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Die Sparkasse kündigt lukrative Sparverträge. (Symbolbild)

Wegen Niedrigzinsen

Sparkasse kündigt lukrative Sparverträge - Diese Kunden sind betroffen

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Schock für die Fans der sicheren Geldanlage: Die Sparkasse Fürstenfeldbruck kündigt hoch verzinste Prämiensparverträge. Betroffen sind derzeit 143 Kontrakte.

Fürstenfeldbruck – Das Finanzunternehmen führt wirtschaftliche Gründe für die Entscheidung an. „Das Null- und Negativzinsumfeld, das seit einigen Jahren besteht, belastet die Kreditinstitute – auch die Sparkasse Fürstenfeldbruck – außerordentlich“, sagt Dirk Hoogen, Leiter der Unternehmenskommunikation. Betroffen sind die Verträge „S-Prämiensparen flexibel“. Der Kunde zahlt eine monatliche Sparrate. Für diese gibt es ab dem dritten Jahr neben der variablen Verzinsung – seit einiger Zeit 0,01 Prozent – auch eine Prämie, die kontinuierlich bis auf 50 Prozent der Jahressparleistung ansteigt. Diese ist mit dem 15. Jahr erreicht. Die durchschnittliche Sparrate beträgt laut Sparkasse rund 70 Euro im Monat.

Die Sparkasse beruft sich auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs

Die Sparkassen berufen sich auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Mai 2019, nach dem ein Prämiensparvertrag nicht vor Erreichen der höchsten Prämienstufe – sprich nach 15 Jahren – gekündigt werden kann. „Aktuell sind Verträge betroffen, die bereits eine Anlagedauer von 25 Jahren vollendet haben“, erklärt Hoogen. „Die Kunden profitieren schon seit mehreren Jahren von der vertraglich vereinbarten höchsten Prämienstaffel.“ Bei aktuell 143 gekündigten Verträgen wird es aber nicht bleiben. Sukzessive sollen laut Hoogen weitere folgen. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und sie sachlich und rechtlich abgewogen.

Kunden reagieren unzufrieden auf die Entscheidung

Dennoch seien vereinzelt Kunden mit der Entscheidung unzufrieden, bestätigt Hoogen. Trotzdem wolle man ihnen Alternativen zur Geldanlage aufzeigen. „Wir laden jeden betroffenen Kunden zu einem persönlichen Gespräch mit dem Berater ein.“

Derartige Überlegungen gebe es bei der VR-Bank Fürstenfeldbruck – der zweiten großen im Landkreis ansässigen Bank – nicht, erklärt Vorstandsmitglied Rainer Kerth. „Wir beobachten alle Zinsentwicklungen kritisch.“ Man versuche alles, um den Kunden so etwas zu ersparen. „Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen jedoch weiter senkt, muss man auch darüber nachdenken.“

Verärgerte Kunden wenden sich an die Verbraucherzentrale

Erste Anleger haben sich inzwischen an die Verbraucherzentrale gewandt. Rund zehn Anfragen gebe es pro Woche, schätzt Patrick Kaiser, der montags in der Beratungsstelle in Germering ist. Er leite die Anfragen an die Experten der Verbraucherzentrale in München weiter. Die empfehlen, als erstes Widerspruch gegen die Kündigung einzulegen. Dann könne man sich beraten lassen. „Man mus jeden Fall einzeln betrachten“, sagt Sibylle Miller-Trach, Finanzjuristin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Zudem gibt es die Möglichkeit berechnen zu lassen, ob die Sparkasse im Laufe der Jahre zu wenig Zinsen bezahlt hat.

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