Wo alles begann: Das Wasserkraftwerk in Schöngeising.

Kommunalunternehmen besteht seit 125 Jahren

Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck - eine Erfolgsgeschichte

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Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck feierten im Jahr 2017 ihr 125-jähriges Bestehen. Der Versorger hat heute tausende von Kunden in der Region. Besonders stolz sind die Stadtwerke auf ihre vielen Pionierleistungen. 

Oskar von Miller

Fürstenfeldbruck – Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck sind ein Meilenstein in der Geschichte Fürstenfeldbrucks. Doch begann deren Historie im Jahr 1892 äußerst denkwürdig. Als ihr Gründungsvater, der berühmte Oskar von Miller, auf dem Marktplatz gerade die Eröffnungsrede zur Einführung des elektrischen Lichts hielt, fiel auf dem gesamten Platz der Strom aus. Auch per Telefon war das Kraftwerk nicht erreichbar. Sollte es tatsächlich in die Luft geflogen sein, wie Kritiker der Idee prophezeit hatten?

Zum Glück hatte der erste Stromausfalls der Geschichte im Landkreis Fürstenfeldbruck einen banaleren Ursprung. Die Arbeitskräfte des Kraftwerks waren zur Feier der Eröffnung ins Wirtshaus gegangen. 

So weit die gesicherten Erkenntnisse. Hier beginnt die Legende. Angeblich ließ man einen Monteur zurück, der die Anlage überwachen sollte. Doch diesem war so langweilig, dass er das große Ereignis alleine zelebrierte. Wenig später wurde der berauschte Monteur vom Schlaf übermannt. Ihm entging , dass ein Treibriemen aus der Führung gerutscht war. Auch das Telefon klingelte ungehört. Als die anderen Arbeiter am Werk eintrafen, behoben sie den Schaden und brachten den schlafenden Monteur nach Hause. Ob dieser Teil der Geschichte tatsächlich so passierte, ist unklar. Sicher ist, dass am Ende auch am Marktplatz die Lichter wieder leuchteten.

 Ursprünglich ging es gar nicht um Strom

Die Geschichte interessanter Entwicklungen um die Stadtwerke Fürstenfeldbruck beginnt allerdings noch früher. Strom war für die Verantwortlichen zunächst nämlich nur Nebensache. Als Oskar von Miller vor 125 Jahren in Schöngeising sein Wasserkraftwerk errichtete, ging es den Verantwortlichen eigentlich darum, die Brucker mit fließendem Wasser zu versorgen. Schon im Januar 1890 ließen die Brucker überprüfen, ob die Jexhofer Quellen Fürstenfeldbruck mit fließend Wasser versorgen können. Der Höhenunterschied reichte aber nicht aus, um den nötigen Wasserdruck zu liefern. Oberbaurath Scheidenmantel arbeitete einen Plan aus, mit dem das Wasser nach Fürstenfeldbruck gepumpt werden konnte. 

Die dafür benötigten Anlagen sollten mit Dampf oder Elektrizität angetrieben werden. Dem Magistrat waren beide Optionen zunächst zu teuer und er ließ das Projekt wieder einschlafen. Dieser Entschluss hielt allerdings nicht lange. Schon im Mai 1891 wurde in einer Sitzung explizit über die Einführung von fließend Wasser und elektrischer Beleuchtung diskutiert. Wahrscheinlich hatten der Zeitgeist und die beginnende Begeisterung für Strom zu dem Umdenken geführt. 

Mühle wird abgerissen, das erste Kraftwerk entsteht

Auch wenn damals noch die Option zur Debatte stand, das Wasser mit Hilfe von Dampfmaschinen in die Häuser zu pumpen, entschied man sich schließlich für den Entwurf Oskar von Millers, der weit über die ursprüngliche Zielsetzung des Magistrats hinausging. Für insgesamt 270000 Mark wurde die alte Mühle in Schöngeising abgerissen und an ihrer Stelle ein Kraftwerk errichtet. 

