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Wernher von Braun

Stadt Fürstenfeldbruck lehnt Änderung von Straßennamen ab

Nach mehrjähriger Debatte hat der Stadtrat eine Änderung von Straßennamen, die durch die NS-Zeit belastet sind, pauschal abgelehnt. Er wird sich mit dem Thema aber weiterhin befassen müssen. 

Fürstenfeldbruck – Fünf Jahre dauerte die Diskussion um die Umbenennung von Fürstenfeldbrucker Straßen. Acht Straßen wurden in dieser Zeit identifiziert, deren Namenspaten mit Antisemitismus, Rassismus und Nationalsozialismus so in Verbindung standen, das eine Neubenennung gerechtfertigt sein könnte. Die Stadtratsfraktionen stellten einmütig fest, dass man die Straßen heute so nicht mehr benennen würde.

 Dennoch wird keiner der Namen aus dem Straßenbild verschwinden. Stattdessen sollen die Straßenschilder mit erläuternden Tafeln zu den namensgebenden Personen versehen werden. Das Beibehalten der Namen heiße nicht, dass man die Personen weiter ehre. Und durch die Hinweisschilder zeige man, dass man keine Geschichtsklitterung betreibe, sagte CSU-Fraktionssprecher Andreas Lohde in der entscheidenden Sitzung am Mittwochabend, in der er wie die meisten seiner Fraktionskollegen gegen eine Umbenennung stimmte.

 In der zweistündigen Debatte trugen Befürworter und Gegner noch einmal die Argumente vor, die zuvor schon im Kultur- und Werkausschuss, dem Arbeitskreis Straßennamen und in Anwohnerversammlungen immer wieder genannt worden waren. Befürworter einer Umbenennung wie SPD-Fraktionssprecher Philipp Heimerl argumentierten, die Beibehaltung von Straßennamen käme einer anhaltenden Ehrung der Namensgeber gleich. Man dürfe „die moralische Geisteshaltung dieser Personen nicht im Straßenbild ehren“, sagte Heimerl.

 Die SPD-Fraktion sei „ohne Wenn und Aber“ für eine Umbenennung. Doch insgesamt nur 13 der anwesenden Stadträte schlossen sich dieser Sichtweise an. 25 Räte stimmten dagegen. Mit 25 gegen 13 Stimmen wurde anschließend die Anbringung von erläuternden Hinweistafeln in allen zur Debatte gestellten Straßen beschlossen. 

Mehrere Stadträte kritisierten, dass, anders als noch in der vorberatenden Sitzung des Kultur- und Werkausschusses, nicht einzeln über die acht Straßennamen abgestimmt wurde. Für Andreas Ströhle (BBV) etwa gehört die Wernher-von-Braun-Straße umbenannt, die Hindenburgstraße aber nicht zwingend. Wernher von Braun, SS-Offizier und Leiter der Heeresversuchsanstalt Peenemünde, habe nur seine Wissenschaft gekannt. „Wer dabei draufgeht, war ihm völlig wurscht“, sagte Ströhle. 

Hindenburg habe als Reichspräsident zwar Adolf Hitler in den Sattel gehoben, sei damals aber ein „Tattergreis“ gewesen. Zu einer Umbenennung der Wernher-von-Braun-Straße – für die Befürworter eigentlich der klarste Fall – sowie der Hindenburgstraße hatte es im Arbeitskreis Straßennamen ein Stimmen-Patt gegeben. Mehrheiten gefunden hatten dort jeweils die vorgeschlagrenen Neubenennungen der Langbehnstraße – benannt nach dem als antisemitisch geltenden Schriftsteller Julius Langbehn – und der nach Offizieren und Piloten der Wehrmachts-Luftwaffe benannten Straßen in der Umgebung des Fliegerhorstes (Eschenauer-, Von-Gravenreuth-, Priller-, Ederer- und Zenettistraße). 

Auch diese Straßen behalten nun ihre Namen. Das Hin- und Herreichen zwischen Stadtrat, Ausschuss und Arbeitskreis kritisierte Klaus Wollenberg (FDP), selbst Mitglied des Arbeitskreises. „Wir hatten im Arbeitskreis das Gefühl, dass uns ein heißes Eisen in die Hand gelegt wird. Wir wollten es abgeben, haben es aber immer schnell wieder zurückbekommen“, sagte Wollenberg. Das Thema sei wohl vielen „auf den Wecker“ gegangen, und er habe das Gefühl gehabt, dass es vielen lieber gewesen wäre, es wäre gar nicht da gewesen. 

Dennoch sei die Auseinandersetzung nicht umsonst gewesen. „Es war ein Umgang mit der Zeitgeschichte.“ Wollenbergs Fraktionskollege Herwig Bahner sagte vor der Abstimmung, eine Umbenennung wäre eine Missachtung des Bürgerwillens. Jan Halbauer (Grüne) entgegnete, es habe gar keine Bürgerbeteiligung stattgefunden, sondern nur eine Anwohnerbeteiligung. Betroffen von belasteten Straßennamen seien aber alle Fürstenfeldbrucker Bürger. Man hätte also ein Ratsbegehren initiieren müssen oder schlucken, dass man sich eventuell unbeliebt mache und nur nach dem eigenen Gewissen entscheiden.

 Halbauer verwies auf die Schwierigkeit, die sich aus der letztlich beschlossenen Variante ergeben könnte: „Das Thema ist noch nicht zu Ende. Denn was soll denn bitte auf den Schildern draufstehen? Was hätte man denn auf ein Schild zu einem Adolf-Hitler-Platz geschrieben? Massenmörder und Postkartenmaler?“. Andreas Ströhle fragte: „Wie groß müsste denn ein Schild zur Wernher-von-Braun-Straße sein, bei all dem, was man zu dieser Person erwähnen müsste?“ Textvorschläge für die Hinweisschilder sollen nun mithilfe eines Historikers erarbeitet werden. Diese werden dann dem Stadtrat vorgelegt.

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