Die letzte Predigt in der Klosterkirche hielt der Kardinal im Januar 2018 nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Pfarrer Albert Bauernfeind.
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Die letzte Predigt in der Klosterkirche hielt der Kardinal im Januar 2018 nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Pfarrer Albert Bauernfeind.

Katholische Kirche

Spuren von Erzbischof Marx in Fürstenfeld

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Das Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx beschäftigt auch die Brucker. Fünfmal war der Erzbischof von München und Freising zu Gast in der Klosterkirche Fürstenfeld. Er spendete Sakramente, diskutierte beim ökumenischen Kirchentag und hatte auch Zeit für das eine oder andere persönliche Gespräch.

Fürstenfeldbruck – „Als Reinhard Marx kam, eilte ihm ein recht konservativer Ruf voraus“, erinnert sich Bernhard Utters, Mitglied im Diözesanrat. In mehreren Gesprächen hat er den Erzbischof kennen und schätzen gelernt. „Eine barocke Type“, wie er sagt. „Marx hat eine sehr positive Entwicklung zu einem gesprächsbereiten und reformwilligen Menschen genommen.“ Man könne gut mit ihm diskutieren. „Aber man muss eine klare Position haben.“

Die Besuche des Erzbischofs im Landkreis hat Utters teils mit begleitet. So moderierte er bei dessen erster Reise durch den Landkreis eine Gesprächsrunde mit den Bürgermeistern – die erste persönliche Begegnung.

Erstmals in Fürstenfeld war Kardinal Marx am 16. Juli 2011. Da die Pfarrkirche St. Bernhard damals renoviert wurde, spendete er den Jugendlichen der Pfarrei in der Klosterkirche das Sakrament der Firmung. Beim anschließenden Empfang im Klosterhof blieb auch Zeit für Gespräche, erinnert sich Friedrich Deschauer, Chronist von St. Bernhard.

Auch als Fürstenfeld im Jahr 2013 das 750. Gründungsfest beging, feierte Marx am 20. Mai den Pontifikalgottesdienst. „Als Pfarrer Albert Bauernfeind bei der Begrüßung des Kardinals anerkennend sagt, er habe die Klosterkirche noch nie so voll gesehen, meinte der Erzbischof bescheiden, das Entscheidende sei nicht die Begegnung mit ihm, sondern mit Christus im Glauben“, erinnert sich Deschauer. Die Geschichte der Kirche, in der sich Himmel und Erde berühren würden, bezeichnete Marx nicht nur als Jubelgeschichte, sondern auch als „Geschichte von Angst, Versagen und Aufbrechen“. Kirche müsse sich immer wieder erneuern. Beim Empfang im Churfürstensaal trug sich Marx auch ins Goldene Buch der Stadt ein.

Beim Kirchentag

Beim Ökumenischen Kirchentag im Juni 2015 diskutierte der Erzbischof unter anderem mit dem evangelisch-lutherischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Präses Ansgar Hörsting vom Bund Freier Evangelischer Gemeinden in Deutschland und einem Vertreter des rumänisch-orthodoxen Erzbistums von Deutschland. Auch im von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahr öffnete Marx am 16. April 2017 die „Pforte der Barmherzigkeit“ zur Klosterkirche und feiert mit den Gläubigen Gottesdienst.

Ende 2017 genehmigte der Erzbischof schweren Herzens den Rücktritt des schwerkranken Pfarrers Albert Bauernfeind. In Sorge um die Gläubigen im verwaisten Pfarrverband kam Marx letztmals am 28. Januar 2018 nach Fürstenfeld.

Nach dem Gottesdienst blieb er für ein Gespräch stehen, erinnert sich Deschauer. „Er ist ein lockerer Typ und kann sehr lustig sein.“ Da erlebte er auch bei der Verleihung der Korbiniansmedaille im Jahr 2015. Da sei Marx beim Empfang zu ihm an den Tisch gekommen. „Wir haben uns nett unterhalten.“

Reinhard Marx sei stets nah am Menschen gewesen, sagt auch Bernhard Utters. „Auch wenn er manchmal sehr distanziert wirkte.“ Utters erinnert sich an ein sehr persönliches Gespräch über Südafrika im Rahmen einer Ausstellungseröffnung. Und an die Feier seines 60. Geburtstags – „ein großes Familienfest“.

Umso mehr waren beide vom Rücktrittsgesuch geschockt. „Es war ein Schlag für mich, wir brauchen den Mann bei uns“, sagt Deschauer. Denn die Kirche brauche Männer und Frauen, die den Mund aufmachen würden. Etwas, das Marx stets getan hat. Doch noch hat Papst Franziskus nicht zugestimmt. „Heimlich hoffe ich, dass der Papst sagt, bleib bei denen Münchnern, die brauchen dich.“

Marx übernehme die politische Verantwortung für die Art, wie die Kirche als Institution beim Thema Missbrauch agiert habe, ergänzt Utters. Doch es sei lediglich ein Rücktrittsgesuch im Erzbistum. „Er wird sicherlich eine wichtige Aufgabe übernehmen.“

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