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Eine Baustelle

Fürstenfeldbruck

Stadt baut Sozialwohnungen doch selbst

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Rolle rückwärts bei den Sozialwohnungen am Sulzbogen: Die Stadt vergibt das Areal doch nicht in Erbpacht, sondern baut selbst. Die Stadträte dachten, die Verwaltung könne das Projekt nicht zügig realisieren. Dem widersprach der Stadtbaumeister.

Fürstenfeldbruck – „Wir trauen uns einen Baubeginn im Jahr 2020 zu.“ Diese Aussage von Stadtbaumeister Martin Kornacher änderte alles. Der Stadtrat war kurz davor, den Bau von 18 Sozialwohnungen am Sulzbogen in Erbpacht an einen Investor zu vergeben. Doch nach einer Sitzungsunterbrechung lehnten die Räte dies mit 20:15 Stimmen ab. Die Stadt soll in Eigenregie bauen.

Die Vorgeschichte

Eigentlich wollte die Stadt am Sulzbogen 20/22 13 Sozialwohnungen sowie einen Kinderhort unterbringen. Die Pläne waren gemacht, doch nachdem die Baukosten aus dem Ruder liefen, wurde das Vorhaben gestoppt. Da es noch keine kommunale oder landkreisweite Wohnungsbaugesellschaft gab, kam OB Erich Raff auf die Idee, das Vorhaben zu splitten: Der Verlagerung des Horts an die Cerveteristraße hat der Stadtrat mehrheitlich zugestimmt. Im Haus ist nun Platz für 18 Wohnungen. Der Hauptausschuss rang sich zum Modell Erbpacht durch.

Die SPD beharrte darauf, die Stadt solle selbst bauen. „Landauf, landab errichten Kommunen Sozialwohnungen für ihre Mitarbeiter, auch in Eigenregie, nur bei uns in Fürstenfeldbruck soll das nicht funktionieren?“, fragte Mirko Pötzsch. Finanzreferent Walter Schwarz pochte auf die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens. „Bei einer Vermietung über 75 Jahre hätten wir mindestens den doppelten Nutzen, als wenn wir verpachten.“ Für diese Einschätzung hatte er eigens Berechnungen angestellt. Die Stadt habe ohnehin schon über 700 000 Euro Planungskosten in den Sand gesetzt. Schwarz verwies auf die Sozialwohnungen an der Parsevalstraße, die die Stadt ebenfalls in Eigenregie errichtet habe, und die bereits im ersten vollen Mietjahr einen Überschuss brächten.

Selbst contra Erbpacht

Ein weiterer Vorteil: Die Stadt habe das Belegungsrecht. Bei Drittanbietern sei es nur ein Vorschlagsrecht, und die würden Leute meist ablehnen, wenn sie etwa einen Schufa-Eintrag hätten. „Der Vermieter muss da schon einen nehmen“, erwiderte Andreas Lohde (CSU). Dass die Kommunalaufsicht den Haushalt nur teilweise genehmigt habe, würde die Situation verschärfen. Man wolle möglichst zügig öffentlichen Wohnraum schaffen.

Die Räte gingen davon aus, dass die Bauverwaltung keine Kapazitäten hat, um das Vorhaben im nächsten Jahr umzusetzen. Auch die BBV, die das Grundstück nicht aus der Hand geben wollte, rang sich zur Erbpacht durch – Hauptsache schnell bauen. Franz Neuhierl (FW) schlug vor, einen Projektsteuerer ins Boot zu holen. Doch Stadtbaurat Martin Kornacher schüttelte mit dem Kopf. Er wisse nicht, wer gesagt habe, man schaffe es nicht. „Wir können nächstes Jahr mit dem Bau beginnen.“ Das sorgte für großes Erstaunen, auch bei OB Erich Raff (CSU). „Wir haben Anfang Juni eine andere Auskunft bekommen“, sagte der Rathauschef. „Wenn Kapazitäten freigeschaufelt werden, muss ich das hinnehmen.“

BBV ändert Meinung

In der Sitzungsunterbrechung berieten sich die Fraktionen intensiv. „Ich bin 18 Jahre im Stadtrat, mir reicht es persönlich gewaltig“, polterte Tommy Beer. Seine BBV stimmte daraufhin doch für die Stadt als Bauherrn. Man müsse bei den Haushaltsberatungen schauen, an welcher Stelle man spare, kündigte Raff an. Denn das Projekt kostet die Stadt 5,2 Millionen Euro. CSU, FDP und FW blieben bei der Erbpacht. „Das Projekt ist nicht rentierlich“, so Lohde. Doch die Mehrheit sah es anders. Nun wird die Bauverwaltung die Pläne überarbeiten.

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