Kontakt in die ganze Welt hatte Peter Heep schon per Funk
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Kontakt in die ganze Welt hatte Peter Heep schon per Funk

Fürstenfeldbruck

Sie funkten schon mit einem König

Mit großen Antennen senden die Funker vom Fürstenfeldbrucker Ortsverband des deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) Signale vom Dach ihrer Häuser bis an die entlegensten Orte der Welt. Sie erreichen einsame Bergrepubliken genauso wie unbewohnte Inseln. Und manchmal sind unerwartet am anderen Ende der Leitung weltbekannte Gesprächspartner.

Fürstenfeldbruck – Wenn Peter Heep (Rufzeichen DC3PH) mit seiner doppelten 8,5 Meter Antenne „CQ-DX“ sendet, weiß er nie, wer ihm antworten wird. Denn dies ist das Funkzeichen für einen allgemeinen, interkontinentalen Anruf. „Ich hatte schon Kontakt in 230 Länder“, so der 61-Jährige. Allerdings gebe es auch deutlich mehr Amateurfunk-Länder als politische Länder. So zerfalle zum Beispiel das Vereinigte Königreich für die Funker in viele kleine Einzelländer wie England, Irland oder Gibraltar.

Bestätigt wird so ein Funkkontakt dann traditionell durch eine sogenannte QSL-Karte. QSL ist das Morsesignal, mit dem der Empfang einer Nachricht bestätigt wird, und mit dieser Postkarte bestätigen die Funker einander auch heute noch den Funkkontakt. Immer beliebter werde aber auch das Protokollieren der Kontakte über das Internet, so Heep, der als QSL-Manager beim DARC-Ortsverband für die Aufbewahrung der QSL-Karten zuständig ist.

Für die Funker besteht die Herausforderung darin, möglichst viele dieser Länder zu erreichen. „Besonders gefragt sind dabei seltene Länder wie Nordkorea oder auch unbewohnte Inseln, zu denen es gelegentlich Expeditionen gibt“, sagt der 61-Jährige. Er hatte bereits rund um die Welt Funkkontakte, Distanz sei dabei kein Problem. „Neuseeland ist auch auf meiner Liste“, so Heep. Das sei möglich, weil das Funksignal an der Atmosphäre reflektiert werde.

Sein schönstes Erlebnis war aber nicht weit entfernt, sondern sehr selten. Im Jahre 2006 hatte Heep Kontakt in die kleine Mönchsrepublik Athos. Dort leben auf einem griechischen Berg um die 2000 Mönche. Ein im vergangenen Jahr verstorbener Mönch namens Apollo sei Amateurfunker gewesen. „Wenn der auf Sendung war, dann wollte die ganze Welt ran“, so Heep. Denn so ein seltenes Land sei bei Amateurfunkern sehr gefragt.

Neben seinen eigenen Karten verwaltet Heep als QSL-Manager auch das Archiv des Vereins, in dem sich auch sehr unerwartete Kontakte finden lassen. „Wir haben hier eine Karte aus dem Jahr 1995 von Hussein I bin Talal, dem inzwischen verstorbenen König von Jordanien“, so der Fürstenfeldbrucker. Auch ein Kontakt mit dem ehemaligen argentinischen Staatspräsidenten Carlos Menem sei dokumentiert.

Bei all diesen Funkkontakten ist das erste Gesprächsthema meist das gemeinsame Hobby, das Funken. Diskutiert wird über Signalstärke, Verständlichkeit, die jeweilige Ausrüstung mit Antennen und Geräten sowie der Standort der beiden Funker. Auch über unverfängliche Themen wie das Wetter wird gerne gesprochen.

„Unerwünscht sind dagegen Themen wie Politik oder Religion, und Werbung wird natürlich sehr ungern gesehen“, so Helmut Berka (Rufzeichen DL2MAJ), Vorsitzender des DARC-Ortsverband Fürstenfeldbruck. Bei einem Gesprächspartner aus dem Iran könne er zwar annehmen, dass derjenige Moslem sei – nachgefragt wird nach Funkeretikette aber nicht. Gesprochen werde, sofern die Gesprächspartner nicht zufällig eine andere Sprache teilen, immer auf Englisch.

Da das Funken auch in der Pandemie relativ problemlos möglich ist, nahmen im letzten Jahr laut Berka sogar mehr Funker an den Vereinswettbewerben Teil. Doch viele, häufig jugendliche, Vereinsmitglieder interessieren sich gar nicht so sehr für das Funken, sondern basteln lieber mit Elektronik. „Wenn das Funkgerät fertig ist, ist es für die uninteressant“, so der Vereinsvorsitzende. Für diese Bastler gebe es ein regelmäßiges, betreutes Online-Basteln. „Wer sich fürs Basteln oder Funken interessiert, kann sich gerne bei uns im Verein melden“, so Berka.

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