Das neue Kraftwerk nutzte den gesamten Lauf der Amper und erzeugte 200 PS, von den in der ersten Ausbaustufe 120 PS für das Konsumgebiet Fürstenfeldbruck zur Verfügung gestellt wurden. Die zwei Wechselstrommaschinen erzeugten je 38000 Watt bei 2600 Volt. Mit ein Gesamtleistung von 76 kW gehörte das Schöngeisinger Kraftwerk zu den kleineren Anlagen in Deutschland. Dennoch war das Kraftwerk groß genug, um auch die Brucker Wirtschaft und Bevölkerung mit Strom zu versorgen.

Der erste Strom kommt nach Bruck

Eine sieben Kilometer lange Freileitung führte den Strom in die Stadt. Dort konnten die Menschen die neue Erfindung überraschend günstig einkaufen. Der Betrieb einer Straßenlampe kostete nur 0,8 Pfennig pro Stunde, was in etwa auch dem Preis für den Einsatz einer Haushaltslampe entsprach. Miller gewann die Bevölkerung mit einem günstigen Pauschaltarif für sein Netz. Ein Handwerker konnte einen Elektromotor mit einer Leistung von einer Pferdestärke für nur eine Mark pro Tag betreiben. Nur ein Jahr später waren schon Elektromotoren mit insgesamt 21 PS an das Netz angeschlossen, bis 1897 steigerte sich die Leistung auf 37 PS.

Durch den billigen Strom für Handwerker förderte Miller auch die Wirtschaft. „Strom ist die edelste Energieform“, erklärt Andreas Wohlmann von den Stadtkwerken. „Früher musste man Industriebetriebe an große Flüsse bauen, um die Anlagen antreiben zu können. Jetzt war man plötzlich standortunabhängig. Das machte viele Betriebe erst möglich.“

Andere Unternehmen konnten durch die Mechanisierung, die der Strom zuließ, mehr produzieren. Vom kommunalen zum flächendeckenden Stromversorger 1911 wuchsen die Stadtwerke mit der Bildung der „Überlandzentrale Fürstenfeldbruck“ vom kommunalen zum flächendeckenden Stromversorger. Durch die zunehmende Elektrifizierung war auch die flächendeckende Versorgung ländlicherer Gebiete rentabel geworden. Oskar von Miller hatte diesen Trend bereits beim Bau des Kraftwerks vorhergesehen. Mit einer Auslegung für drei Turbinen war das Projekt für den Bedarf Fürstenfeldbrucks eigentlich überdimensioniert, bot aber noch genügend Luft, um weitere Gebiete in das Netz zu integrieren. Diese Weitsicht machte sich nun bezahlt. Ein günstiger Einstiegstarif überzeugte viele Haushalte zum Umstieg auf elektrischen Strom. Dennoch blieb der Verbrauch zunächst hinter den Erwartungen zurück. 

Es werde Licht

Die Haushalte nutzten den Strom vor allem für Licht. Elektrische Heizung oder das Kochen mit Strom kannte fast niemand. Große Industriebetriebe gab es im Landkreis nicht, die Landwirtschaft setzte kaum auf Strom. Dazu trug auch der relativ hohe Strompreis bei, der entgegen dem deutschen Trend nicht gesunken war. Dennoch ließen sich immer mehr Gemeinden an das Überlandnetz anschließen. Um dem steigenden Strombedarf gerecht zu werden, erweiterten die Stadtwerke ihre Kapazität. Obwohl der erste Weltkrieg die Expansionsmöglichkeiten der Stadtwerke begrenzte, entwarfen die Verantwortlichen die nötigen Pläne, um nach Kriegsende sofort loslegen zu können. 

