Fühlen Sie sich wie zuhause: Online die eigene Wohnung kurzzeitig zu vermieten, ist ein Kinderspiel. Beispielfoto: dpa

Verwaltungsgericht 

Stadt geht gegen Schwarzvermietung vor

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Die eigene Wohnung für ein paar Tage vermieten – nichts einfacher als das. Mithilfe von Online-Plattformen kann jeder Wohnraum kurzzeitig zur Verfügung stellen. Doch wer das zum Geschäft macht, muss sich an Regeln halten.

Fürstenfeldbruck – Wer in Fürstenfeldbruck ein paar Tage verbringen will und eine Unterkunft sucht, hat die Qual der Wahl. Zum Beispiel findet man auf der Online-Plattform Airbnb fast 20 Angebote über das ganze Stadtgebiet verteilt. Man bekommt hier ein „neu renoviertes Appartement“, das acht Gehminuten von der S-Bahn entfernt ist, für 31 Euro pro Nacht. Wer es ein bisschen luxuriöser mag, kann sich aber auch für mehr als 200 Euro eine ganze Wohnung mieten mit Möbeln im hippen Vintage-Stil. Für jeden ist etwas dabei.

Bei Airbnb sind die Gastgeber oft Brucker, die ihre Bude für ein paar Tage zur Verfügung stellen, wenn sie im Urlaub weilen oder beruflich verreisen müssen. Andere Inserate wirken professioneller. Eine Frau bietet zum Beispiel ihre „Ferienwohnung“ an, die ziemlich oft ausgebucht ist. Mithilfe von Online-Plattformen ist heutzutage nichts einfacher, als seine Wohnung kurzzeitig zu vermieten. Doch wer das zum Geschäft macht, muss sich an Regeln halten.

Vor Kurzem ist die Stadt gegen eine Bruckerin vorgegangen, die mehrere Wohnungen in einem Haus am Stadtrand auf Kurzzeit vermietet. Nach Ansicht der Stadt handelt es sich um Ferienwohnungen. Da aber der gültige Bebauungsplan eine solche Nutzung ausschließt – es handelt sich demnach um ein allgemeines Wohngebiet –, bekam die Hausherrin einen Bußgeld-Bescheid. Dagegen klagte die Frau. Nun hat sich das Münchner Verwaltungsgericht mit dem Fall beschäftigt. Das Ergebnis: Die Wohneigentümerin muss die Kurzzeit-Vermietung bei der Stadt beantragen. Allerdings wies der zuständige Richter Johann Oswald die Sichtweise der Stadt zurück, es handle sich um Ferienwohnungen.

Bei der mündlichen Verhandlung vor Ort machte er sich selbst ein Bild von der Art der Vermietung. In der Doppelhaushälfte befinden sich mehrere Wohnungen. Im Dachgeschoss leben derzeit vier Männer, die beruflich in Bruck zu tun haben. Einen Mietvertrag hat die Eigentümerin nicht. Man habe sich mündlich auf ein halbes Jahr geeinigt, sagt sie. Eine andere Wohnung ist möbliert, aber momentan unbewohnt. Im Erdgeschoss lebt die Eigentümerin selbst. Allerdings nutze sie dort nur ein Schlafzimmer, sagt sie. Der Rest sei bei Bedarf vermietet.

Wie sie dem Tagblatt auf Nachfrage erzählt, seien ihre Kunden keine Touristen, sondern „ganz normale Menschen“, darunter oft Familien mit Kindern, die Verwandte in Bruck besuchen oder Berufstätige, die keinen Lärm machen würden. Hintergrund ist, dass der Stadtrat 2014 den Bebauungsplan geändert hatte, nachdem sich Nachbarn über laute Pensionsgäste beschwert hatten. Seitdem sind Beherbergungsbetriebe in dem Wohngebiet untersagt.

Richter Oswald sagte in der Verhandlung zu der Bruckerin: „Das geht so nicht.“ Sie brauche eine entsprechende Genehmigung und müsse das bei der Stadt beantragen. Allerdings seien Ferienwohnungen etwas anderes als die Kurzzeit-Vermietung, wie sie die Klägerin betreibe. Mit dem Bebauungsplan, auf den sich die Stadt beruft, habe das erst einmal nichts zu tun. Dieser weise ohnehin einen Formfehler auf und sei daher unwirksam, so der Richter.

Die Bruckerin will nun bis Mitte November eine Kurzzeit-Vermietung bei der Stadt beantragen. Anschließend müssen sich die Stadträte und die Verwaltung damit beschäftigen. Bei der Verhandlung sicherte ein Vertreter der Stadt zu, den Bußgeldbescheid nicht zu vollstrecken, solange bis über den Bauantrag entschieden ist.

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