Geschwindigkeitsmessung

So bremsen Smileys Temposünder aus

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Sie sollen Raser zur Räson bringen und Anwohner beruhigen: Fast in jeder Kommune hängen mittlerweile Displays, die Autofahrern ihre Geschwindigkeit anzeigen. Ob mit Smiley oder ohne – Polizei und Verwaltung sehen in den blinkenden Kästchen wichtige Helfer – die mehr können, als man glaubt.

Fürstenfeldbruck – Was zu schnell und welche Geschwindigkeit angepasst ist – darüber gehen die Meinungen auseinander. Je nach Perspektive. Wer am Steuer eines dicken Geländewagens sitzt, dem kommen seine 40 Sachen meist nicht sonderlich flott vor. Für die Mama am Gartenzaun, die sich um ihren spielenden Nachwuchs sorgt, ist da aber schon eine rote Linie überschritten. So ist das mit dem subjektiven Empfinden. Melanie Egenhofer kann davon ein Lied singen. Sie ist im Puchheimer Rathaus zuständig für das Thema Verkehr. Nicht selten stehen verängstigte Anwohner bei ihr im Rathaus auf der Matte und beschweren sich über die vielen zu schnellen Autos in ihrer Straße.

Geschwindigkeits-Displays sind eine Art Geheimwaffe

Doch Melanie Egenhofer hat für solche Fälle ein wahres Wundermittel in der Hinterhand. Mit einem von insgesamt fünf Geschwindigkeits-Displays, die die Stadt besitzt, sollen all zu schnelle Fahrer ausgebremst werden. „Das ist wirklich sehr praktisch“, sagt die Verkehrs-Expertin. Wer unbewusst zu schnell unterwegs sei, könne so daran erinnert werden.

Puchheim hat aber auch eine Art Geheimwaffe: den so genannten Counter. Der zählt die Anzahl der Autos und misst ihre Geschwindigkeit – ohne diese anzuzeigen. „Das ergibt ein unverfälschtes Bild“, sagt Egenhofer. Oft seien die Anwohner dann überrascht, dass nur wenige tatsächlich deutlich zu schnell unterwegs seien.

Tempo von der Landstraße mit ins Dorf genommen

Ganz anders sieht es an den Ortseingängen aus. Da wird nicht selten die Geschwindigkeit von der Landstraße mit ins Dorf genommen. Ein rot blinkender, böse dreinschauender Negativ-Smiley kann da durchaus Wirkung entfalten, sagt Erich Heinz, Verkehrs-Experte bei der Germeringer Polizei. Die Eigenverantwortung sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen, hat Heinz beobachtet. „Man muss heute auf vieles hinweisen“, sagt der Allinger, der in seiner Heimatkommune auch im Gemeinderat sitzt. Dort haben sie mittlerweile mehrere Displays, um allzu rasante Autofahrer auszubremsen. Heinz ist sicher: „Das hat schon eine erzieherische Wirkung.“

Displays haben sich bewehrt

Das sieht auch Christian Huber von der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Mammendorf so. „Die Tafeln haben sich bewährt“, sagt er. Deswegen habe sich fast jede Gemeinde der VG eines oder mehrere Geräte zugelegt. Und wie in Puchheim gehen auch in den Rathäusern der Verwaltungsgemeinschaft immer wieder Anrufe von Bürgern ein, die vermeintlich oder tatsächlich zu schnelle Autofahrer in ihrer Straße ausbremsen wollen. Eine Wunderwaffe gegen Raserei seien die Tafeln allerdings nicht, sagt Huber. „Es gibt auch Autofahrer, denen es egal ist, dass sie zu schnell unterwegs sind.“

Unkomplizierte Einsatzmöglichkeit

Dass die Displays bei den Kommunen so beliebt sind, liegt auch an ihren relativ unkomplizierten Einsatzmöglichkeiten, meint Karl Stecher, Leiter des Straßenverkehrsamtes im Landratsamt. Eine Genehmigung brauche man dafür nicht, die Gemeinden könnten die Geräte dort einsetzen, wo sie es für nötig halten. Tempolimits oder andere Mittel um Autos abzubremsen, seien hingegen um ein Vielfaches komplizierter umzusetzen.

Besonders beliebt in Bruck

Besonders beliebt sind die digitalen Hilfs-Sheriffs in Fürstenfeldbruck. 16 Geräte gibt es dort bereits. Im Lauf des Jahres sollen sechs weitere hinzu kommen, erklärt eine Sprecherin der Stadt. 14 haben einen festen Standort, der Rest wird an verschiedenen Straßenabschnitten eingesetzt. Sticht ein Standort durch besonders viele Raser hervor, fährt die Stadt auch mal härtere Geschütze auf. Dann wird geblitzt – und der Bleifuß teuer.

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