Im ersten Jahr nach Kriegsende begann man sofort mit der Modernisierung. 1924 ging das neu gebaute Walchenseekraftwerk ans Netz, das Kraftwerke in der Aumühle wurde 1928 angekauft. Auch die Elektrifizierung nahm in dieser Zeit zu. Von 1913 bis 1925 wuchs die Zahl der ans Netz angeschlossenen Einwohner um 19 Prozent, der Stromverbrauch verdreifachte sich aber von 900000 kWh auf 2700000 kWh. Bis 1930 stieg der Verbrauch auf 5700000 kWh. Zum 40-jährigen Bestehen im Jahr 1931 (man feierte den Baubeginn des Kraftwerks, nicht dessen Fertigstellung) feierten die Stadtwerke ihre „goldene Zeit.“ Zu diesem Zeitpunkt wurden im Einzugsgebiet 25450 Lampen, 2348 Motoren, 2400 Haushaltsgeräte, zwei Elektrokessel zur Warmwasserfernheizung, fünf elektrische Backöfen, rund 50 elektrische Herde, drei elektrische Setzmaschinen, zwei 2 Großküchen für 100 und 50 Personen, eine  Großwaschanstalt, eine  Gleichrichteranlage mit 50 Kilowatt und vier Synchronmotoren mit insgesamt 180 PS betrieben.

Auch die Wasserversorgung wächst

Obwohl die Stromversorgung zunächst das Stiefkind der Stadtwerke gewesen war, stand sie lange Zeit im Mittelpunkt. Die öffentliche Wasserversorgung war durch die zahlreich vorhandenen Brunnen und eine Privatleitung nicht so essentiell für die Stadt wie die Versorgung mit Strom, die nur durch das Kraftwerk sicher gestellt werden konnte. Dennoch wuchs auch die Wasserversorgung rasant. Bis 1931 entstanden drei Werke um Fürstenfeldbruck mit einer maximalen Förderungsleistung von 35 Litern pro Sekunde. Das Wasserrohrnetz wuchs auf 17,2 Kilometer.

Der Nationalsozialismus bringt Stagnation und Abschwung

Mit dem dritten Reich begann eine Zeit der Stagnation und des Abschwungs. Die neuen Machthaber setzten zwar auf Strom, um die Fortschrittlichkeit Ihrer Idee zu zeigen, sahen kleinere Stadtwerke aber als Hemmnis für die Kriegsindustrie. Außerdem wurden nach Kriegsbeginn alle verfügbaren Ressourcen in die Kriegsindustrie investiert. Den Stadtwerken fehlten die Möglichkeiten zum Ausbau ihrer Kapazitäten. Zwischen 1931 und 1945 blieb die von den Stadtwerken erzeugte Strommenge in etwa gleich. Mit einer Durchschnittswert von 5,2 Millionen Kilowattstunden musste immer mehr Strom von Außen eingekauft werden. 

Ab 1938 wurde diese Entwicklung besonders dramatisch. In diesem Jahr kauften die Stadtwerke 13,1 Prozent des benötigten Stroms von den Amperwerken an. 1945 waren es bereits 40 Prozent. Die Kosten für den Stromeinkauf stiegen um 3800 Prozent von 4000 Reichsmark auf 150000 Reichsmark, was die Wirtschaftlichkeit senkte. Gleichzeitig versuchte die Stadt Fürstenfeldbruck immer mehr Gewinn von den Stadtwerken abzuschöpfen. Die Kombination beider Einflüsse ließ die Phase der Stagnation bei den Stadtwerken ab Mitte der 30er-Jahre in eine Rezession umschlagen. Doch damit waren die Probleme der Stadtwerke während der NS-Zeit nicht vorbei. In den 1920er Jahren, 1930 und 1940 trat die Amper mehrfach stark über die Ufer. Weite Teile der Bevölkerung gaben den Staudämmen der Stadtwerke eine Mitschuld. Die nationalsozialistische Presse sprang teilweise auf den Zug auf. Sie stellte die Entwicklung als jüdische Verschwörung da, was die Situation weiter aufheizte. Viele Anzeigen gingen ein, die dank der zu allgemein formulierten Anschuldigen jedoch ohne rechtliche Konsequenzen blieben. 

