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Das Ehrenamt soll gewürdigt werden.

Landkreis Fürstenfeldbruck

Sie sind die Menschen der Tat - eine Zwischenbilanz

  • Thomas Steinhardt
    vonThomas Steinhardt
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Seit Mai vergangenen Jahres verleiht die Bürgerstiftung Fürstenfeldbruck monatlich den Ehrenamtspreis „Mensch der Tat“. Eine Zwischenbilanz.

Ehrenamt als roter Faden

Puchheim – Als erster Mensch der Tat wurde Viktoria Rösler im Mai ausgezeichnet. Die 83-Jährige setzt sich gerne für andere Menschen ein – und das schon fast ihr ganzes Leben lang.

Wäre nicht Corona, dann wäre Viktoria Rösler als Familienpatin des Kinderschutzbundes, als Hausaufgabenhelferin im Hort der Grundschule Süd und in der Nähstube für Asylbewerber aktiv. Bis zu drei Mal in der Woche war sie vor der Pandemie im Dienste des Ehrenamtes unterwegs – meistens mit dem Radl. Zudem ist sie Wanderführerin bei der Aktiven Seniorenrunde Puchheim.

Viktoria Rösler hilft an der Schule Süd.

Seit sie 16 Jahre alt ist engagiert sich Viktoria Rösler ehrenamtlich. Erst in der Landjugend, dann im Pfarrgemeinderat und in der Nachbarschaftshilfe. Angeregt durch ihre eigenen Kinder gab sie zehn Jahre lang Firm- und Kommunionsunterricht. Zudem machte sie bei der Kinderbibelwoche mit.

Ebenfalls zehn Jahre lang engagierte sich die Puchheimerin beim Treffpunkt für psychisch Kranke. So unterschiedlich Viktoria Röslers Engagement die ganzen Jahre hindurch auch war, eines ist immer gleich geblieben: Es wäre ihr sonst zu langweilig geworden, wie sie sagt.

Finanz-Fuchs ermöglicht Hallenbau

Germering – Werner Fritzen ist der Mensch der Tat im Juni. Mit gerade einmal 23 Jahren wurde er Kassier beim TSV Unterpfaffenhofen-Germering. Mittlerweile ist er 70 Jahre alt – und immer noch für die Finanzen des größten Sportvereines im Landkreis zuständig.

Als Fritzen als Kassier anfing, hatte der TSV Schulden. Es gelang ihm, den Verein aus der Kreide zu holen. Im Laufe der Zeit wurden aus den roten Zahlen schwarze. Zudem modernisierte er den Verein in puncto Mitgliederverwaltung: Er führte ein EDV-System ein und, dass die Mitgliedsbeiträge per Lastschrift eingezogen werden.

Werner Fritzen vor dem Sportzentrum des TSV Unterpfaffenhofen. Er hat maßgeblich zum Bau beigetragen.

Fritzens größte Herausforderung war aber der Bau des Sportzentrum an der Alfons-Baumann-Straße. Dabei stieß er auf etliche Widerstände. Doch mit viel Überzeugungskraft, Verhandlungsgeschick und finanziellem Know-how gelang es ihm, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. 1989 stand die Finanzierung des Zentrums, 1990 folgte der Spatenstich. Zwei Jahre später nahm das Sportzentrum seinen Betrieb auf.

Fritzen kennt den TSV seit seiner Kindheit. Er begleitete seinen Vater zum Faustball spielen. Später war er selbst als Spieler tätig.

Einsatz für Behinderte

Emmering – Fast vier Jahrzehnte lang war Roswitha Gebhardt Vorsitzende des Kreis Eltern behinderter Kinder (EbK) Fürstenfeldbruck. Dabei wurde sie stets von ihrem Mann Vitus unterstützt. Für ihren Einsatz wurde die 74-Jährige zum Mensch der Tat im Juli gekürt.

Roswitha und Vitus Gebhardt machten das Leben vieler Behinderter bunter.

Angefangen hat alles mit der Geburt ihrer Tochter Birgit. Das Mädchen war geistig und körperlich behindert. Die Gebhardts suchten Kontakt zu anderen Eltern von Kindern mit Handicap. 1976, Birgit war fünf Jahre alt, gründete sich der EbK – als Selbsthilfegruppe. Rowitha Gebhardt und ihr Mann organisierten Kegelabende, Ausflüge und Familien-Freizeiten – und machten so das Leben vieler Behinderter und deren Familien bunter.

Er baute Wassertanks in Afrika

Olching – Mensch der Tat im August wurde Friedrich Kilian. Der Olchinger hat sich jahrzehntelang für Afrika eingesetzt. So baute er Anfang der 1990er-Jahre Wassertanks für die Mission der Schwester Stieren in Tansania.

Friedrich Kilian engagierte sich jahrzehntelang für den schwarzen Kontinent.

Insgesamt zwei Mal ist der heute 82-Jährige dort gewesen – und hat durch seine Arbeit entscheidend dazu beigetragen, den Grundstein zum Aufbau einer Wasserversorgung zu legen. In praller Sonne, bei vierzig Grad im Schatten, schnitt er Bleche zu, reparierte und schweißte Wassertanks.

Auch heute noch engagiert sich Kilian für den schwarzen Kontinent. Er sammelt Nähmaschinen für den Kongo und organisiert den Transport dorthin. Darüber hinaus ist er seit über 30 Jahren bei der Sammelstelle für Hilfsgüter (vorwiegend für Osteuropa) auf Gut Graßlfing aktiv.

