Menschen warten an einer Bushaltestelle.
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Gleich kommt der Bus: In Bad Tölz gibt es seit 2019 ein dynamisches Fahrgastinformationssystem. Rund 180 000 Euro hat die Kommune dafür ausgegeben, der Landkreis beteiligte sich mit 5000 Euro an der Investition.

Landkreis FFB

Sind Anzeigetafeln für Busse zeitgemäß?

Sie sind bekannt von Bushaltestellen in München und S-Bahnhaltestellen hier im Landkreis: Anzeigetafeln, die in Echtzeit zeigen, wann der Bus oder die Bahn wirklich kommt. Bald sollen sie auch im Landkreis installiert werden. Viele Kommunen sind dabei – es gibt aber auch deutliche Kritik.

Fürstenfeldbruck – Wer an einer Haltestelle wartet, soll künftig genau wissen, wie lange es dauert, bis der Bus um die Ecke biegt. Möglich machen sollen das digitale Tafeln – sichtbar für jeden mit oder ohne Smartphone.

Bei der Mehrheit der Fahrgäste kommt das offenbar gut an, wie eine Tagblatt-Umfrage zeigt. Der Germeringer Adam Brif äußert sich jedenfalls begeistert: „Eine gute Idee“, findet der 31-Jährige. „Wenn man an der Haltestelle eintrifft, weiß man, welcher Bus wann kommt.“ Cornelia Sauter aus Fürstenfeldbruck stimmt zu: „Ich finde es gut, selbst in Zeiten von Smartphones.“ Denn die Handys hat nicht jeder immer dabei, wie die Althegnenbergerin Christa Kondert berichtet. „Meines ist häufig zu Hause.“

Kommunen haben die freie Wahl

Bis der Live-Fahrplan zu sehen sein wird, dauert es allerdings noch eine ganze Weile. Im Moment läuft im Landratsamt der Vergabeprozess für drei unterschiedliche Größen von dynamischen Fahrgastinformationstafeln (DFI), wie sie offiziell bezeichnet werden. Diese rufen in Echtzeit Daten aus dem bayernweiten durchgängigen elektronischen Fahrgastinformations- und Anschlusssicherungs-System (DEFAS) ab. Großer Vorteil: Das System kennt schon jetzt die Positionen der meisten öffentlichen Verkehrsmittel.

Negatives Signal aus Olching

Der Landkreis übernimmt die Kosten der Datenverwaltung, erklärt Hermann Seifert, ÖPNV-Experte im Landratsamt. „Die Kommunen können sich entscheiden, ob sie mitmachen, wie viele Tafeln sie möchten und wo diese platziert werden.“ Bis zum Jahr 2025 sollen die Anzeigetafeln ausgeliefert werden.

Die gute Nachricht: 80 Prozent der Anschaffungskosten werden vom Freistaat übernommen. Die restlichen 20 Prozent sowie die Instandhaltung müssen die Kommunen allerdings selbst tragen. Zu viel für eine auslaufende Technik: Dieses Signal kam zumindest aus Olching. Der Stadtrat lehnte ab.

Auch manch ein Fahrgast ist skeptisch. Andreas Metz aus Puchheim etwa, der gerade mit seiner Tochter Kathi (11) am Brucker Bahnhof auf den Bus wartet, hält die Anzeigetafeln „nicht für zwingend notwendig.“ Informationen über die Abfahrzeiten habe er griffbereit auf dem Handy. „Und ich weiß, wann meine Busse fahren“, sagt der 41-Jährige.

Tafel auf Probe in Mammendorf

In Mammendorf geht man die Sache erst einmal vorsichtig an. Bürgermeister Josef Heckl sagt: „Wir beobachten erst einmal, wie das System angenommen wird.“ Am Bahnhof werde es zunächst nur eine Anzeige mittlerer Größe geben. Je nach Rückmeldung werde man das dann ausbauen – oder eben nicht.

Informationen beim Umstieg

Andere Kommunen im Landkreis stehen jedoch voll hinter dem Projekt. „Es mag sich zwar um eine Übergangstechnologie handeln, aber um eine, die vor allem für die Bevölkerung ohne Smartphone sehr hilfreich ist”, sagt Eichenaus Bürgermeister Peter Münster. Zwar würde es einen Generationenwechsel geben, aber der dauere noch einige Jahre.

Eichenau schafft für alle Haltestellen mit Umstiegsmöglichkeiten ein Anzeigesystem an. Sprich: für den Bahnhof sowie eine Haltestelle im Süden und eine im Zentrum der Gemeinde. Bei den Eichenauern kommt das an: „Wir halten das für sehr sinnvoll“, da sind sich Inge (78) und Adolf Knoblich (89) einig. Sie fahren viel mit dem Bus und sind auf diese Informationen angewiesen. Denn: „Aktuell wissen wir nicht, was kommt.“

Anzeigen auch in Einkaufspassagen

Germering geht sogar noch einen Schritt weiter: „Neben den S-Bahnhöfen werden wir auch Anzeigetafeln in den Einkaufspassagen im GEP, in der Stadthalle und im Hallenbad erwerben“, erklärt OB Andreas Haas. Smartphones seien zwar eine wichtige Möglichkeit, Informationen zu verbreiten, die Kombination aus beiden Angeboten sei aber noch besser. „Auf so einer Anzeigetafel sieht man schnell und auf einen Blick, wann der Bus kommt“, meint Haas.

Ein Argument: aktueller als Apps

Und auch die Stadt Fürstenfeldbruck wird vier Anzeigetafeln anschaffen: an beiden Bahnhöfen sowie an den Haltestellen Hauptplatz und Schöngeisinger Straße. Ein gutes Argument für Sprecherin Susanna Reichlmaier: Die angebotenen Apps seien nicht immer ausreichend leistungsfähig und die DFI-Anlagen würden im Störfall die meisten Kunden erreichen.

Darauf hofft auch der 18-jährige Louis Harth aus Bruck. „Die App stimmt nicht immer mit dem aktuellen Stand überein.“ Auf der Anzeige könne man den tatsächlichen Status des jeweiligen Busses ablesen. (Sven Behrens)

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