1945 bis 1992: Vom Erzeugerwerk zum Dienstleistungsbetrieb 

Die Stadt Fürstenfeldbruck blieb weitgehend von Fliegerangriffen verschont. Das lag wohl an der fehlenden Rüstungs- und Schwerindustrie im Umland, nützte aber auch den Stadtwerken. Die Infrastruktur überstand den Krieg weitgehend unbeschadet, auch weil mutige Bürger an vielen Stellen die Sprengung von Brücken und anderen Bauwerken verhinderten. 

Das Freibad. Hier bei der Eröffnung der Saison 2015

Dennoch standen die Stadtwerke vor großen Herausforderungen. Die Rückstände aus der Zeit des Nationalsozialismus waren groß, die Stromnachfrage stieg weiter und der strenge Winter von 1946/47 machte den Bedarf nach elektrischer Wärme noch überlebenswichtiger. Klassische Heizmaterialien wie Holz waren knapp. Der Zustrom an Ostflüchtlingen ließ die Bevölkerung anwachsen und damit auch den Energiebedarf. Gleichzeitig entfiel durch die Spaltung in Ost und West die Option, Strom aus Mitteldeutschland hinzuzukaufen und damit 200 Megawatt an Leistung, die die bayerrischen Stromlieferanten aus der Region eingekauft hatten. 

Lob für Selbsthilfe und Selbstvertrauen

Das aktuelle Stadtwerke-Areal. Rechts die Aumühle mit der Stadtbibliothek

Diesen Herausforderungen konnte nur mit Stromabschaltungen beigekommen werden. Bis zu 27 Stunden pro Woche mussten die Menschen im Einzugsgebiet auf Strom verzichten, Industriefeiertage wurden eingeführt. Die Eigenerzeugung konnte nur noch rund ein Drittel des Strombedarf decken. Um dem gesteigerten Strombedarf decken zu können, wurde das Wasserkraftwerk Obermühle erweitert. In der größten Baumaßnahme seit der Gründung der Stadtwerke wurde die Amper höher aufgestaut und neue Kanäle angelegt. Die Jahreserzeugung verdreifachte sich fast. Der damalige Regierungsdirektor Dr. Knorr, Vertreter der obersten Baubehörde, lobte „das neue Obermühlen-Kraftwerk in Fürstenfeldbruck“ als „ein Beispiel dafür. was man mit Selbsthilfe und Selbstvertrauen, mit Wagemut, Zähigkeit und Fleiß auch in schwierigen Zeiten zu schaffen vermag.“ Direktor Leininger, der Vorsitzende des Verbands der Bayrischen Elektrizitätswerke, lobte die Pionierarbeit der Fürstenfeldbrucker. „Wiederum ist es die Stadt Fürstenfeldbruck, die das erste bayrische Werk in Betrieb setzt.“ Das neue Werk leistete einen entscheidenden Beitrag zu Energiesicherung im Einzugsbereich. Dennoch reichte die gesteigerte Leistung nicht aus, um den weiter wachsenden Bedarf in ausreichenden Teilen zu decken. Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck hatten sich vom Erzeugungs- zum Verteilerbetrieb gewandelt. Auch die Wasserversorgung musste in der Nachkriegszeit ausgebaut werden. 

Die wachsende Bevölkerung und der Wirtschaftsaufschwung ließen den Wasserbedarf sprunghaft ansteigen. Von 1940 bis 1957 verdoppelte er sich fast. Drei neue Brunnen mit einer Förderleistung von je 30 Litern pro Sekunde sicherten die Wasserversorgung der Stadt für die nächsten 25 Jahre. Die Aufgabenbereiche der Stadtwerke schlossen im Laufe ihrer langen Geschichte auch andere, heute meist vergessene Tätigkeitsfelder ein. Nach 1945 gehörten beispielsweise auch Mühlen- und Sägewerkbetreibe zu den Stadtwerken. Der Betrieb in der Aumühle, der heutigen Stadtbibliothek, wurde allerdings bereits 1956 wieder eingestellt. 

