Jubiläum 

Sie heben die Schätze der Heimatgeschichte

Gerade mal 27 Geschichtsbegeisterte waren es, die vor 35 Jahren den Historischen Verein Fürstenfeldbruck (HVF) gründeten. Ziel war die Errichtung eines Heimatmuseums. Das ist längst verwirklicht. Seine Aktivitäten hat der Verein seither eher noch ausgebaut. Heute zählt er 650 Mitglieder.

Fürstenfeldbruck – Zum ersten Mal wurde in Bruck 1903 ein historischer Verein gegründet. Er durchlebte – kriegsbedingt – Höhen und Tiefen, bestand aber, bis Anfang der 1970er Jahre das letzte Mitglied starb. Das damalige Heimatmuseum in der Kirchstraße wurde geschlossen, die Exponate teilweise verschenkt und teilweise auf den Speichern verschiedener städtischer Gebäude gelagert – und vergessen. Bis sich der damalige Kulturreferent Lukas Drexler auf die Suche nach einer Kiste alter Bücher machte, die ein Verwandter vor vielen Jahren dem Museum geschenkt hatte. Angesichts der unsachgemäßen Lagerung der Museumsbestände „traf ihn der Schlag“, wie HVF-Vorsitzende Anna Ulrike Bergheim erzählt. Für Drexler war klar: Es muss wieder ein Museum her. Und dafür braucht es einen historischen Verein.

Die Gründung fand im Saal des Hotel Post statt – exakt dort, wo fast 80 Jahre zuvor der Vorgänger-Verein aus der Taufe gehoben worden war. Angesichts des bescheidenen Häufleins an Interessierten soll der Gründungsvorsitzende Robert Weinzierl sogar einen zufälligen Gast aus der Wirtschaft „am Schlafittchen gepackt und dazu geholt haben“, berichtet Bergheim und lacht. Diese und ähnliche Anekdoten will sie auf der 35-Jahr-Feier Mitte November statt „weihevoller Ansprachen“ zum besten geben. Das Fest hat unter anderem den Zweck, die 17 noch lebenden, teilweise über 90-jährigen Gründungsmitglieder zu ehren.

Der Verein ist stolz darauf, dass er neben der Heimat-Sammlung im Museum Fürstenfeldbruck eine vor- und frühgeschichtliche Abteilung eingerichtet hat. Hier sind Exponate zu sehen, die der HVF bei archäologischen Grabungen zutage förderte. Inzwischen kann zwar zum Leidwesen der Mitglieder nicht mehr so viel gegraben werden, da es für öffentliche Flächen kaum noch entsprechende Genehmigungen gibt. Doch auf Privatgelände ist der HVF nach wie vor aktiv. Im letzten Sommer wurde er gar zu einer Notgrabung an der Bahnlinie bei Kottgeisering gerufen. Dort war die Bahn im Begriff, im Zuge von Gleisarbeiten ein Bodendenkmal zu zerstören – bis der Grundstücksbesitzer das Landesamt für Denkmalpflege einschaltete. Gemeinsam mit Profi-Archäologen retteten fünf HVF-Mitglieder, was zu retten war. „Sie haben 14 Tage lang schweren Lehm umgedreht und mit den Fingern Scherben ausgegraben“, so Bergheim.

Damit möglichst keine archäologische Fundstelle unentdeckt bleibt, veranstaltet der Verein jedes Frühjahr, wenn die Äcker umgegraben sind, eine Feldbegehung. Doch es gibt im HVF auch Projektgruppen mit anderen Schwerpunkten. Zwei Jahre lang wurden alle Burgen im Landkreis erfasst und die Erkenntnisse in einem Buch zusammengetragen. Aktuell beschäftigt sich eine Gruppe mit dem Brauen von Steinzeitbier, eine andere führt Zeitzeugen-Interviews zur Geschichte des Fliegerhorsts. Wieder andere Aktive beschäftigen sich mit der Gründung einer Bibliothek zu den Themen Landkreis-Geschichte, Klöster im Landkreis, Fliegerhorst und Archäologie. „Da haben wir Literatur vom Feinsten“, sagt Bergheim stolz.

Überalterung, ein Thema in vielen Vereinen, ist auch im HVF ein Problem. Als die Maisacherin mit Ende 50 den Vorsitz übernahm, gehörte sie quasi zur Vereinsjugend. Kein Wunder also, dass man sich Angebote für Kinder hat einfallen lassen – zum Beispiel archäologische Workshops, bei denen mit Scherben „gepuzzelt“ werden darf. Bei der sieben- bis zwölfjährigen Zielgruppe kommt das sehr gut an. Und die 14-jährige Enkelin zweier Mitglieder verbringt ihre Ferien regelmäßig in Bruck, um zu den Vereinstreffen mitzugehen. (Ulrike Osman)

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