Schafe vor Atomkraftwerk
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Landkreis FFB

So sehen Brucker den Atomausstieg heute

  • Tobias Gehre
    VonTobias Gehre
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Heute vor genau zehn Jahren hat sich der Bundestag zum endgültigen Atomausstieg durchgerungen. Die letzten Kraftwerke sollen Ende 2022 vom Netz gehen. Politiker und Aktivisten aus dem Landkreis ziehen anlässlich dieses Jahrestages Bilanz. Für manche kam die Entscheidung viel zu spät.

Fürstenfeldbruck – Die Bilder der explodierenden Reaktorgebäude aus dem japanischen Fukushima versetzten der Atomenergie in Deutschland den Todesstoß. Der noch ein Jahr zuvor beschlossene Ausstieg vom Ausstieg – also die Verlängerung der Laufzeiten unter der schwarz-gelben Koalition in Berlin – wurde rückgängig gemacht. Am 30. Juni 2011 stimmte eine Mehrheit von 513 Abgeordneten für die Abkehr von der Kernenergie.

„Daran sieht man, was alles geht, wenn der politische Wille da ist“, sagt Gottfried Obermair, Vorsitzender des Energiewende-Vereins Ziel 21. Den heutigen Tag sieht er als schönes Jubiläum. Gleichwohl ist auch ihm bewusst, dass es ohne die Katastrophe von Fukushima wohl noch lange nicht zum Ausstieg gekommen wäre. So schrecklich dieses Ereignis gewesen sei, so viel Schub habe es den erneuerbaren Energien gegeben. „Fukushima hatte einen sehr großen Einfluss“, sagt Obermair.

Für den Gröbenzeller Grünen-Politiker Martin Runge kam die Entscheidung zum Ausstieg viel zu spät. „Das hätte viel früher passieren müssen“, sagt der Landtagsabgeordnete und Gröbenzeller Vize-Bürgermeister. Bereits unter Rot-Grün habe es ja einen Konsens zum Ausstieg gegeben. Der Ausstieg vom Ausstieg unter Schwarz-Gelb habe großen Schaden angerichtet. „Wir könnten schon viel weiter sein bei der Energiewende“, ist Runge überzeugt. Die Vorreiter-Rolle, die Deutschland jetzt beim Ende der Atom-Energie einnimmt, sieht der Grünen-Politiker positiv. „Das kann ein großer Vorteil sein.“

Unklare Endlagerung

Der frühere Fürstenfeldbrucker Oberbürgermeister Sepp Kellerer kritisiert, dass der Ausstieg überstürzt gewesen sei. Gleichwohl sei die Entscheidung richtig gewesen – vor allem wegen der noch immer ungeklärten Frage der Endlagerung. Ein weiterer Betrieb der Atomkraftwerke sei nach Fukushima zudem politisch nicht mehr durchsetzbar gewesen. Was dem Ex-OB fehlt, sind die Alternativen. Man hätte sich viel früher darauf verständigen müssen, wie die Kraftwerke ersetzt werden sollen. „Aber man kann sich ja nicht einmal darauf verständigen, wie es mit der Solarenergie weitergeht.“

An eine weitere Herausforderung im Zusammenhang mit der Nukleartechnologie erinnert Monika Glemnitz-Markus vom Sozialforum Amper. Sie kritisiert das noch immer gigantische Arsenal an Atomwaffen. Nichtsdestotrotz sei der Ausstieg aus der Kernenergie richtig gewesen. Dafür gingen Monika Glemnitz-Markus und ihre Mitstreiter auch lange auf die Straße. Sie hielten Mahnwachen in der Brucker Innenstadt ab. Um die erneuerbaren Energien auszubauen, fordert sie, mehr Windkraftanlagen zu errichten. „Die 10-H-Regel muss weg.“

Auch bei den Brucker Stadtwerken blickt man froh auf die Entscheidung des Bundestags im Jahr 2011 zurück. „Mit dem Ausstieg aus der Atomenergie erfolgte ein Paradigmenwechsel in der deutschen Energiepolitik – weg von einer Energieerzeugung mittels nuklearer und fossiler Brennstoffen hin zu dem Aufbau der erneuerbaren dezentralen Energien“, erklärt Geschäftsführer Jan Hoppenstedt. Das Unternehmen setzt heute voll auf erneuerbare Energien. Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik decken momentan rund 40 Prozent des Energieverbrauchs im Versorgungsgebiet.

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