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Der alte Friedhof in Bruck: Auch hier könnten Grabsteine stehen, die von Kindern bearbeitet wurden. 

Umstrittene Regelung

Stadt verbietet Grabsteine aus Kinderarbeit

Fürstenfeldbruck - Grabsteine, die in Kinderarbeit gefertigt wurden? Die Stadt verbietet nun, dass solche auf den beiden örtlichen Friedhöfen aufgestellt werden. Das Problem: Woher die Steine wirklich kommen, ist schwer nachzuweisen.

Das neue Verbot wird nun in der s genannten Friedhofssatzung verankert. Das beschloss der Stadtrat auf ursprünglichen Antrag der CSU. Anlass: Der Bayerische Landtag hat heuer einen entsprechenden Gesetzesentwurf verabschiedet. Darin wird den Kommunen das Recht zugestanden, entsprechende Verbote in ihre Friedhofs-Satzungen aufzunehmen. Vorher war das nicht möglich.

Weil importierte Steine aus Indien und Asien – wo Kinderarbeit in den Steinbrüchen an der Tagesordnung ist – meist billiger sind als europäische Produkte, werden sie laut Naturwerksteinverband gerne verwendet. Mindestens die Hälfte der Grabsteine auf deutschen Friedhöfen stamme aus Indien.

Doch woher weiß der Kunde, woher der Stein kommt? Genau das ist laut Verwaltung der Knackpunkt. Zwar müsse der Käufer ab sofort nachweisen, dass sein aufgestellter Grabstein aus Produktion ohne Kinderarbeit stammt. Doch letztlich gibt es dafür keine belastbaren Nachweise oder Zertifikate. Der jeweilige Verkäufer kann eine solche Herkunft etwa ganz einfach bescheinigen, ohne dass klar ist, ob wirklich alles sauber abgelaufen ist.

Hans Dillitzer, Steinmetz in Bruck, kennt die Problematik. Dennoch bestellt Dillitzer, der seine Steine hauptsächlich in der Oberpfalz bezieht, auch Importprodukte aus Indien. Er ist sich sicher, dass seine Steine nicht von Kindern gefertigt werden. „Wir haben ein Unternehmen im Ausland, von dem wir die Steine unter anderem beziehen. Chef ist dort ein deutscher Meister, der fünf bis sechs Mal im Jahr – teils unangekündigt – im Steinbruch auftaucht und sich umsieht. Von ihm bekommen wir dann auch ein Zertifikat.“

Steinmetz Bernhard Wolf, der bei Natursteine Eibl tätig ist, sieht in den Zertifizierungen ein Problem. „Die Tatsache, dass dieses Gesetz so schwammig ist, hinterlässt einen faden Beigeschmack.“ Er kritisiert, dass es am Ende offenbleibe, wer – der Steinmetz, Händler oder ein Dritter – das Zertifikat ausgestellt habe und unter welchen Umständen. Wichtig sei nur, dass man dem Friedhofsträger einen Schrieb aushändigen könne – falls der diesen überhaupt verlangt, was er nicht zwingend muss.

Natursteine Eibl beziehe seine Materialien zum größten Teil aus Europa. In Brasilien und Indien bestelle man nur Steine in Rohform. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kinder die großen Steinblöcke mit einem Presslufthammer bearbeitet haben.“

Auch die Friedhofsverwaltung sieht die neue Regelung kritisch. Stephan Zenk fragte: „Was bringt uns ein Nachweis, der uns nichts sagt?“ Der Bayerische Landtag habe damit ein „Wohlfühl-“ oder „Placebo-Gesetz“ verabschiedet, meinte Rechtsamtsleiter Christian Kieser. Herwig Bahner (CSU) sagte, die Politiker sollten lieber auf Bundesebene tätig werden.

Die Stadträte hingegen meinten, es sei wichtig, ein Signal zu setzen. „Wir brauchen ein klares Zeichen“, sagte Axel Lämmle (SPD). Dass die Beweisführung für die Verwaltung schwierig sei, wisse man und erwarte auch keine Wunderdinge, so der amtierende Bürgermeister Erich Raff (CSU): „Niemand wird in Indien recherchieren.“ Viele Stadträte erhoffen sich auch, dass die Bürger auf diese kaum bekannte Problematik aufmerksam werden.

Zusätzlich in die neue Satzung kommt das bereits besprochene Film- und Fotografierverbot. Videos aufzunehmen und Knipsen ist nur noch zu privaten Zwecken erlaubt. Für eine Aufnahme des Friedhofs insgesamt kann eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden, solang keine Gräber-Inschriften erkennbar sind. Die Stadt folgt mit den Regeln vielen anderen Kommunen, in denen ein solches Verbot bereits seit längerem existiert. (fd/md)

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