Das Wirtschaftswunder

Außerdem unterhielten die Stadtwerke zeitweise eine Fernheizanlage in der Innenstadt sowie den städtischen Schlachthof und das städtische Warmbad auf der Lände. Nach dem Krieg kam auch das Altersheim „Bürgerheim“ hinzu. Das Wirtschaftswunder führte zur Vollelektrifizierung. Die Menschen wünschten sich einen höheren Lebensstandard und kauften Fernseher, Kühlschränke und andere Haushaltsgegenstände, die den Strombedarf in die Höhe trieben. Diesen Anforderungen mussten die Stadtwerke gerecht werden ohne dabei zu stark in die Umwelt einzugreifen. Dieser Spagat gelang ihnen. Zwar steigerte sich die Bruttostromerzeugung von 1976 bis 1988 um mehr als die Hälfte, der Schwefeloxidausstoß reduzierte sich gleichzeitig aber um mehr als 95 Prozent. Die Kernenergie leistete einen entscheidenden Beitrag zu diesem Erfolg, aber auch schadstoffärmere Kohle und der Einsatz von Entschwefelungsanlagen. Ende der 50er bis Mitte der 60er stellten die Stadtwerke die Ortsnetze Stück für Stück von 110 Volt auf 220 Volt um. Um der Bevölkerung den Umstieg zu erleichtern, tauschte man die Glühbirnen der Bevölkerung kostenlos um. Auch Bügeleisen wurden kostenlos umgerüstet.

 Anschluss an das Verbundnetz 

Für die Umstellung der Stadtwerke zum Dienstleistungsbetrieb war das Jahr 1969 entscheidend. Mit dem Bau mehrere Umspannwerke schlossen sich die Stadtwerke an das Verbundnetz an. 1971 ging das Umspannwerk in Fürstenfeldbruck-Puch ans Netz. Wegen zahlreicher Einsprüche verschiedener Seiten verschob sich die Inbetriebnahme der zweiten Umspannanlage in Zankenhausen/Türkenfeld bis Juni 1992. In der Zwischenzeit wurden die Gefahren einer einseitig eingespeisten Überlandsversorgungen deutlich. Bei der Schneekatastrophe im April 1980, der schwersten in der Geschichte der Stadtwerke, hatte die Schneelast einige Masten beschädigt. Einige Ortschaften konnten tagelang nicht mit Strom versorgt werden. Mitte 70er-Jahre kam den Stadtwerken Fürstenfeldbruck wieder einmal eine Vorreiterrolle zu, dieses Mal in der elektronischen Datenverarbeitung. Der Umweltschutz und das gestiegene Bedürfnis der Bevölkerung nach Transparenz verlangten einen höheren Personaleinsatz. Da die Mittel der Stadtwerke aber nicht für größere Neuanstellungen ausreichten, musste das vorhandene Personal effizienter genutzt werden. Zu diesem Zweck stellte man das 1963 eingeführte Lochkartensystem 1975 stellte auf ein Bildschirmsystem um. Dieses war damals das erste seiner Art in Süddeutschland, was landesweit Aufsehen erregte.

 Die Stadtwerke als Vorreiter der Energiewende 

Geschäftsführer Steffens mit Vertriebsleiter Andreas Wohlman und dem E-Mitsubishi.

