Kritiker spricht in Restaurant

Sparkassen-Fusion kontrovers diskutiert

Beim zweiten Anlauf klappte es: Das Sozialforum Amper und der Kulturraum FFB haben einen Informationsabend über die geplante Fusion der Sparkassen Fürstenfeldbruck, Dachau und Landsberg organisiert.

Fürstenfeldbruck – Der erste Termin mit dem Volkswirt und Sparkassenkritiker Rainer Gottwald (71) war wegen Unstimmigkeiten zwischen Brucks Sparkassenchef Klaus Knörr, der Stadt und den Veranstaltern geplatzt.

Kritiker Rainer Gottwald hat 71 Sparkassen in Bayern untersucht

Deshalb legte der Sprecher des Bürgerforums Landsberg nun in einem griechischen Restaurant an der Oskar-von-Miller-Straße statt im Bürgerpavillon seine Meinung über eine Fusion der Geldinstitute dar. Rund 60 Zuhörer waren gekommen, darunter viele Stadträte – jedoch kein Vertreter des Geldinstituts.

Wie Gottwald sagte, habe er 71 bayerische Sparkassen untersucht und dabei festgestellt, dass es vor allem mit der Transparenz nicht weit her sei. Gewinner einer Fusion seien die Sparkassenvorstände und in geringerem Maße die Verwaltungsratsmitglieder. Auf der Strecke blieben dagegen die Mitarbeiter – in erster Linie die der Sparkassen in Dachau und Landsberg. Denn diese würden Arbeitsplätze verlieren.

So würden die Vorstände eine Gehaltsaufstockung, Pensionäre eine Erhöhung, die Verwaltungsräte ebenso eine Anhebung der Aufwandsentschädigung erhalten. Denn die Bemessungsgrundlagen für derartige Zahlungen würde durch die – nach einer Fusion erhöhten – Bilanzwerte steigen. Gestärkt aus dem Zusammenschluss würden nach Gottwalds Berechnungen die Stadt und der Landkreis Bruck durch mehr Gewerbesteuer hervorgehen, geschwächt die Träger der Landkreise Dachau und Landsberg. Generell müsse der Impuls zu einer Fusion laut Gottwald vom Stadtrat und dem Kreistag ausgehen.

Sparkassen-Chef Klaus Knörr erklärt die Absage

Mit diesen Gremien möchte auch Sparkassen-Chef Klaus Knörr zeitnah sprechen, kündigte er auf Tagblatt-Nachfrage an. Mit Gottwald wollte er jedoch nicht diskutieren. Die Gründe dafür, dass er nicht zu dem Infoabend erschienen war, hatte er dem Sozialforum Amper im Vorfeld der erneut angesetzten Veranstaltung in einem Brief dargelegt. Der war auch an die Stadt- und Kreisräte sowie an den amtierenden Bürgermeister Erich Raff und Landrat Thomas Karmasin geschickt worden. Er könne unter den gegebenen Umständen nicht den ernsthaften Willen erkennen, das Thema einer interessierten Öffentlichkeit mit objektiven Informationen bekannt zu machen. Insbesondere werde der Rahmen nicht dem Anspruch gerecht, mögliche Vor- und Nachteile einer Fusion ernsthaft zu prüfen und gegeneinander abzuwägen. Den Referenten sehe er weder legitimiert noch qualifiziert, um sich mit ihm auf einem Podium auseinanderzusetzen.

Der Konkurrenzdruck bei den Banken steigt

Kontra gab Gottwald bei der Veranstaltung ein anderer Banken-Kenner in den Zuhörerreihen. Klaus-Peter Ernst, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der VR-Bank und Ex-CSU-Stadtrat, warf dem Kritiker vor, völlig ausgeblendet zu haben, dass die Sparkassen mit anderen Banken konkurrieren müssen. Der ehemalige Kreistags-Finanzreferent erinnerte an die Fusion der VR-Banken Olching, Germering und Bruck 2001. Damals wurde er selbst Aufsichtsratsvorsitzender der Fusionsbank. „Sie haben die Gesetzgebung über Fusionen völlig negiert“, so Ernst.

Denn bei der Umwandlung der VR-Banken 2001 sei knochenhart festgeschrieben worden, dass die Vorstände fünf Jahre lang keine Erhöhung erhalten. Bei einem Fusionsvertrag müssten die Vorteile, die Vorstände und Verwaltungsräte aus dem Zusammenschluss ziehen, offengelegt werden. Zusätzlich müssten die Betroffenen auf Jahre hinaus davon ausgeschlossen sein, profitieren zu können. Es werde in Zukunft nicht ohne Fusionen gehen, meinte Ernst. Die Banken müssten sich auf die zunehmende Digitalisierung und rechtliche Regulierungen einstellen.

Fakten zum Sparkassen-Zusammenschluss auf den Tisch legen

BBV-Stadtrat Willi Dräxler meinte, aus dem Blickwinkel des Sparers müsse man froh sein, dass Einlagen in Zeiten der Niedrigzinsphase durch die Rücklagenbildung der Bank abgesichert sind. Die „rechtswidrige Absage“ des ersten Info-Termins kritisierte dagegen OB-Kandidat und Kreisrat Martin Runge (Grüne). Er meinte, dass wohl einige wegen des Vortrags nervös geworden seien. Der Gröbenzeller erinnerte in der kontrovers geführten offenen Diskussion daran, dass Sparkassen einen öffentlichen Auftrag haben und dem Gemeinwohl verpflichtet seien. Runge forderte deshalb, dass alle Vor- und Nachteile eines Zusammenschlusses auf den Tisch gelegt werden. (dm)

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Jesus-Figur zerbrochen: War es der Sturm?
Bei Langwied in Moorenweis ist eine Jesus-Figur von einem Kreuz gefallen und zerbrochen. Die Polizei ermittelt.
Jesus-Figur zerbrochen: War es der Sturm?
Riesiger Bovist
Erst beim zweiten Hinsehen erkannte Jörg Lohfink aus Wenigmünchen, welchen Fund er da beim Gassigehen mit seinem Hund gemacht hatte:
Riesiger Bovist
Schnelles Internet für Allings Ortsteile
Schnelles Internet bekommen nun auch die Allinger Ortsteile Biburg, Holzhausen und Wagelsried.
Schnelles Internet für Allings Ortsteile
Dorfweiher vom  Schlamm befreit
 Ganz schön trüb war zuletzt der Löschweiher im Allinger Ortsteil Holzhausen. Sogar die Wasserversorgung aus dem Teich war nicht mehr gewährleistet. 
Dorfweiher vom  Schlamm befreit

Kommentare