Vor dem Zimmer eines Verstorbenen brennt zum stillen Gedenken eine Kerze. symbolFoto: MM archiv
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Vor dem Zimmer eines Verstorbenen brennt zum stillen Gedenken eine Kerze.

Pandemie

So wirkt sich Corona auf Sterbe-Statistik aus

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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121 Menschenleben hat die Corona-Pandemie bislang im Landkreis Fürstenfeldbruck gekostet. Die Sterbezahlen in den Kommunen liegen laut den Standesämtern aber teils im üblichen Rahmen. In der Kreisstadt ist das allerdings anders.

Landkreis – Die Stadt Fürstenfeldbruck weist einen neuen traurigen Rekord aus: 760 Sterbefälle bedeuten den Höchstwert in den vergangenen zehn Jahren. Damit sind 48 Menschen mehr gestorben als noch 2019. Außerdem auffällig ist der Vergleich der Januarzahlen mit dem Vorjahr: 2020 in diesem Monat starben nur 65 Menschen in Fürstenfeldbruck, heuer waren es 72. Im Februar kalkuliert man 2021 im Brucker Standesamt hochgerechnet mit 65 bis 70 Toten. Im vergangenen Jahr waren es nur 54.

Viele Tote in der Klinik

Ein Urteil, ob es sich bei diesen Zahlen um eine Übersterblichkeit handelt, will sich Stephan Zenk vom Brucker Standesamt aber nicht erlauben. Er merkt vielmehr an, dass sich in der Stadt die Kreisklinik befindet. „Viele Sterbefälle, die aus diesem Grund im Standesamt Fürstenfeldbruck zu beurkunden sind, gehen auf diese Tatsache zurück.“

Im Standesamt der Stadt werden auch Sterbefälle von Menschen aus anderen Gemeinden – mitunter damit sogar auch aus anderen Landkreisen – beurkundet. Laut Stephan Zenk könnten die höheren Zahlen daher auch auf einen Einwohnerzuwachs in der Region zurückzuführen sein, zumal die Zahl der Sterbefälle in den zurückliegenden zehn Jahren – mit Schwankungen – tendenziell steigt.

Rückläufiger Trend

In Germering verzeichnet man sogar einen Rückgang bei den Totenzahlen. Laut Rathaussprecherin Renate Konrad sind im Jahr 2018 insgesamt 399 Germeringer verstorben. Ein Jahr später waren es nur noch 383, im Jahr 2020 sogar lediglich 360 Tote. Allerdings bringt ein aktueller Vergleich der Januarzahlen 2020 und 2021 auch hier eine Steigerung von 29 auf 34.

Zweithöchster Wert

In Gröbenzell verzeichnet man trotz eines Corona-Ausbruchs im Caritas-Altenheim ebenfalls keine Übersterblichkeit. Zwar ließen im Jahr 2020 mit 105 deutlich mehr Menschen ihr Leben als noch 2019, als es nur 83 Sterbefälle gab. Allerdings war das auch ein unterdurchschnittliches Jahr. 2018 verzeichnete das Standesamt 111 Sterbefälle, 2017 sogar 114. Beim Coronaausbruch im Altenheim sind laut Beate Solga, Referentin von Bürgermeister Martin Schäfer, im November 2020 zwar in einer Woche vermehrt Heimbewohner verstorben. Insgesamt hat Gröbenzell mit 23 Corona-Toten den zweithöchsten Wert im Landkreis. „Dennoch führte das im Jahresdurchschnitt nicht zu einer überdurchschnittlichen Sterberate.

Normale Schwankung

Auch Olching vermeldet für 2020 keine Übersterblichkeit. Mit 231 Toten ist die Zahl sogar um neun gesunken. „Das kann eine normale Schwankung sein“, sagt Sprecherin Martina Sohn. „Es ist aber auch möglich, dass die Infektionsschutzmaßnahmen erstens funktioniert haben und zweitens sogar zur Folge hatten, dass weniger Menschen an anderen Infektionskrankheiten wie der Influenza verstorben sind.“

Mehr alte Menschen

Leicht erhöhte Sterbefallzahlen verzeichnet das Puchheimer Standesamt. 112 Fälle sind laut dem Standesbeamten Martin Lehner der zweithöchste Wert in den zurückliegenden 20 Jahren. Dabei sei aber auch zu berücksichtigen, dass der Anteil der Bevölkerungsgruppe mit einem Alter von 80 Jahren oder mehr stetig zugenommen hat.

Große Unterschiede

Die Zahlen im Landkreis decken sich damit weitgehend mit einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), in der eine kaum nennenswerte Übersterblichkeit für Deutschland festgestellt wurde. LMU-Statistiker Göran Kauermann warnte aber davor, dies als Argument für die Verharmlosung von Corona zu nutzen. Bei differenzierter Betrachtung habe es gerade bei der älteren Bevölkerung sehr wohl eine deutliche Übersterblichkeit und regional sehr große Unterschiede gegeben.

Wo Statistik an ihre Grenzen kommt

Je kleiner die Gemeinde, desto schwieriger sind statistische Besonderheiten zu erfassen. Darauf jedenfalls weist Egenhofens Bürgermeister Martin Obermeier hin, dessen Standesamt 42 Sterbefälle in 2020 und fünf im Januar 2021 verzeichnete – beides Werte, die im üblichen Schwankungsbreich liegen.

Eine Aussage, die sich auf die meisten Kommunen im westlichen Landkreis übertragen lässt. Weder Emmering noch, Maisach, Alling oder Türkenfeld melden Besonderheiten. Ebenso wenig Eichenau im östlichen Landkreis.

Deutliche Ausschläge in der Statistik gibt es in der Verwaltungsgemeinschaft Grafrath ohnehin immer wieder mal. „Das liegt an unserem Altenheim in Marthashofen“, sagt VG-Chef Markus Kennerknecht. Ähnlich sieht es im Mammendorfer Standesamt aus, das neben den VG-Gemeinden auch noch für Moorenweis zuständig ist.

Fast überall liegen die Werte im Rahmen. Einziger Ausreißer: Oberschweinbach, das mit 59 Sterbefällen den Wert von 2019 mit 31 Toten klar übersteigt. Ob das mit dem dortige Altenheim zusammenhängt, kann das Standesamt aus seinen Statistik-Zahlen nicht erkennen. ad

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