Mitte der 80er Jahre erhielten die Stadtwerke neue Aufgaben. Zusätzlich zu bestehenden Geschäftsfeldern standen nun auch der Aufbau einer Fernwärmeversorgung, Beiträge zum Umweltschutz, etwa durch Fotovoltaikanlagen, die Errichtung von Blockheizkraftwerken und die Übernahme weiterer Aufgaben der Daseinsvorsorge im Mittelpunkt. „Ursprung und Motiv unseres Unternehmens bestehen darin, den Menschen das Leben und Arbeiten zu ermöglichen. Das ist eine sehr schöne Aufgabe“, meint Geschäftsführer Enno Steffens auch noch heute. Zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 1992 schafften die Stadtwerke Fürstenfeldbrucker das erste Elektrofahrzeug an - einen Skoda, der über eine Fotovoltaikanlage mit Strom versorgt wurde. 

Diese Anschaffung war symbolisch für die Entwicklung der Brucker Stromversorger über die folgenden 25 Jahre bis heute. „Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck waren einer der ersten Versorge, die Photovoltaikanlagen subventionierten“, berichtet Steffens. Diese Bemühungen waren erfolgreich. Neben einer Solaranlage für das Dach der Grund- und Hauptschule Türkenfeld entstanden im ganzen Einzugsgebiet ähnliche Anlagen. Im Jahr 2003 nahm das Netz der Stadtwerke bundesweit eine Spitzenposition bei Fotovoltaikanlagen ein. 279 Anlagen mit einer Leistung von 1477 kWp speisten mehr als 1,1 Millionen Kilowattstunden in das Netz der Stadtwerke ein. Neben der Förderung privater Projekte setzten die Stadtwerke auch auf eigene Anlagen. Die Photovoltaikanlage in Moorenweis mit einer Leistung von 8,5 Megawatt ging 2008 in Betrieb. 

Die beiden Windräder

Die beiden Windräder, von Egg bei Mammendorf aus gesehen.

2014 kam die 186 Meter hohe Windkraftanlage zwischen Mammendorf und Eitelsried dazu, die erste Windkraftanlage im Einzugsgebiet. Sie erzeugt Strom für etwa 2000 Haushalte im Jahr, die Stadtwerke sind damit auch ein Einspeiser von Ökostrom. Ein Jahr später folgte ein baugleiches Windrad in Malching. Ein drittes Rad wurde juristisch verhindert: Es hätte, so fanden die Richter, den Blick auf die Denkmalgeschützte Kirche in Puch beeinträchtigt. 

Mit diesen Maßnahmen sind die Stadtwerke auf einem guten Weg, ihr selbst gestecktes Ziel zu erreichen, die Energiewende in und um Fürstenfeldbruck bis 2030 zu realisieren. Vertriebsleiter Andreas Wohlmann sieht die Entwicklung allerdings noch lange nicht am Ende. „Es ist ein wenig schade, dass wir nicht ganz so viele Anlagen bauen konnten, wie wir wollten. Aber wir bleiben optimistisch für die Zukunft.“ 

Im Februar 2018 konnten die Stadtwerke wieder einen Windrad-Erfolg melden. Der Ertrag der Anlagen konnte erneut gesteigert werden.

Das Beratungszentrum

Eindruck vom Bau des ersten Windrads

Mit der Eröffnung des Energieberatungszentrums bewiesen die Stadtwerke wieder Weitsicht. Auf rund 100 Quadratmetern konnten Kunden ab 1997 Hilfe bei Fragen rund um die Energieversorgung einholen. 

Damit legten die Fürstenfeldbrucker Stadtwerke den Grundstein für eine der größten Herausforderungen ihrer Geschichte - die Liberalisierung der Strommärkte. 1998 beschloss die Bundesregierung, dass die Menschen den ihren Stromanbieter von nun an selbst wählen dürfen. Dadurch wurden die stillen Abnehmer zu Kunden, die gegenüber ihrem Stromanbieter eine gewisse Macht besaßen. Die Stadtwerke reagierten auf diese Entwicklung mit einem restrukturierten Preismodell. Der Sondertarif 12/24 lieferte für einen Grundpreis von zwölf DM die Kilowattstunde für 24 Pfennig. „Wir wollten einen Sondertarif schaffen, der sowohl für kleine als auch für große Stromverbräuche geeignet ist,“ berichtet Wohlmann. „Das war der Beginn der individuellen, den Bedürfnissen der Kunden angepasstem Produktentwicklung.“

