Zehn Jahre Fürstenfelder Salvator

So denkt der Krüglredner über Fürstenfeldbruck

Seit zehn Jahren liest Jürgen Kirner (57) als Fastenprediger beim Fürstenfelder Salvator den Brucker Promis die Leviten. 

FürstenfeldbruckIm Gespräch mit Tagblatt-Reporterin Ulrike Osman verrät der gebürtige Oberpfälzer und Wahl-Münchner, wie er sich vorbereitet, was er über Bruck denkt und wie er selber mal fast Kommunalpolitiker geworden wäre.

-Herr Kirner, wie sind Sie seinerzeit zu dem Job als Fastenprediger gekommen?

Ganz einfach, ich bin von der Leitung des Veranstaltungsforums gefragt worden und habe sofort Ja gesagt. Am Anfang war es ein Abenteuer. Ich kannte Bruck zwar von Auftritten, aber nun musste ich mich wesentlich tiefer in die Region einarbeiten und habe das auch getan. Ich maße mir nicht an, in meiner Fastenpredigt über Dinge zu Gericht zu sitzen, über die ich nicht genau Bescheid weiß. Inzwischen kenne ich viele Politiker persönlich und habe vieles hautnah mitbekommen, unter anderem den Werdegang von Klaus Pleil bis hin zu seiner Erkrankung. Sowas geht einem schon sehr, sehr nahe.

-Wie sammeln Sie Stoff für Ihre Predigt?

Ich lese natürlich die Lokalberichterstattung im Fürstenfeldbrucker Tagblatt. Außerdem versuche ich, Volkes Stimme einzufangen. Ich führe viele persönliche Gespräche und befrage die Menschen vor Ort nach ihrer Situation, nach Dingen, mit denen sie unzufrieden sind. Ich bin auch viel in Wirtshäusern. Soweit es noch Stammtische gibt, sitze ich gern am Nachbartisch und höre zu, welche Themen da beackert werden. Oft beschäftigen die Menschen ganz andere Dinge, als die Politiker glauben.

-Gibt es Themen, die immer wiederkehren?

Ja, zum Beispiel nicht erfolgte Baumaßnahmen und eine gewisse Stagnation. Ich wundere mich immer, wie wenig Bruck sich weiterentwickelt, egal ob es um Nachverdichtung geht oder um die Einkaufslandschaft. Drumherum brummt es, aber in Bruck tröpfelt man so dahin. Das mutet etwas seltsam an. Man hätte aus dieser Kommune weitaus mehr machen können.

-Waren Sie denn selbst mal kommunalpolitisch aktiv?

Früher war ich stellvertretender Bezirksvorsitzender der Jungen Union in der Oberpfalz. Damals habe ich als Gast in vielen Stadt- und Gemeinderatssitzungen gesessen und kenne mich von daher auch im Kommunalrecht gut aus. Ich hätte dann selbst für ein Mandat kandidieren sollen, aber der Umzug nach München kam dazwischen. CSU-Mitglied bin ich nach wie vor. Wenn allerdings Markus Söder Ministerpräsident wird, weiß ich nicht, wie lange noch.

-Wie würden Sie die Brucker Prominenz charakterisieren?

Sie ist sehr ländlich. Da gibt es viele Parallelen zu meiner Heimat, dem Landkreis Regensburg. Es herrscht ein gewisser Stolz, nach dem Motto, „Mir san Bruck“. Dieser Stolz ist vielleicht ein bisschen unberechtigt. Es fehlt der Blick über den Tellerrand, der Antrieb zur Innovation. Das verwundert besonders, wenn man weiß, wie viel Spaß es machen kann, eine Kommune voranzubringen.

-Haben Sie unter der Lokalprominenz ein „Lieblingsopfer“?

Nein. Schön wäre es, wenn mehr hochrangige Politiker im Publikum sitzen würden - Landtags- oder Bundestagsabgeordnete zum Beispiel. Die würde ich leidenschaftlich zerpflücken, manchen ist da ja völlig die Bodenhaftung verloren gegangen.

-Wenn Sie an den Fürstenfelder Salvator denken, dann...

...freue ich mich unendlich. Er ist für mich jedes Jahr ein Highlight – ich darf austeilen und die anderen müssen zuhören.

Interview:Ulrike Osman


Mit dem Unikator hat alles begonnen.

Seine Keimzelle hat der Fürstenfelder Salvator in einem anderen Starkbierfest: dem Unikator. Diesen organisierte Happo Schmidt, der auch als Fastenprediger auftrat. Nach Uneinigkeiten bezüglich der Saalmiete verließ Schmidt das Veranstaltungsforum und wechselte in die Marthabräuhalle, erinnert sich Fürstenfeld-Chef Norbert Leinweber. „Wir dachten uns, das kann nicht sein, dass unser Haus kein Starkbierfest hat.“ 

Das war die Geburtsstunde des Salvators. Leinweber wollte keine Kopie, sondern ein anderes Programm. Als Krüglredner engagierte er Jürgen Kirner, den Frontmann der Couplet-AG, er ist von Anfang an dabei. Musik und Gstanzlsänger wechselten immer wieder. Durch die Kooperation mit der Paulaner-Brauerei kam auch die Idee auf, einen der Sieger des Paulaner Solo auftreten zu lassen. Da das Konzept aufgeht, will Leinweber am Programm nicht viel ändern. Er ist stolz, dass auch überregionale Politiker den Salvator besuchen. Die rund 320 Karten sind meist recht schnell weg. Aber in den Stadtsaal auswandern will der Fürstenfeld-Chef nicht. „Dort passt das Ambiente nicht, und man ist viel zu weit von der Bühne weg. (imu)






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