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Kreistag Fürstenfeldbruck

Sparkasse: Landkreis-Gutachten stärkt Fusions-Pläne, nennt aber auch Nachteile

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Eine Fusion der Sparkassen Fürstenfeldbruck, Dachau und Landsberg brächte diverse Vorteile für alle Beteiligten, aber auch einige Nachteile mit sich. Das ist kurz gesagt das Ergebnis einer vom Landkreis Bruck in Auftrag gegebenen Studie.

Fürstenfeldbruck Das Papier wurde am Montag in nichtöffentlicher Sitzung im Kreistag präsentiert und auch schon diskutiert. Es betrachtet die Fusion vor allem aus Sicht des Landkreises Fürstenfeldbruck und beurteilt den möglichen Zusammenschluss im Wesentlichen positiv.

So könnten die Stadt und in mittelbarer Folge der Landkreis von künftig höheren Gewerbesteuer-Einnahmen profitieren. Die Anteilsquote erscheine aus Brucker Sicht unter Berücksichtigung der Entwicklung ohne Fusion im Vergleich zur Ertragsbewertung als vorteilhaft, heißt es nach Tagblatt-Information in dem Papier außerdem. Daraus folgt: Der Einfluss auf die Sitzverteilung in den Sparkassen-Gremien wäre aus Brucker Sicht positiv. Der Fusionsmehrwert und die Kapitalausstattung erhöhten zudem die Chance, dass es zu Ausschüttungen an die Träger (also die öffentliche Hand) kommen könnte. Das freilich ist sehr theoretisch, weil es bisher keine Ausschüttungen gab.

Positiv würde sich die Fusion außerdem möglicherweise auf das Sponsoring auswirken. Eine fusionierte Sparkasse Amper-Lech könnte zudem mehr Dienstleistungen anbieten, da die Beschäftigung von mehr Spezialisten möglich werde, heißt es nach Tagblatt-Info in der Studie weiter. Insgesamt wäre ein fusioniertes Haus wettbewerbsfähiger im Sinne der Stärkung des öffentlichen Auftrags der Sparkasse. Ihre Bedeutung im Verbund stiege, hochwertige Arbeitsplätze könnten erhalten werden.

Das Papier führt gleichzeitig aber auch einige Nachteile an. Ohne Fusion bestehe die Möglichkeit, mit den dann nicht benötigten Fusions-Finanzmitteln die Brucker Sparkasse selbsttätig zu verbessern (Kundengeschäft, Mitarbeiterabbau über Fluktuation), heißt es. Dazu kommt: Eine aus sich selbst heraus optimierte Brucker Sparkasse hätte bei einer denkbaren späteren Fusion eine bessere Startposition als jetzt. Das sei aber im Moment kaum einschätzbar. Nachteil außerdem: Der Zusammenschluss kostet Geld, was die Häuser zunächst belasten werde. Die Studie nennt als Nachteil außerdem, dass ein Zusammenschluss den Mitarbeitern die Bereitschaft zu Veränderungen abverlangen würde. Ein Mehrwert werde außerdem erst nach Ablauf einer gewissen Zeit sichtbar – und Stadt/Landkreis Fürstenfeldbruck, die jetzt ja zu je 50 Prozent beteiligt sind, würden an direktem Einfluss einbüßen.

Da das gutachtende Büro (pwc) aufgrund von Haftungsbedenken größten Wert auf Verschwiegenheit legt, halten sich alle Beteiligten mit Aussagen zum Inhalt der Studie zurück. Landrat Thomas Karmasin betonte, dass er immer offen für eine Fusion, nie aber fanatisch dafür gewesen sei. Aus der Studie zieht er für sich den Schluss, dass die geplante Fusion der richtige Weg ist, wie er dem Tagblatt auf Nachfrage sagte. Karmasin hatte den Eindruck, dass das Papier im Kreistag sehr ernst genommen worden sei. Er lobte die „konstruktive Debatte“.

Sparkassen-Chef Klaus Knörr, der in der Sitzung auch anwesend war, begrüßte es tags darauf, dass der Kreistag sich mit dem Thema auf diese Art befassen konnte. Die Haltung der Sparkasse sei eindeutig pro Fusion, die Entscheidung liege aber bei den politischen Gremien, für deren Entscheidungsfindung nun eine Hilfestellung vorliege. Knörr glaubt, dass die Fusionsfrage Mitte des Jahres entscheidungsreif sein könne.

Kreisrat Martin Runge (Grüne) bezeichnete die Studie als sehr fundiert und kündigte eine Erklärung in den nächsten Tagen dazu an. Insgesamt und ganz unabhängig von dem Papier sei seine Skepsis aus ordnungspolitischen Gründen aber gestiegen. Das Papier wird nun in den Fraktionen diskutiert, auch in der CSU, wie deren Sprecher (und Banker) Emanuel Staffler auf Nachfrage ankündigte. „Wir sehen uns das ganz genau an.“

Zusammenschluss liegt im Trend

Insgesamt wäre die Fusion der Sparkassen in Bruck, Dachau und Landsberg die dritte Dreier-Fusion seit dem Jahr 2000. Die größte Fusion in Bayern war die der Sparkassen München, Starnberg und Ebersberg. Nicht immer führten Zusammenschlüsse zu einem erhöhten Geschäftsvolumen, heißt es nach Tagblatt-Info in der pwc-Studie. Im Wesentlichen folgten die Fusionspläne von Bruck, Landsberg und Dachau aber dem bundesweiten Trend. Die Gründe dafür sind vor allem die Niedrigzinsphase sowie die zunehmenden regulatorischen Anforderungen. Die Stärken der Brucker Sparkasse lägen darin, dass viele juristische/regulatorische Notwendigkeiten bereits erfüllt seien und das nötige Wissen vorhanden sei. Bruck gilt als gut aufgestellt bei der Baufinanzierung, sei aber vergleichsweise ineffizient bei der Mitarbeiterzahl. Hier bestehe Abbaupotential über die natürliche Fluktuation. Dachau wird als gut aufgestellt bei Immobilien und bei der Projektfinanzierung bezeichnet und gilt als sehr effizient bei der Anzahl der Mitarbeiter, wobei die schlanke Personalausstattung gleichzeitig auch als Problem angeführt wird – genau wie bei Landsberg, das aber sehr hohe Kapitalquoten aufweise. Insgesamt als Vorteil gilt das in allen Kreisen zu erwartende Bevölkerungswachstum. In Dachau werde es am größten sein, gefolgt von FFB und Landsberg. (st)

Zuvor bereits hatte die Sparkasse ein Gutachten zu den Fusionsplänen vorgelegt. Auch in Dachau und Landsberg wurden Gutachten in Auftrag gegeben.

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