Die Stromversorgung

Die Stadtwerke sind heute ein wichtiger Stromanbieter in der Region. Sie bieten eine standardgemäße Grundversorgung. Bei einem neuen Anschluss fließt der Strom sofort. Es handelt sich um 100 Prozent Ökostrom. Das Netzgebiet der Stadtwerke erstreckt sich über weite Teile des Landkreises Fürstenfeldbruck (so über die Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf, aber auch über die VG Grafrath) und auf Orte im Kreis Landsberg. Im Einzelnen sind das Alling, Gilching, Fürstenfeldbruck, Schöngeising, Wörthsee, Grafrath, Inning, Landsberied, Mammendorf, Hattenhofen, Althegnenberg, Adelshofen, Jesenwang, Kottgeisering, Eching, Türkenfeld, Greifenberg, Windach, Eresing, Geltendorf und Moorenweis. Die Strompreise werden regelmäßig angepasst. Die Stadtwerke erreichen damit rund 80 000 Einwohner.

Die interne Organisation

Auch die interne Organisation der Stadtwerke musste den neuen Anforderungen gerecht werden. Da Kunden nun nach Belieben den Anbieter wechseln konnten, mussten die Stadtwerke wie viel Verbraucher zu welcher Zeit ihren Strom benötigten. Vertriebsleiter Andreas Wohlmann ist stolz auf die Lösung, die man für dieses Problem fand. „Die Einführung der Stromprognose war richtungsweisend für die Stadtwerke. Ein so komplexes Projekt im bundesweiten Vergleich frühzeitig umzusetzen war eine enorme Leistung.“ Durch diese Anstrengungen schafften es die Stadtwerke als eigenständiges Unternehmen zu überleben. Nach der Liberalisierung der Energiemärkte waren viele Experten davon ausgegangen, dass kleine Versorger vom Markt verschwinden werden. Entgegen dieser Erwartung schafften es die Stadtwerke Fürstenfeldbruck, gestärkt aus dieser Veränderung hervorzugehen. Die Anstrengungen der Stadtwerke, sowohl in der Energiewende als auch in der Kundenarbeit wurden honoriert. 

2015 erhielten die Stadtwerke gleich bei der ersten Teilnahme die Auszeichnung zum TOP-Lokalversorger. Im Mittelpunkt der Untersuchung des unabhängigen, von der Stiftung Warentest geprüften Verbraucherportals ist das Angebot von Energieversorgern. Wesentliches Kriterium ist der Preis, der mit 80 Prozent in die Wertung eingeht. Dazu spielen auch die gesellschaftliche Verantwortung und das ökologische Engagement eine wichtige Rolle. Die Arbeit mit den Kunden wird auch in der Zukunft eine der Prioritäten der Stadtwerke sein. Vertriebsleiter Andreas Wohlmann bemerkt: „Der Energiemarkt wird immer komplexer. Wir wollen diese Komplexität abfangen und den Kunden trotzdem ein einfaches Produkt zur Verfügung stellen, dass allen Ansprüchen genügt.“ 

