Neue Sonderausstellung

So kommt der Wald ins Museum

Wald kann vieles sein – bedrohliche Wildnis, Zuflucht, Ort des Rückzugs und der Verwandlung, Symbol der Wehrhaftigkeit. All diese Wahrnehmungen finden sich in den Gemälden, Fotos und Grafiken, die in der aktuellen Sonderausstellung „Identitäten: Wald-Bilder“ des Museums zu sehen sind.

FürstenfeldbruckDer Ausstellungsraum im ersten Stock empfängt den Besucher auf besondere Weise. Dank neuer flexibler Stellwände entsteht fast das Gefühl, als würde man einen Wald betreten. Außerdem ermöglichen die zusätzlichen Flächen, dass mehr Bilder gezeigt werden können als je zuvor. 125 Werke haben die Museumsleiterinnen Angelika Mundorff und Eva von Seckendorff zusammengetragen. Die Hälfte davon sind Leihgaben aus dem gesamten Bundesgebiet, unter anderem aus Schwerin, Köln und Berlin.

Die Bilder stammen aus verschiedenen Epochen, vom Barock bis in die Gegenwart. Die thematisch gegliederte Ausstellung widmet sich der Frage, was der Wald zu verschiedenen Zeiten in der Kunst symbolisierte. Und sie führt dem Betrachter vor Augen, welche subtilen Botschaften und Metaphern in den Bildern stecken. Ganz in der Tradition des Barock verlegte der holländische Maler Adriaen van de Velde biblische Szenen aus der Wüste in den Wald, wie etwa in seinem Werk „Der hl. Hieronymus“ von 1668. Die Romantiker thematisierten das Verbergende, Schützende des Waldes, setzten ihn aber auch mit deutscher Kultur und Wesensart gleich. Daraus entwickelte sich der „marschierende“ deutsche Wald, der militärische Wehrhaftigkeit symbolisieren sollte – ein Motiv, das sich später in Propagandabildern des 20. Jahrhunderts wiederfand.

In vielen Märchen ist der Wald ein Ort der Gefahren und der Ängste, aber auch der Wandlung und des Überlebens – auch diese Motive wurden von Künstlern aufgegriffen. Für die Expressionisten symbolisierte er die Natur schlechthin – einen Ort, an dem auch menschliche Nacktheit ganz selbstverständlich ihren Platz hat.

Höhepunkte der Ausstellung sind Werke von Carl Spitzweg, Gabriele Münter, Gerhard Richter und Fritz von Uhde. Auch die Region ist auf den Bildern vertreten. Otto Kubel verewigte den „Maisacher Wald“, Ludwig von Senger hielt die Klosterkirche Fürstenfeld in einer sanft gewellten Herbstlandschaft fest. So spannt sich der Bogen zu Waldbildern aus der Gegenwart.

Bereits Anfang des Jahres hatte das Museum einen Aufruf gestartet und Hobbyfotografen um Aufnahmen ihrer Lieblingswälder gebeten. „Die Reaktion war fulminant“, berichtet Angelika Mundorff. „Es sind tolle Bilder gekommen.“ Auf einem Monitor sind Fotos von allen 80 Einsendern in einer Endlosschleife zu sehen.

Außerdem gehört zu der Ausstellung ein museumspädagogisches Programm mit Workshops und Führungen für Kinder und Erwachsene. Wer will, kann im Anschluss an die „Waldbilder“ den echten Wald vor der Toren des Museums erkunden. Der ehemalige Brucker Forstamtsleiter Gottfried Haug wird an drei Terminen Führungen anbieten, bei denen er über die Geschichte, die heutige Bewirtschaftung, die Baumarten und Waldbewohner referiert. Die Brucker Biologin Iris Mellentin spricht moderne Imkerei an, die einst wilden Waldbienen und das fast vergessene Zeitlerwesen – die Honiggewinnung im Wald selbst. Zeichnerisch kann man ihn gemeinsam mit dem Künstler Christoph Lammers erkunden. Spezielle Führungen durch die Ausstellung gibt es für Demenzerkrankte.

Die Sonderausstellung

„Identitäten: Wald-Bilder“ im Museum Fürstenfeldbruck läuft bis zum 14. Oktober. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag von 13 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr.

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