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Gerry Klaus.

In Bruck

Squash-Palast: Eine Institution schließt

An den Squash-Palast hat wohl jeder seine eigenen persönlichen Erinnerungen: Ob zum Sporteln, Feiern oder für das Bierchen an der Theke – seit mehr als 35 Jahren hat er die Brucker begleitet. Doch Ende März schließt der Palast für immer. Ein Stammgast und ehemaliger Wirt blickt zurück.

Erinnerung an alte Tage.

Fürstenfeldbruck Für Gerry Klaus wird es ein besonders schwerer Abschied. Immerhin kommt der 54-Jährige seit Anfang an, seit 1980, regelmäßig in den Squash-Palast. „Es ist mein zweites Wohnzimmer“, sagt er. Zwei Wochen nach der Eröffnung war er zum ersten Mal beim Squash-Spielen im Brucker Westen. In der Boomzeit des Sports in den 1980er-Jahren spielte er oft zum Studenten-Tarif, der erst nach 22 Uhr anlief. Zu den übrigen Zeiten war immer alles ausgebucht. So sehr überrannten die Leute die Courts, um dem kleinen schwarzen Ball nachzujagen. „Das hat geboomt ohne Ende“, erinnert sich Klaus.

1980 hatten Palast-Besitzer Wolfgang Brückner und sein Partner Peter Zoubek die erste Squash-Anlage in der Region eröffnet. Später übernahmen dann immer neue Pächter. Auf die Idee mit dem Squash war Brückner während eines Auslandsaufenthaltes in Südafrika gekommen. „Das wäre doch was für uns“, dacht er sich. Lange Zeit lief es gut. Doch irgendwann flaute das Geschäft mit der Sportart ab. Die Betreiber mussten neue Wege finden, um Besucher anzulocken. Sie veranstalteten Partys, die aber nach Problemen mit den Anwohnern von der Stadt zeitweise untersagt wurden.

Das Gebäude sei eigentlich auch als reines Sportzentrum ausgelegt, sagt Stammgast Gerry Klaus. Die Infrastruktur reiche für größere Veranstaltungen nicht aus. Er muss es wissen. Denn übergangsweise – am Ende dann für zwei Jahre – war er selbst Wirt des Palasts. Damals war ein Pächter gesucht worden. Weil der Squash eben sein Wohnzimmer ist, übernahm Klaus.

Umso mehr schmerzt es ihn, dass das Gebäude mittlerweile so heruntergewirtschaftet ist. Neue Investitionen lohnen sich laut Besitzer Brückern nicht. „Das trägt sich nicht.“

Von außen.

Am Freitag, 31. März, öffnet die Einrichtung ein letztes Mal. Dann ist Schluss. Wann die Bagger zum Abriss anrücken, weiß Brückner noch nicht genau. Dieses Jahr aber sicher noch. An Stelle des Squash-Palasts soll ein Hotel mit 50 Zimmern und Tiefgarage entstehen. Zum Bau gibt es schon einen positiven Vorbescheid.

In diesen letzten Tagen werden noch einige von den Courts Abschied nehmen. Auch Gerry Klaus spielt heute noch einmal die Woche. Meistens sitzt er aber mit seinen Freunden an der Theke oder am Stammtisch. „Du triffst immer jemanden, ohne Verabredung, ohne Whats–App.“ Auf rund zwei Dutzend treue Squash-Gänger schätzt Klaus diesen Freundeskreis, der zum Teil schon jahrzehntelang in den Brucker Westen kommt. „Es gab viele besondere Abende“, weiß er.

Aus der Anfangszeit hängen hunderte von Fotos an den Wänden des Squash-Palastes. Sie zeigen Szenen vom legendären Silvesterschwindel, bei dem teilweise bis neun Uhr in der Früh gefeiert wurde, von unvergesslichen Faschings-Abenden, Band-Auftritten und vielem mehr. Doch nun gibt es nur noch eine letzte Party. Nämlich die am 31.  März. „Die ist Pflicht“, sagt Gerry Klaus.

Traurig ist er schon. „Aber alles hat ein Ende.“ Auch für Besitzer Wolfgang Brückner ist es nicht einfach. „Mir tut es in der Seele weh.“ Ob sich für Klaus und den Squash-Freundeskreis eine neue Stammkneipe findet, das ist noch nicht ganz sicher. „Jetzt kommt erst einmal der Sommer – Biergärten gibt es genug“, sagt der 54-Jährige. (fd)

Er sperrt zu:

Der aktuelle Wirt des Squash-Palasts ist Florian Weber (30). Er wird nach mehr als 35 Jahren das letzte Mal die Türen der Location im Westen der Stadt zusperren. “Ich finde es als Brucker sehr schade, dass diese Einrichtung schließt“, sagt er auf Tagblatt-Nachfrage. 

Das kulturelle Programm, vor allem die kleinen Konzerte, die Fußball-Übertragungen der WM und EM im Biergarten sowie die kleinen Partys werden ihm als Betreiber und als früherem Gast fehlen. „Für mich waren es die einzigen Veranstaltungen in Bruck, bei denen 18-Jährige mit 80-Jährigen zusammen gefeiert haben.“ 

Seit er 16 Jahre alt ist, kenne er den Squash-Palast schon. Wie es für den OB-Kandidaten der Partei „Die Partei“ in Zukunft weitergeht? „Ich werde Oberbürgermeister von Bruck. Alles andere ist höchst unwahrscheinlich“, sagt der 30-Jährige.

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