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Ehrenamtliche Hospizhelfer

Sie begleiten Sterbende auf dem letzten Weg

Fürstenfeldbruck – Es ist eine Aufgabe, der nicht jeder gewachsen ist: Todkranken Menschen in ihren letzten Lebenstagen zu helfen – ehrenamtlich. Zwei Frauen berichten, warum sie sich auf der Palliativstation im Brucker Klinikum engagieren.

 Die Menschen, die auf der Palliativstation des Krankenhauses Fürstenfeldbruck liegen, haben nur noch eine begrenzte Zeit zu leben. Sieben Plätze hat das Klinikum insgesamt. Sieben Betten, die immer wieder leer sind. Hier gehen Menschen den letzten Weg – meist begleitet von ihren Angehörigen.

Ärzte und Schwestern sorgen dafür, dass die Sterbenden keine körperlichen Schmerzen haben. Die seelischen Leiden bleiben aber oft. Diese zu lindern, dem haben sich sieben ehrenamtliche Hospizhelfer verschrieben. Es geht um Würde und Selbstbestimmung, um Empathie, große Anliegen und kleine Gesten.

Ursula Hasmiller

Ursula Hasmiller (67) aus Bruck arbeitet seit acht Jahren als ehrenamtliche Hospizhelferin. Sie erklärt: „Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse. Manche Menschen mögen es, von sich zu erzählen, andere wieder wollen nicht so viel von sich preisgeben. Sie wollen nur das Gefühl haben, dass jemand in den letzten Stunden da ist.“

Es gehe um Beistand, sagt Hasmiller. Beistand beim Sterben. Das Zuhören sei ein Teil davon. Aber auch Berührungen seien wichtig. „Einigen Patienten hilft es, wenn man sie leicht massiert oder ihnen zum Beispiel mal ein Eis bringt. Manchmal sind es die ganz kleinen Dinge, die es einem Menschen leichter machen.“

Durch den Kontakt bauen die Helfer natürlich eine Bindung auf. Oft stelle einen die Tätigkeit vor Herausforderungen, sagt Hasmiller. Doch wenn die Helfer an ihre Grenzen stoßen, werden sie nicht alleine gelassen.

Es gibt immer die Möglichkeit für Gespräche. Generell sagt Hasmiller aber: „Eine Taktik gibt es nicht. Mir persönlich reicht die Tatsache, dass ich dem Verstorbenen in den letzten Tagen ein gutes Gefühl gegeben habe.“ Zusätzlich absolvieren alle Ehrenamtlichen eine Ausbildung, die sie auf ihre Aufgabe vorbereitet.

Wer helfen will, müsse aber schon bereit sein, jeden Menschen kennenzulernen. Und natürlich auch dazu, sich gewissermaßen einzufühlen, so Hasmiller. Die 67-Jährige selbst hat sich bewusst für die Aufgabe entschieden. Denn auch in ihrem Leben gab es viele Verluste. Aus ihrem Job zieht sie Kraft: „Zum einen gibt man nicht nur. Man bekommt auch wahnsinnig viel zurück. Auch von den Angehörigen.“ Für Hasmiller ist das Ehrenamt nicht nur ein Job, sondern eine Berufung.

Auch Christa Müller-Thederan (70) aus Adelshofen arbeitet ehrenamtlich auf der Palliativstation. Ihr fällt der Umgang mit dem Tod generell nicht so schwer. Sie betrachtet das Thema sehr rational: „Der Körper ist nur eine Hülle, und die Seele besteht aus Energie. Man merkt, wenn einen Körper diese Energie verlässt.“

Christa Müller-Theredan

Doch wie kann man Sterbenden die Angst vor dem Tod nehmen? Die 70-Jährige hat da ihre eigene Herangehensweise: „Ich nähere mich Menschen über das Praktische und frage, ob sie irgendetwas Materielles brauchen. Ganz wichtig für mich ist auch, den Menschen kennenzulernen – und der Humor. Wieso sollte man nicht mit den Patienten Spaß haben können?“, fragt sie. Ihr Motto lautet: „Mitgefühl ja, Mitleid nein.“ In der Tat sei es in manchen Kulturen Brauch, den Tod eines Menschen zu feiern und nicht zu betrauern.

Wichtig sei auch, den Angehörigen beizustehen. „Man darf sie auf keinen Fall vergessen“, erklärt Müller-Thederan. Die Sterbebegleiterin empfindet ihre Aufgabe – wie ihre Kollegin Ursula Hasmiller auch – nicht nur als ein bloßes Geben. Man bekomme sehr viel zurück. Nämlich die Sicherheit, dass man den todkranken Menschen die letzten Tage noch etwas verschönert hat. (mad)

Ein Info-Abend

für Interessierte, die helfen wollen, findet am heutigen Donnerstag, 8. Dezember, 19 Uhr, im Tagungsraum des Klinikums an der Dachauer Straße statt. Der Titel der Veranstaltung ist „Ehrenamtliche Hospizhelfer im Einsatz“.

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