Martina Drechsler Die Vize-Landrätin (CSU) befürwortet eine Rückkehr der Sirenen.
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Vize-Landrätin Martina Drechsler (CSU) befürwortet eine Rückkehr der Sirenen.

Fürstenfeldbruck

So funktioniert das Warnsystem im Landkreis bei Katastrophen

  • Thomas Steinhardt
    VonThomas Steinhardt
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Nach der Unwetter-Katastrophe vor allem im Westen Deutschlands wurde Kritik an der Alarmierung der Bevölkerung laut. Wie würde die Information in einem solchen Fall im Landkreis Fürstenfeldbruck laufen? Ein Interview mit Vize-Landrätin Martina Drechsler.

Fürstenfeldbruck -

Über welche Kanäle würde die Bevölkerung vor Katastrophen wie etwa Hochwasser und Starkregen gewarnt?

Die primäre Warnung erfolgt über die Warnapp NINA, Rundfunkdurchsagen und die Homepage des Landratsamtes. Ergänzt werden kann das Ganze durch Lautsprecherdurchsagen von Einsatzfahrzeugen aus. Wir verfügen außerdem über vier mobile Sirenenanlagen, die den einminütigen Dauerheulton abgeben können, der die Bevölkerung vor drohenden schwerwiegenden Gefahren warnen soll und dazu auffordert, auf Rundfunkdurchsagen zu achten. Diese mobilen Anlagen werden auf Einsatzfahrzeugen angebracht und können damit im jeweils betroffenen, beziehungsweise bedrohten Gebiet eingesetzt werden.

Wäre es sinnvoll, mehr Sirenen zu installieren?

Das Sirenennetz zur Warnung der Bevölkerung wurde deutschlandweit in den 1990er Jahren vom Bund aufgegeben. Die Sirenen wurden entweder komplett abgebaut oder den Gemeinden zur Nutzung als Sirene für die Feuerwehralarmierung überlassen. Die verbliebenen Feuerwehrsirenen können allerdings außer dem Signal für die Feuerwehralarmierung keine anderen Warntöne mehr abgeben. Seit den 2000ern bestand immer wieder die Möglichkeit, mit Unterstützung vom Bund beziehungsweise Freistaat Bayern Sirenen zur Warnung der Bevölkerung im unmittelbaren Umfeld von Kernkraftwerken und großen Störfallbetrieben wieder umzurüsten oder neu aufzubauen. Da es im Landkreis Fürstenfeldbruck keine derartigen Betriebe gab und gibt, konnte er bisher von keinem der Förderprogramme profitieren.
Parallel baute der Bund das sogenannte Modulare Warnsystem (MoWaS) auf, mit dem Ziel, einen möglichst großen Teil der Bevölkerung mit Warnungen zu erreichen. Neben NINA sind weitere Warnapps sowie Rundfunk- und Fernsehanstalten angeschlossen. Auch Fahrgastinformationssystem und digitale Stadtinformationstafeln können an das System angeschlossen werden. Wir würden es begrüßen, wenn auch unabhängig von der Nähe zu gefährlichen Betrieben wieder ein Sirenenwarnnetz aufgebaut würde. Nach unseren Informationen soll es hierfür in Kürze ein Förderprogramm des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe geben. Nähere Informationen dafür haben wir leider noch nicht.

Gäbe es für den absoluten Notfall Evakuierungspläne?

Im Rahmen der bayerischen Vorgaben zur Evakuierungsplanung hält der Kreis Material für die Ausstattung von Notunterkünften für 1000 Personen vor. Die zusammen mit den Blaulichtorganisationen erarbeiteten Planungen sehen eine Unterbringung in mehreren kreiseigenen Schulen und Schulturnhallen vor. Die Planungen beinhalten auch eine Notstromversorgung der Notunterkünfte mithilfe von vom Landkreis vorgehaltenen mobilen Notstromaggregaten.

Gäbe es eine Parallelstruktur oder Rückfallebene bei Ausfall der üblichen Kommunikationssysteme?

Parallel zum BOS-Digitalfunk wird derzeit noch das alte Analogfunknetz betrieben, über das noch die Feuerwehralarmierung abgewickelt wird. Für den Fall des Ausfalls von Mobilfunk, Festnetz und Internet verfügen zumindest zwei Einsatzleitwägen des Landkreises via Satellit über Zugang zu Telefonie und Internet, um überörtlich kommunizieren zu können.  st

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