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Hertha Locke star mit 95 Jahren. 

Nachruf

Sie öffnete den Bruckern die Tür zu neuen Welten

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Hertha Locke hat unzähligen Bruckern zu Entspannung und Erholung verholfen. Jahrzehntelang betrieb sie einen Buchladen und ein Reisebüro in der Schöngeisinger Straße.

Fürstenfeldbruck –  Man kannte sie als resolute, tüchtige Geschäftsfrau mit sozialer Ader. Kürzlich ist Hertha Locke im Alter von 95 Jahren gestorben.

Dass es die 1924 in Graz geborene Österreicherin nach Bruck verschlug, war dem Krieg geschuldet. Ihr späterer Mann landete nach der Gefangenschaft an der Amper. Die beiden hatten sich durch die Kriegswirren aus den Augen verloren, doch als Hertha Locke ihren Franzbert wiedergefunden hatte, folgte sie ihm nach Bruck.

Dort arbeitete er auf dem Fliegerhorst für die Amerikaner – und meldete sich kurzerhand, als nach einem guten Barkeeper gesucht wurde. Zwar hatte er keinerlei Erfahrung, aber er lernte schnell und wurde mit gutem Verdienst belohnt, denn die Trinkgelder in harten Dollars flossen reichlich. Und für einen Dollar bekam man damals 16 Mark.

Dazu kam das Reisebüro

Bald konnten sich die Lockes in einen Buchladen in der Pucher Straße einmieten, den sie später kauften. Nach dem Umzug in die Schöngeisinger Straße eröffneten sie zusätzlich ein Reisebüro. Um zu wissen, wo sie ihre Kunden hinschickten, reisten die Eheleute auch selber viel. Und Hertha Locke verschlang Bücher – am liebsten alles querbeet.

Die Verbundenheit zum Fliegerhorst blieb bestehen. Mit Sachspenden unterstützten die Lockes verschiedene Projekte der Bundeswehr. Auch für Anliegen der Brucker Volkshochschule hatten sie immer ein offenes Ohr. Der Buchladen blieb bis weit über das Rentenalter hinaus Hertha Lockes Herzensangelegenheit. Sie führte ihn bis zu ihrem 85. Geburtstag. Das Reisebüro hatte sie da längst verkauft.

1997 starb Hertha Lockes Mann, 2003 verlor sie ihre Tochter an den Krebs. Von diesem Schicksalsschlag sollte sie sich nie mehr ganz erholen. Er veränderte die einst so taffe Frau – so sehr, dass sie leichte Beute für Menschen mit bösen Absichten wurde. In hohem Alter fiel Hertha Locke auf einen Enkeltrick herein und händigte einem Betrüger Wertgegenstände und Ersparnisse in sechsstelliger Höhe aus. Sie verlor alles, was sie sich für ihre Pflege in den eigenen vier Wänden zurückgelegt hatte.

Nur noch ein Schatten ihrer selbst, verbrachte die ehemals begeisterte Golfspielerin ihre letzten Lebensjahre bei Rosenheim in der Nähe ihrer beiden Enkelkinder, die bis zuletzt an ihrer Seite waren. 

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