Sie fallen auf und kommen so leicht ins Gespräch: Die Teilnehmer der deutschlandweiten Mut-Radtour wollen für einen offenen Umgang mit dem Thema Depression werben. Jetzt machten sie auch in Bruck Station.
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Sie fallen auf und kommen so leicht ins Gespräch: Die Teilnehmer der deutschlandweiten Mut-Radtour wollen für einen offenen Umgang mit dem Thema Depression werben. Jetzt machten sie auch in Bruck Station.

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Sie radeln für einen offenen Umgang mit Depression

  • Fabian Dilger
    VonFabian Dilger
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Von Ort zu Ort radeln und reden über das Thema Depression: Das ist, kurz gesagt, das Konzept der Mut-Radtour. Seit 17. Juni sind die Mut-Radler unterwegs und machten jetzt auch am Brucker Hauptplatz Station.

Fürstenfeldbruck – Immer noch haftet depressiven Menschen ein Stigma an, sagt Bernhard Rieder: „Da gibt es schon viele Tabuzonen.“ Der 47-Jährige fährt seit Regensburg gemeinsam mit Franziska Radczun (32) ein Tandem, innerhalb von sieben Tagen soll es nach Ulm gehen. Gerade im Arbeitsumfeld sei eine Depression immer noch heikel, sagt Rieder. Denn da gehe es sofort um die Frage: Ist der- oder diejenige überhaupt noch leistungsfähig? Wer traue sich schon auf der Arbeit zu sagen, dass er zu einem Therapie-Termin müsse, sagt Franziska Radczun: „Zum Zahnarzt zu gehen, das ist kein Problem, da spricht man darüber.“

Sprechen, sich öffnen, Geschichten erzählen und zuhören, das machen die Mut-Radler auf ihrer Tour. Auf der Etappe von München über Puchheim und Fürstenfeldbruck nach Grafrath hat Bernhard Rieder schon wieder mit einem älteren Mann gesprochen, der selbst depressiv war, aber nie jemanden davon erzählte. Das zeige, „dass es immer noch nicht normal ist“, sagt Rieder.

Die Mut-Radtour gibt es seit 2012. Auf ihrem Weg durch ganz Deutschland suchen die Ralder – Menschen mit und ohne eigene Depressionserfahrung – das Gespräch: Bei der Mittagspause, beim Eisessen, oder weil sie eben mit ihren Tandems und der bunten Ausrüstung auffallen, wie auf dem Brucker Marktplatz. Die Teilnehmer wissen, wie sie das Thema anpacken können. Franziska Radczun engagiert sich zum Beispiel in der Arbeit mit Angehörigen, Bernhard Rieder war selbst erkrankt.

Und im Jahr 2021 ist das Thema wahrscheinlich so dringend wie noch nie: Es gibt zwar noch keine griffige Statistik, doch während und nach der Corona-Pandemie dürfte einerseits die Anzahl der Menschen mit Depression deutlich angestiegen sein, schätzen viele Experten. Und andererseits haben Lockdowns und soziale Isolation den Leidensdruck bei Depressiven noch einmal verstärkt, weil Abwechslung und andere Beschäftigungen fehlten. „Es gab halt keine Möglichkeit, aus der Krise rauszukommen“, sagt Rieder.

Die Tour will deswegen aufmerksam machen: Offenheit hilft. Depressive und ihre Angehörigen sollen sich nicht mehr verstecken oder schämen müssen – eben mutig sein. Das gilt auch dann, wenn man eine Depression bei einem Bekannten vermutet. Nachfragen, Hilfe anbieten oder auch etwas fordern, das kann helfen, wenn die Betroffenen nicht mehr selbst tätig werden können. „Man muss Angehörige und Freunde sensibilisieren“, sagt Radczun.

Info

Wenn Sie Hilfe benötigen oder eine Depression bei sich selbst vermuten, dann sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder einer Fachberatungsstelle. In Fürstenfeldbruck bietet die Caritas zum Beispiel eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen an, Telefon (0 81 41) 32 07 19.

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