Orgel und Funkgerät als Leidenschaft

Fürstenfeldbruck – Oberministrant, Firmhelfer, Orgelspieler und Amateurfunker: Das alles macht Sebastian Karl neben der Schule. Er ist der Mensch der Tat im September.

Sebastian Karl spielt Orgel bei Gottesdiensten in der Region. Es ist nur eine seiner vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Das Pensum an ehrenamtlichen Tätigkeiten, das der 16-Jährige absolviert, ist bemerkenswert. Ein Großteil davon spielt sich in der Kirche, genauer gesagt im Pfarrverband Fürstenfeld ab. So ist er mittlerweile Oberministrant in St. Bernhard. Er macht die Einsatzpläne für die Messdiener, organisiert Treffen und lithurgische Abende. Zudem spielt er Orgel bei Gottesdiensten in den Pfarrverbänden Fürstenfeld und Glonnauer Land sowie in Germering. Eigentlich ist er fast jedes Wochenende mehrmals im Einsatz.

Neben dem Orgelspielen hat Sebastian Karl noch eine zweite Leidenschaft: das Funken. Er engagiert sich im Brucker Amateurfunkerverein und leitet dort auch Nachwuchsfunker an. Seit September macht er eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn.

Integration durch Radlwerkstatt

Puchheim – Bernd Moraweck ist der Mensch der Tat im Oktober. Seit fünf Jahren leitet der 52-Jährige ehrenamtlich die Radlwerkstatt des Asylhelferkreises in Puchheim – und trägt dadurch zur Integration der Flüchtlinge bei.

Jeden Freitag von 14 bis 17 Uhr herrscht reger Betrieb in den Kellerräumen der Alten Schule. Dann ziehen die Helfer der Fahrradwerkstatt Schrauben nach, flicken Reifen, reparieren Bremsen und Gangschaltungen. Und sie zeigen den Besuchern – meist Asylbewerber und Bewohner der Planie – wie sie das selbst tun können. Zudem können die Flüchtlinge dort Räder kostengünstig kaufen.

Bernd Moraweck leitet die Radlwerkstatt des Asylhelferkreises.

Damit das alles so funktioniert, muss einer den Überblick haben. Fünf bis sechs Stunden pro Wochen verbringt Moraweck in der Radlwerkstatt. Er organisiert Material, Ersatzteile und macht den Dienstplan. Zu seinem Team gehören drei weitere Helfer sowie drei syrische Buben. Sie alle tragen dazu bei, dass die Asylbewerber in Puchheim eine weitere Anlaufstelle haben.

Er hilft, wo er kann 

Fürstenfeldbruck – Egal, wo Hilfe benötigt wird, Udo Lübcke packt mit an. Vor allem in seiner Nachbarschaft wird der 61-Jährige für seine große Hilfsbereitschaft geschätzt. Und die Jury war von seinem Engagement beeindruckt und hat ihn zum Mensch der Tat im Januar gekürt.

Udo Lübcke hilft Menschen in seiner Nachbarschaft aus der Patsche.

Ob es gilt, Schränke aufzubauen, Hosen zu kürzen oder einzukaufen: Für viele ist Udo Lübcke einfach der Retter in der Not. Zudem hat er jahrelang zwei Mädchen von Bruck nach Jesenwang in den Kindergarten gefahren – und auch wieder abgeholt. Oft hilft er Alleinerziehenden oder Senioren.

Sie engagiert sich für Senioren 

Grafrath – Ob gemeinsames Kegeln, der Rommé-Cup am Sonntag-Nachmittag oder Besuche mit ihrem Hund: Annette Petzold (71) machte das Leben der Bewohner des Jesenwanger Seniorenheimes etwas bunter. Derzeit liegt ihr Engagement coronabedingt auf Eis. Doch sobald es wieder geht, will sie weitermachen – schließlich ist sie der Mensch der Tat im Dezember.

Annette Petzold bringt Farbe in den Heim-Alltag.

Weil ihre Mutter im Jesenwanger Heim lebte, fing Annette Petzold an, sich dort zu engagieren. Schon bald machte sie bei den Farbtupfern mit. Das ist ein Gruppe Ehrenamtlicher, die regelmäßige Veranstaltungen zu saisonalen Anlässen auf die Beine stellte. Da konnte es um Erdbeeren gehen, um Feste oder Bräuche rund ums Jahr. Interessante Fakten zum Thema wurden kombiniert mit lustigen Geschichten, Musik und einem Gläschen Sekt.

Bevor die Pandemie alles durchkreuzte, besuchte Annette Petzold jede Woche die Jesenwanger Senioren. Es wurde gemeinsam gespielt oder einfach nur geratscht.

Die Naturschutz-Managerin

Eichenau – Mehr als 200 Ehrenamtliche sind in der Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz (LBV) aktiv. Das ist auch der Verdienst von Rita Verma. Sie hat das Ehrenamtsmanagement neu strukturiert – und so den LBV interessanter für Familien und Berufstätige gemacht. Sie ist der Mensch der Tat im November.

Rita Verma hat das Ehrenamtsmanagement des LBV umgekrempelt.

Seit 2010 kümmert sich die studierte Botanikerin vor allem um die Bereiche Ehrenamtliche, Mitgliederpflege und den Laden. Die Kreisgruppe wurde neu ausgerichtet. Seit 2015 ist Rita Verma (44) Vorsitzende der LBV-Kreisgruppe.

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