Im Sinne dieses Anliegens erhalten seit dem 1. Januar 2017 erhalten alle Abnehmer im Einzugsgebiet der Stadtwerke 100 Prozent Ökostrom ohne Aufpreis. 85 Prozent der Verbraucher hatten sich das bei einer Umfrage so gewünscht. Der Strom stammt aus klimafreundlichen Anlagen in der Alpenregion und aus der MVA in Geiselbullach. Dadurch schließt sich der Kreis in der Geschichte der Stadtwerke, die vor 125 Jahren mit sauberem Strom aus der Wasserkraftanlage in Schöngeising begann. Für die Zukunft hat Steffens klare Ziele: „Die Dekarbonisierung und die Energiewende bleiben auch für die nächsten 25 Jahre unsere größte Aufgabe. Dazu kommt der demografische Wandel. Eine sich ändernde Bevölkerung stellt auch andere Anforderungen an die Stadtwerke. Schließlich wollen wir jungen Menschen einen sinnvollen Arbeitsplatz bieten.“ Dazu gehöre es, die Kommunikation, die Prozesse und den persönlichen Kundenkontakt deutlich zu verbessern. „Natürlich stellt auch die Elektromobilität große Herausforderungen. Sie wird wohl zu einem deutlich höheren Strombedarf führen. Diesen wollen wir umweltverträglich bedienen.“

Wärmeversorgung

Die Stadtwerke unterhalten in der Stadt Fürstenfeldbruck auch ein Fernwärmentz. Das Netz in der Innenstadt wird vom Kraftwerk auf der Lände versorgt - die Wärme entsteht in Gas-Blockheizkraftwerken und Gas- respektive Ölkesseln.

Die Energie für das Netz im Westen entsteht in der Energiezentrale Fürstenfeldbruck-West. Hier stehen Biomassekessel, Gas-Blockheizkraftwerke und auch Gas- sowie Ölkessel. Die Stadtwerke sind damit ein wichtiger lokaler Energieversorger.

Steffens mit einem Modell des Neubaus.


Derzeit steht den Stadtwerken ein großes Projekt ins Haus: Sie bauen einen neuen Sitz an der Cerveteristraße. Der historische Standort in der Brucker Stadtmitte wird aufgegeben. Grund war letztlich der Raummangel. Nachdem der Stadtrat mehrheitlich für den Umzug votiert hatte, kam es nach der Kommunalwahl 2014 - OB Pleil kam neu ins Amt - zu erneuten Debatten, da Pleil den Innenstadt-Standort favorisierte. Letztlich blieb es aber beim Umzugsvotum.

Zu den Aufgaben gehört auch der Betrieb der Amperoase, eines Schwimmbads mit Saunabereich und Freibad für den Sommer. Außerdem betreiben die Stadtwerke ein Eisstadion, dessen fehlende Überwachung seit Jahren für teils erbitterte Debatten sorgt. 

Einen großen Publikumserfolg erzielten die Stadtwerke im Jahr 2017, als siein der Amperoase erstmals einen Tag für Hunde anboten. Für große Diskussionen seit vielen Jahren, verstärkt wieder seit Ende 2017, sorgt die Tatsache, dass das Eisstadion an der Amperoase über kein Dach verfügt. Das Eis ist damit sehr instabil und allen Witterungseinflüssen ausgesetzt. Für den Eishockeyverein Fürstenfeldbruck (EVF) ist es damit sehr schwierig, Trainings- und Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Nach einer größeren Protestaktion der Eishackler scheint im Jahr 2018 Bewegung in die Angelegenheit zu kommen. Seit dem Jahr 2017 betreiben die Stadtwerke einen eigenen Auftritt in dem Internet-Netzwerk Facebook.

Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck in Zahlen:


Mitarbeiter

139 (Stand 2016)

Azubis

8

Anlagen zur Stromerzeugung

19

Länge des Leitungsnetzes

1834 Kilometer

Größe des direkt versorgten Netzgebietes

38 Quadratkilometer

Stromabsatz (per a)

206 Millionen kWh

Trinkwasserförderung (per a)

2,5 Millionen Kubikmeter

Länge des Rohrnetzes 

194 Kilometer

Wärmeerzeugung (per a)

51,3 Millionen kWh

Besucher Hallen- und Freibad (per a)

250 477

Besucher Sauna (per a)

53 723

Besucher Eisstadion (per a)

39 233

Angeschlossene Einwohner (Stromnetz)

ca. 80 000

Christian Masengarb

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