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Selbst gezogen hat Martin Tielke die Erdbeerpflanzen, die im Rahmen eines Projekts auf dem Fürstenacker ausgesetzt werden. 

Fürstenfeldbruck

Der Sozialmanager mit dem grünen Daumen

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Der Bürgerpavillon hat seine Ursprünge in den begleitenden sozialen Maßnahmen zum Stadtumbau im Quartier der Oberbayerischen Heimstätte im Brucker Westen. So vielschichtig wie sein heutiges Angebot, ist auch der berufliche Werdegang seines neuen Koordinators.

Fürstenfeldbruck – Computerhilfe für Senioren, Hausaufgabenhilfe für Grundschüler, Ernährungsberatung für junge Familien, gemeinsames Säen und Ernten auf dem Fürstenacker – unter dem Dach des Bürgerpavillons in der Heimstättenstraße lassen Vereine und Ehrenamtliche eine Vielzahl von Projekten gedeihen. Der Mann, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, ist Martin Tielke. Der gebürtige Sauerländer sorgt als Koordinator dafür, dass alles rund läuft.

„Die Vielfalt ist der Reiz“, sagt der 54-Jährige und stellt eine Wasserkaraffe und zwei Gläser auf einen umgedrehten Eimer, der als Tischchen herhalten muss. Auf der kleinen Freifläche neben Tielkes Büro kann man der Hitze im Pavilloncontainer vorübergehend entfliehen. „Ich bin ein praktischer Mensch.“ Davon zeugt auch die Garderobe im Eingangsbereich, die er aus Paletten selbst gebaut hat. Und für nächstes Jahr zieht er bereits Erdbeerpflanzen für den Fürstenacker, denn er hat einen grünen Daumen und daheim in Schwabmünchen ein Gewächshaus.

So vielschichtig wie seine Arbeit im Bürgerpavillon war Tielkes Berufsleben, bevor er im vergangenen Oktober in Bruck anfing. Er ist Diplom-Sozialpädagoge und hat einen Master in Sozialmanagement, hat Kindergärten und heilpädagogische Tagesstätten geleitet und war auf der Führungsebene in Wohlfahrtsverbänden tätig. Irgendwann hatte er das Gefühl, genug mit Menschen gearbeitet zu haben. Was also tun?

Zuhause gab es zwei Kinder. „Mit Familie kann man kein Sabbat-Jahr in Tibet machen“, sagt Tielke. Also entschied er sich für eine Weiterbildung zum Software-Berater, betreute bald Kunden in ganz Deutschland und verbrachte manche Nacht programmierend am Computer. Aber auch das war auf Dauer nicht as Richtige für ihn. „Die Arbeitszeiten im Bürgerpavillon sind nicht so brutal“, sagt der 54-Jährige und lacht. Er ist froh, dass er sich mit Software mittlerweile nur noch hobbymäßig beschäftigt und zur Arbeit mit Menschen zurückgekehrt ist.

Der Reiz des Bürgerpavillons – er entstand ursprünglich als flankierende soziale Maßnahme zur städtebaulichen Sanierung der Siedlung der Oberbayerischen Heimstätte – liegt für Tielke auch darin, „dass er offen und parteilos ist, dass niemand missioniert wird und alles erlaubt ist, dass ich frei bin und einrichtungsübergreifend tätig werden kann.“ Der Koordinator arbeitet mit Ganztagsschulen und dem Jugendzentrum zusammen, mit dem Bürgerverein und dem Eine-Welt-Zentrum, mit dem Bündnis „Fürstenfeldbruck im Wandel“ und dem „Lets Tauschring“. So hat er mit allen Generationen zu tun.

Neben der Begleitung laufender Projekte darf und soll Tielke selbst Ideen entwickeln. Die ergeben sich oft im Kontakt zu den Menschen, die mit Problemen oder Vorschlägen zu ihm kommen. Wobei er darauf achtet, „Menschen nicht zur Hilflosigkeit zu erziehen, sondern zur Eigenständigkeit“.

Für den Herbst plant er eine Veranstaltung über Balkonkraftwerke. Sie stellen eine Möglichkeit zur Stromerzeugung für Mieter dar, die nicht über ein eigenes Dach für eine PV-Anlage verfügen. Tielke plant eine Live-Vorführung und hofft, dass sich aus dem Aktionstag später ein Arbeitskreis entwickeln wird. Wichtig ist ihm, dass alle Initiativen des Bürgerpavillons keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu anderen Angeboten in der Stadt sind.

Selbst in die Kreisstadt zu ziehen, kann sich der 54-Jährige nicht vorstellen – und nicht nur, weil er erst kurz vor seinem Arbeitsantritt ein neues Haus in Schwabmünchen bezogen hat. „Bruck ist mir schon zu nah an München“, erklärt er. „Ich brauche mein Dörfle.“

Die eineinhalb Stunden Fahrzeit nutzt er, um den Arbeitstag zu reflektieren und über Projekte nachzudenken. Manchmal ruft er dann seine Büronummer an und spricht Ideen auf den Anrufbeantworter. „Wenn ich dann zu Hause ankomme, kann ich die Arbeit gut im Auto lassen.“

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