+
Eine Cannabis-Pflanze.

Amtsgericht

Sohn baut Cannabis für kranke Mutter an: Bewährungsstrafe

  • schließen

Keinen Tag ohne Schmerzen erlebt eine 66-Jährige aus dem westlichen Landkreis. Sie leidet unter chronischen Bandscheiben- und Rückenproblemen, hat Schlaganfall und Krebserkrankung hinter sich.

Fürstenfeldbruck –  Was sie sich zur Linderung ihrer Beschwerden einfallen ließ, brachte sie vor Gericht.

Die Rentnerin stiftete ihren Sohn dazu an, Cannabis anzubauen. Sie wollte aus den Pflanzen Tee und Öl gewinnen. Der Arzt weigerte sich, ihr cannabishaltige Medikamente zu verschreiben. Er wollte sie mit Morphium behandeln.Das lehnte sie aus Angst vor den Folgen aber ab. „Das sind Hämmer, die gehen auch aufs Gehirn.“ Davon ist die 66-Jährige überzeugt. „Die Pharmaindustrie macht viel schlimmer süchtig als das Grünzeug.“

Zehn Pflanzen gediehen prächtig

Der Sohn lehnte die Bitte der Mutter zunächst ab. Er wollte sich nicht strafbar machen. Doch irgendwann wollte er seine Mutter nicht länger leiden sehen. Und so streute der 26-Jährige im Garten seiner damaligen Wohnung im Landkreis Landsberg ein paar Cannabissamen aus, die er im Internet bestellt hatte. Von der Straße aus uneinsehbar gediehen zehn prächtige Pflanzen. „Ich habe einen grünen Daumen“, so der 26-Jährige. Die Tees halfen seiner Mutter wirklich. „Sie ist viel besser eingeschlafen.“

Dann kommt die Polizei

Pech für ihren Sohn, der selbst eine kleine Tochter hat: Eines Tages rückte die Polizei bei ihm an, um seinen Führerschein zu beschlagnahmen. Den Beamten schlug bereits auf dem Weg zum Hauseingang der typische Cannabis-Geruch entgegen. Im Garten standen sie vor mannshohen Pflanzen, die man später nur mit Hilfe einer Säge entfernen konnte. Über drei Kilo Marihuana wurden auf diese Weise sichergestellt.

16 Monate auf Bewährung

Der Sohn war wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln bereits 2018 zu 16 Monaten Bewährungsstrafe verurteilt worden. Nun saß seine Mutter auf der Anklagebank des Schöffengerichts. Dort hatte man durchaus Verständnis für die Situation der Frau. Sie hätte sich aber um eine Genehmigung für legalen Hanfanbau bemühen müssen, sagte der Vorsitzende Richter. „Das ist langwierig, nicht so einfach und oft nicht von Erfolg gekrönt. Aber den Weg gibt es und man muss ihn einschlagen.“ Andernfalls müsse man die Konsequenzen auf sich nehmen – für die 66-Jährige heißt das: ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung. Auf Arbeits- oder Geldauflagen verzichtete das Gericht, um die sozial schwache Frau nicht noch mehr zu belasten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Von Kultur bis Kita: Das sagen die Kandidaten
Die Volkshochschule Olching hat genau drei Wochen vor der Kommunalwahl zur Podiumsdiskussion eingeladen. Sechs Bürgermeisterkandidaten diskutierten – eigentlich über die …
Von Kultur bis Kita: Das sagen die Kandidaten
Sie haben am Rosenmontag vor 70 Jahren geheiratet
Ernst und Mathilde Hanel haben sich vor 70 Jahren das Ja-Wort gegeben. Jetzt feierten sie ihre Gnadenhochzeit und gleichzeitig noch einen Rekord. 
Sie haben am Rosenmontag vor 70 Jahren geheiratet
Charlotte Luise aus Olching
Charlotte Luise heißt das erste Kind von Nina Kalverkamp und Alexander Fendt. Das Mädchen kam im Klinikum Fürstenfeldbruck zur Welt. Nach der Geburt wurde gewogen und …
Charlotte Luise aus Olching
Fahrdienst für Senioren geplant
Ein Fahrdienst für Hattenhofener, die nicht alleine zum Einkaufen oder Arzt kommen: Harald Ziegler will ein solches Angebot in der Gemeinde aufbauen. Vorbild ist die …
Fahrdienst für Senioren geplant

Kommentare