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Landkreis setzt auf Öffentlichen Nahverkehr

So viele Busse wie noch nie

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Nie zuvor hat der Landkreis Fürstenfeldbruck so viel Geld für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in die Hand genommen wie jetzt. In den kommenden Jahren wird das so bleiben. Der finanzielle Kraftakt soll helfen, mehr Bürger dazu zu bewegen, das eigene Auto stehen zu lassen.

Fürstenfeldbruck – Obwohl der Landkreis das Busangebot in den vergangenen Jahren immer mehr ausgeweitet hat, blieben die Fördergelder vom Freistaat bei leichten Steigerungen praktisch auf demselben Niveau. Flossen im Jahr 2012 um die 812 000 Euro, so waren es im Jahr 2017 rund 860 000 Euro.

Freistaat erhöht Zuschüsse

Für das nächste Jahr will der Freistaat nun aber die ÖPNV-Zuweisungen um 44,8 Prozent erhöhen, wie aus einem Papier der Kreisverwaltung hervorgeht. Das hieße, dass der Landkreis im Jahr 2018 1,2 Millionen Euro bekäme, wobei noch nicht klar ist, wie sich die Erhöhung auf die einzelnen Regierungsbezirke auswirken werde und wie hoch die Sondertöpfe für bestimmte Angebotsarten (Expressbus, Tangentialbus) sein werden. Die Betriebskosten für die Regionalbuslinien im Münchner Verkehrsverbund (MVV) und das Ruf-Taxi liegen nun für das Jahr 2018 bei 18,1 Millionen Euro (2017: 16 Millionen Euro). Demgegenüber stehen verschiedene Einnahmen.

Kontrollen teurer als Schwarzfahrer-Strafe

Es sind dies die Fahrgelderlöse in Höhe von 7,9 Millionen Euro (2017: 7,6 Millionen Euro), die Ausgleichsmittel für den Ausbildungsverkehr in Höhe von 425 000 Euro, der Ausgleich für schwerbehinderte Fahrgäste in Höhe von 231 000 Euro und das sogenannte erhöhte Beförderungsentgelt (vulgo: Schwarzfahrer-Strafe), das nächstes Jahr 119 000 Euro (2017: 95 000 Euro) bringen soll. Dem stehen wiederum Kosten für die Kontrollen von insgesamt um die 125 000 Euro gegenüber.

An Schwarzfahrern verdiene man also nichts, erklärte der ÖPNV-Experte Hermann Seifert. Allerdings wären ohne Kontrollen die Fahrgasteinnahmen niedriger. Insgesamt stehen den Kosten damit Einnahmen in Höhe von 8,7 Millionen gegenüber.

Das heißt: Der Landkreis trägt für den ÖPNV nächstes Jahr ein Defizit von um die acht Millionen Euro, wobei man auch wissen muss, dass hier noch Fahrgeldeinnahmen fehlen. Das liegt daran, dass die sogenannte Reale Ertragskraft nur alle drei Jahre ermittelt wird.

Fahrpreis deckt nur 50 Prozent der Kosten

Die Einnahmen werden dann rückwirkend ausbezahlt. Die nächste Zählung ist im Jahr 2018. Erst dann wird annähernd klar sein, wie stark sich die massiven Ausweitungen auf die Fahrgastzahlen ausgewirkt haben. Alle Angebotserweiterungen seit 2015 wirken sich finanziell – nach der Zählung dauert die Auswertung einige Zeit – damit erst im Jahr 2020 aus. Die Einnahmen taxieren die Verantwortlichen in der Regel auf 50 bis 70 Prozent der Betriebskosten. Für die Fahrplanwechsel 2018 und 2019 sind aktuell keine großen weiteren Buslinien-Ausweitungen in Sicht.

Den zuständigen Planungsausschuss des Kreistags passierte der ÖPNV-Etat letztlich einstimmig. Zuvor hatte sich Finanzreferent Johann Thurner mit der Forderung durchgesetzt, wirklich die vom Freistaat in Aussicht gestellten 44 Prozent Zuwendungssteigerung einzuplanen und nicht nur 25 Prozent, wie es der ÖPNV-Experte Hermann Seifert aus Vorsichtsgründen und aus Rücksicht auf mögliche Unwägbarkeiten vorgeschlagen hatte.

Prinzip Hoffnung setzt sich durch

Damit habe sich, kommentierte Landrat Thomas Karmasin, das Prinzip Hoffnung durchgesetzt – oder das Prinzip Kreisumlage, denn auf diese Weise sinkt die Umlage, die die Gemeinden zu zahlen haben und denkbare Mindereinnahmen müssten via Kredit gedeckt werden.

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