Finstere Gestalten: In ihren Kostümen kommen die Brucker Perchten furchteinflößend daher.
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Finstere Gestalten: In ihren Kostümen kommen die Brucker Perchten furchteinflößend daher.

Die Rauhnächte und ihre Bräuche

So sollten früher Dämonen fern gehalten werden

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Sie sind kalt, dunkel und endlos lang. Die Rauhnächte am Übergang vom alten ins neue Jahr machten den Menschen in früheren Zeiten Angst. Eine neue Serie im Tagblatt.

Fürstenfeldbruck – Man glaubte, dass Dämonen in der Dunkelheit ihr Unwesen trieben. Mit allerlei Bräuchen und Vorsichtsmaßnahmen versuchten sich unsere Vorfahren vor Unheil zu schützen. Der Brauchtumsverein „Brucker Perchten und Rauhnachtsgsindl“ hat für das Tagblatt die wichtigsten Verhaltensregeln aufgelistet.

Aus Furcht, von Dämonen verschleppt zu werden, blieb man nach Einbruch der Dunkelheit zu Hause. Dort vermied man Streitereien, knallte nicht mit Türen und bemühte sich, kein Geschirr zu zerschlagen. Der Lärm, so hieß es, locke die Dämonen an. Streitigkeiten aus dem zu Ende gehenden Jahr mussten unbedingt bis zur Thomasnacht (21. Dezember) beigelegt sein. Sonst, so sagte man, würden sie sich nie mehr lösen lassen.

Wem sein Leben lieb war, der wusch zwischen Weihnachten und Neujahr keine Wäsche. Es hieß, dies könne den eigenen Tod zur Folge haben, insbesondere, wenn man weiße Bettlaken draußen aufhängte. Der Aberglaube besagte, dass sich dunkle Dämonen darin verfangen und Krankheit ins Haus bringen würden. Auch Haare und Nägel sollten in dieser Zeit nicht geschnitten werden. Ansonsten drohten im neuen Jahr Kopfschmerzen, Haarausfall und Nagelentzündungen. Noch schlimmer war es, wenn man Abfall aus dem Haus oder Mist aus dem Stall vor die Tür warf. Wer das tat, so hieß es, warf zugleich sein Glück aus dem Haus. Empfehlenswert war, Haus und Hof besonders sorgfältig in Ordnung zu halten. Denn von Unordnung und Schmutz vermutete man, dass sie die bösartigsten Dämonen in die Stube lockten. Fehlende Knöpfe mussten sofort ersetzt werden, sonst drohte im neuen Jahr das Geld auszugehen.

Als lohnende Beschäftigung während der Rauhnächte galt das Binden neuer Besen. Ihnen wurden magische Fähigkeiten zugeschrieben, so dass man Krankheiten oder bösen Geistern den Kehraus machen konnte. Erlaubt – ja, sogar erwünscht – war es, nach Herzenslust zu schlemmen. Denn man war überzeugt: Wer während der Rauhnächte reichlich aß, würde im folgenden Jahr keine Hungersnot erleiden. Schweinefleisch und Grünkohl am Neujahrsabend versprachen Glück für das gesamte nächste Jahr.

Die Serie

Die Perchten sind nicht nur im Advent auf Christkindlmärkten unterwegs, sondern sie treten auch in den Rauhnächten vom 21. Dezember bis zum 6. Januar auf. Die Serie widmet sich Bräuchen, Rollen und Masken rund um diese besondere Zeit des Jahreswechsels. Die „Brucker Perchten & Rauhnachtsgsindl“ stellen Bräuche und Masken vor. Dazu erzählen Mitglieder, warum sie gerne in die verschiedenen Rollen schlüpfen.

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