpunkten unterwegs, verhindern Ruhestörungen oder Vandalismus, geben den Bürgern als Ansprechpartner ein Sicherheitsgefühl und rufen in kritischen Situationen die Polizei. Dabei haben sie die so genannten Jedermannsrechte, können also Menschen festhalten, die sie auf frischer Tat ertappen, Platzverweise aussprechen und falls nötig die Personalien kontrollieren.

In Fürstenfeldbruck gibt es solche Brennpunkte, etwa am Niederbronnerplatz oder auch am Geschwister-Scholl-Platz, berichtete OB Erich Raff (CSU). Man habe gerade am Niederbronnerplatz den Sicherheitsdienst verstärken müssen. Daher warb er für die Sicherheitswacht, die zwar der Polizei unterstellt sei, aber nach Absprache mit der Stadt an solchen Flecken helfen könne.

Unterstützung bekam er von der CSU: Er habe vor Jahren schon überlegt, den Antrag für ein städtisches Ordnungsamt zu stellen, es aber aufgrund der Kosten wieder verworfen, sagte Fraktionschef Andreas Lohde. Man müsse das Sicherheitsbedürfnis der Bürger ernst nehmen. „In anderen Bereichen vertrauen wir auch auf das Engagement der Ehrenamtlichen.“

Andere Fraktionen sahen das Thema kritischer. Die Polizeigewerkschaft bezeichne die Wacht als Placebo, sagte SPD-Fraktionschef Philipp Heimerl. „Es ist eher sinnvoll, zusätzliche Polizisten einzustellen.“ Mehr Personal komme nicht so schnell, entgegnete Raff. „Wir geben Jahr für Jahr mehr Geld für private Sicherheitsdienste aus.“

Auch Klaus Quinten (BBV) sah darin eher ein Wahlkampfthema als eine Notwendigkeit. Er regte an, eher über den Rathausreport verstärkt auf die Probleme hinzuweisen. Fraktionskollege Willi Dräxler argumentierte, so nehme man die Bürger aus der Verantwortung. Er wollte wissen, ob man die Sicherheitswacht für ein Jahr probieren könne. Denn das Amt hänge von den Freiwilligen ab, die sich melden. „Das ist ein ungemütlicher Job.“ Hier sah Raff wenig Chancen.

Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler (Grüne) ist überzeugt: „Wenn wir 2019 oder 2020 ans Polizeipräsidium herantreten, wird man uns sicher nicht zurückweisen.“ Für sie hängt das Sicherheitsgefühl der Bürger auch mit der Erstaufnahme-Einrichtung im Fliegerhorst zusammen.

Auch Florian Weber (Die Partei & Frei) sprach sich gegen „Hilfssherrifs mit Trillerpfeife“ aus. „Wir schaffen eher halbstarke Menschen, die ins Denunziantentum kommen, als zu helfen.“ Das konnte Klaus Wollenberg (FDP) nicht nachvollziehen. Das Ordnungsempfinden sei nicht mehr da, die Gesellschaft verlottere. „Wir sollten als Stadt einen kleinen Beitrag leisten.“ Lohde verwies noch auf die Deutsche Bahn, die ähnliches mit dem Schülerbegleitdienst umsetze. Letztlich stimmten sieben Vertreter von CSU, FW und FDP für die Sicherheitswacht, die acht Räte von SPD, Grünen, BBV und Die Partei & Frei waren dagegen.

Auch Alling und Eichenau hatten Sicherheitswachten abgelehnt.

Kommentar

An manchen Flecken in Fürstenfeldbruck fühlen sich Menschen abends unwohl. Das ist nicht von der Hand zu weisen, gerade wenn auch noch immer mehr Sicherheitsleute patrouillieren müssen. Um das Sicherheitsgefühl zu steigern, ist jetzt bürgerliche Zivilcourage ohne Uniform gefragt. Denn mit einem mahnenden Wort oder der Drohung, die Polizei zu rufen, erreicht man auch viel. Natürlich läuft man da Gefahr, verbal oder körperlich angegangen zu werden. Doch einer Sicherheitswacht würde es genauso ergehen.

Ingrid Zeilinger

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