Einen Fahrradverleih, wie ihn dieses Foto in München zeigt, wird es in Bruck nicht geben. Die CSU will ein schon beschlossenes Projekt, bei dem Fundräder verliehen werden sollten, wieder stoppen.

Neues Verkehrskonzept

CSU will das Projekt Radverleih stoppen

Vor zwei Jahren hat die Stadt einen Fahrradverleih beschlossen. Passiert ist seitdem nicht viel. Nun will die CSU das Vorhaben wieder ad acta legen. Stattdessen soll die Stadt bei einem Mobilitätsprojekt des Landkreises mitmachen. Und das kann mehr als nur Räder verleihen.

Fürstenfeldbruck – Mit den Fundrädern will der Stadtrat ein kostenloses Verleihsystem starten. Einige Drahtesel sind schon gesammelt, sie sollen einheitlich gestrichen werden – so der Plan vor zwei Jahren. Doch seitdem ruht das Projekt. Mangels personeller Kapazitäten hat man beschlossen, das Projekt hintanzustellen, berichtet Claudia Gessner, Radlbeauftragte im Rathaus. Auch sie hat keine Zeit für das Projekt, denn seit der Verkehrsplaner weg ist, sind ihre Aufgaben vorübergehend mehr geworden.

Dass in Sachen Drahtesel-Verleih noch nicht viel passiert ist und vor allem noch nicht viel Geld ausgegeben wurde, sieht die CSU positiv. „Ein Fahrradverleihsystem, das auf Fundrädern gründet, wo Instandsetzungskosten und Haftungsfrage nicht geklärt sind, und das an der Stadtgrenze endet, ist zum Scheitern verurteilt“, sagt Fraktionsvorsitzender Andreas Lohde. Daher hat die CSU nun einen Antrag gestellt: Die Stadt soll aufspringen auf den Zug des Landkreises.

Der setzt auf das Konzept Mobilität 4.0. Das bedeutet ein Netzwerk aus MVV-Fahrkarten, Car- und Bike-Sharing und Stromtankstellen. An stark frequentierten Orten sollen sogenannte multimodale Schnittstellen errichtet werden, erklärt Hermann Seifert, Experte für den Öffentlichen Personennahverkehr im Landratsamt. „Das wäre auch am Bahnhof Fürstenfeldbruck möglich.“ An so einer Schnittstelle halten Busse, es gibt Parkplätze, ein Car-Sharing und eben auch Leih-Räder und E-Bikes. Auch für eine Strom-Tankstelle ist gesorgt. Wie der Knotenpunkt ausgestattet ist, hängt vom Standort und Bedarf ab.

Das Ziel: „Wir wollen die Hemmschwelle senken, diese Verkehrsmittel zu nutzen“, erklärt Seifert. So könne man bequem vom Bus aufs Rad umsteigen – nicht jeden Tag, sondern auch mal spontan, wenn der Pendler ein schweres Paket heimtransportieren muss. Dann steht ein Leihauto bereit.

Die Bezahlung erfolgt über eine Mobilitätskarte – entweder als App oder als Chipkarte. Mit dieser kann der Kunde nicht nur seine MVV-Karte bezahlen, sondern auch Räder leihen, Strom tanken und sogar Eintrittskarten buchen. Das System soll so gedeckelt sein, dass der Preis bei häufiger Nutzung sinkt beziehungsweise das Angebot nichts mehr kostet, wenn eine Obergrenze erreicht ist. „Es darf nicht teurer sein als eine Jahreskarte“, betont Seifert.

Auch an den Tarifen könnte sich dann etwas ändern: Im Dezember oder im Frühjahr 2019 will der MVV einen Modellversuch mit einem E-Ticket starten. Der Kunde zahlt dann nicht mehr nach Zonen, sondern für die Entfernung, die er zurücklegt. Das funktioniere natürlich nur über E-Ticket. In drei Jahren könne der Entfernungstarif kommen, glaubt Seifert.

Anderes sogar schneller: Stimmt der Kreistag zu, soll Mitte 2018 eine Stelle für die Planung und Koordinierung der multimodalen Schnittstellen geschaffen werden. Dann könnten die Planungen beginnen. Und spätestens da soll die Stadt mit am Tisch sitzen, fordert Lohde. „Wir wollen rechtzeitig ein Signal geben, dass wir mitmachen.“ Das Ansinnen sieht Seifert positiv. „Es macht keinen Sinn, Leihräder auf eine Kommune zu beschränken. Sonst entsteht ein Fleckerlteppich.“ (Ingrid Zeilinger)

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