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Wächter über den Bücherschrank: Caro Vogt und Ehemann Florian Döring mit Hund Bilbo.

Bookcrossing-Station

Sie bringen Literatur in Umlauf

Als Günther Eckardt die Holzklappe öffnet, begrüßen ihn dicke Schmöker. Der Schamane von Noah Gordon. Dan Browns Bestseller Sakrileg. Unzählige historische Romane in Dreierreihen, Geschichten, die in Pompeji und Troja spielen.

Fürstenfeldbruck –  Eckardt steht vor keinem normalen Bücherschrank. Der Olchinger ist eigens nach Bruck gefahren, um sich am „Bücherschwarm“ zu bedienen. Jutebeutel auf, Lese-Nachschub rein, wieder zurück ins Auto. Der „Bücherschwarm“ ist ein für jeden zugänglicher Schrank auf dem Grundstück des Ehepaars Caro Vogt und Florian Döring. Das umfunktionierte Bienenhaus steht im Vorgarten einer schmucken, mehr als 100 Jahre alten Villa an der Brucker Straße. Das Prinzip: Geben und Nehmen. Jeder kann sich kostenlos Bücher ausleihen und selbst welche einstellen. Klauen ist nicht möglich: Wer will, darf die Wälzer nämlich auch behalten.

„Wir hatten schon Angst, dass hier alle ihre alten Utta Danellas abladen“, sagt Florian Döring. „Stattdessen finden wir immer wieder Sachen, die wir schon lange einmal lesen wollten. Oder echte Raritäten. Kürzlich war sogar ein altes französisches Kinderbuch dabei, wohl aus den 1950er-Jahren“, sagt Döring über seine Entdeckung. Er kümmert sich darum, dass im „Bücherschwarm“ nur das landet, was dort auch hingehört: Krimis, Kochbücher, Kinderliteratur. Gerne auch fremdsprachliche Werke. Keine tendenziösen Schriften. Schließlich soll jedes Werk, das seinen Weg in das alte Bienenhaus findet, auch wieder ausschwärmen.

„Unser Bücherschrank wird sehr gut angenommen“, sagt Caro Vogt. „Insgesamt wird sorgsam mit ihm und seinem Inhalt umgegangen.“ In der Nachbarschaft stoße er überwiegend auf positive Resonanz. „Viele kommen und sortieren einfach mal“, erklärt Florian Döring. „Als es einmal geregnet hat und die Klappen des Schranks offen standen, hat ein Nachbar sie zugemacht.“

Das Ehepaar will einen Ort des Austauschs und der Kommunikation schaffen. Vielleicht bekommt der Schrank bald, wenn es wieder wärmer ist, eine kleine Sitzbank daneben gestellt. Damit man direkt vor Ort stöbern und schmökern kann.

Die Idee mit dem Bücherschrank ist natürlich keine neue. Landauf, landab sprießen sie in alten Telefonzellen, stillgelegten Bushaltestellen und wasserdichten Glaskästen aus dem Boden. Auch der Brucker „Bücherschwarm“ hat ein Vorbild: das Literarische Bienenhaus in Illertissen, das Vogt und Döring bei einem Ausflug dorthin entdeckt hatten.

Tauschen liegt im Trend. Vogt hofft daher, dass der Schrank in ihrem Vorgarten zu einer sogenannten Bookcrossing-Station wird. Dabei handelt es sich um eine weltweite Bewegung zur kostenlosen Weitergabe von Büchern. Auf der Website des Projekts kann man seine Werke registrieren. Jedes Exemplar erhält eine eigene Identifikationsnummer. Im Anschluss werden die registrierten Romane und Co. an Freunde oder Unbekannte – zum Beispiel über einen Bücherschrank – weitergegeben.

Auf der Bookcrossing-Homepage kann man nicht nur die eigenen Bücher verfolgen. Über die gefundenen und gelesenen kann man sich auch mit dem Vorbesitzer und den anderen Findern austauschen. „Man schaut einfach, was mit seinem Lieblingsbuch passiert“, schwärmt Vogt von dem Projekt. (kb)

Mitmachen

Wer das Ehepaar unterstützen will, kann täglich von 7 bis 22 Uhr gut erhaltene, lesenswerte Bücher in die Tauschbörse einstellen. Nur nachts, so bitten Vogt und Döring, solle der Schrank nicht besucht werden: Da bewacht ihr literarisch vorgebildeter Hund Bilbo seinen Schatz im Bienenhaus.

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