Der besondere Stammtisch

Sie wurden in der Hasenheide groß

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Hasenheide Baracken aufgestellt, die für rund 300 Heimatvertriebene und Kriegsheimkehrer zur zweiten Heimat wurden. Mitte der 1960er-Jahre schlossen die Behörden das Lager. Die alten Hasenheider indes pflegen bis heute den Kontakt zueinander.

Fürstenfeldbruck – Die Hasenheide ist längst zum dichtbesiedelten Gewerbegebiet mit Autohäusern, Getränkemarkt, Spielcasinos, Wertstoffhof und vielem mehr geworden. Wenn die früheren Bewohner bei ihren alle fünf Jahre stattfindenden Stammtischen zusammenkommen, werden Erinnerungen wach.

Schon seinerzeit, kurz nach Kriegsende, gab es hier in kleinem Rahmen alles, was ein Viertel braucht, erinnert sich Resi Oberhorner. Es gab eine Schreinerei, einen Schneider und einen Friseur, einen Schuster, einen Polsterer, eine Gardinenweberei und – man höre und staune – sogar einen Kindergarten.

„Und nicht zu vergessen den Tante-Emma-Laden vom Herrn Schwind“, ergänzt Oberhorner. „Kolonialwaren und Drogen“ stand auf dem alten Geschäftsschild. „Bei meinem Vater wurde eigentlich rund um die Uhr eingekauft – wir wurden auch spätabends und am Sonntag rausgeklingelt“, erinnert sich Peter Schwind. Seine Familie lebte von 1946 bis 1962 in der Barackensiedlung.

Die Heimatvertriebenen, die am äußeren Rand von Bruck eine Bleibe fanden, kamen aus dem Sudetenland, waren Ungarn-Deutsche und Donauschwaben. Im Gespräch mit Peter Schwind kommt Resi Oberhorner ins Schwärmen: „Mei, schee war’s ja schon – wir haben einfach zusammengehalten und wir waren eine richtige Gemeinschaft, wo einer dem anderen geholfen hat.“

Auf der Wiese Richtung Fliegerhorst klaubten die Hasenheider-Kinder Munitionshülsen auf und ihre Wertstoffe brachten sie zum Alteisenhändler, dem „Eisen-Rudi“. Den Erlös dieser Kupferwaren setzten die Kinder schnell in Zuckriges um: „Für ein Zehnerl haben wir beim Kiosk von der Dora fünf Guatl bekommen und wenn sie ihre Spendierhosen anhatte, gab’s auch mal zwei obendrauf“, erinnert sich Oberhorner.

Dieser Kiosk war ein gutes Stück Fußmarsch entfernt von der seinerzeit von der Innenstadt noch arg abgehängten Hasenheide: Er stand in der Maisacher Straße, schräg gegenüber des Lichtspielhauses. Gleich daneben war die Wirtschaft vom Maisacher Bräu. Dort löffelte so manches Schulkind nach dem Unterricht am Niederbronner Weg einen Teller warme Suppe – eine Kelle voll servierte der Wirt für 30 Pfennige.

In der Barackensiedlung gab’s aber auch so manchen Schöpfer Suppe umsonst. Erika Haring, sie organisiert gemeinsam mit Gerhard Rohland die regelmäßigen Treffen, erinnert sich an viele Teller Kartoffelsuppe einer Bewohnerin der Siedlung. „Bei der Mutter Pohl köchelte immer ein Topf voll auf dem Herd.“ Kein Wunder. Mutter Pohl hatte acht Kinder und die hatten immer Hunger. So kochte sie gleich ein paar Portionen mehr – wohlwissend, dass davon bestimmt nichts schlecht wird oder übrigbleibt. „Maderl hast Hunger?“, empfing sie den einen oder anderen unangekündigten Besuch an ihrer Haustür.

Beim Kugelfanger Berg ging’s im Winter bei den Schlittenfahrten hoch her und den gut halbstündigen täglichen Schulweg bis in die Stadtmitte Brucks bewältigten die Kinder miteinander sowieso viel leichter.

Zu den Treffen kommen alle fünf Jahre ein paar weniger. Sie sterben nach und nach weg. Doch heuer gesellte sich sogar ein Neuer zu den alten Hasenheidern: Landwirt Josef Huber aus Günzlhofen. „Sein Vater war damals Landwirt in Lindach und seine Kühe grasten seinerzeit auf den Feldern in der Hasenheide“, erinnert sich Gerhard Rohland.

Und wieder wurde eine Erinnerung wach und hochgehalten. Und die alten Hasenheider waren sich schnell wieder einig: „Schee wars, auch wenn’s nicht immer leicht war.“ (akk)

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