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Besucher der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora  während einer Führung anlässlich des "Tages des Offenen Denkmals" am 8.9.2013 bei Nordhausen (Thüringen). Wernher von Braun war für das Lager mitverantwortlich.

Bürgerwille?

Straßennamen: Alles zurück auf Anfang

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Fürstenfeldbruck – Sollen sie umbenannt werden oder nicht? Der Stadtrat hat in puncto Langbehnstraße und Co. wieder keine Entscheidung getroffen. Stattdessen fangen die Diskussionen von vorne an.

Eigentlich hätte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung über die Umbenennung der fraglichen Straßennamen (etwa Wernher-von-Braun) entscheiden sollen. Doch das Gremium verwies die Diskussion wieder an den Anfang, sprich in den Arbeitskreis. Die ehrenamtlichen Mitglieder – unter ihnen Stadträte und Bürger – sollen sich jetzt einigen: Welche Namen müssen weg? Wie soll die Straße alternativ heißen? Welche Namen dürfen bleiben, obwohl sie mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht werden? Welche Schilder bekommen eine Zusatztafel, auf der die Geschichte des Namensgebers erläutert wird? Erst dann ist der Kulturausschuss wieder am Zug, danach noch einmal der Stadtrat. „Das Thema ist so komplex, es ist den Bürgern gegenüber nur fair, dass es noch einmal durchgesprochen wird“, sagte etwa Historikerin Birgitta Klemenz (CSU), die bisher intensiv in den Prozess eingebunden war. Auch Franz Neuhierl (FW) meinte: „Wir haben den Bürgern versprochen, dass ihre Meinung einfließt.“

Generell zeichnete sich im Gremium jetzt im Gegensatz zu einigen Vorberatungen die Tendenz ab, dem Willen der Anwohner stattzugeben. Diese hatten sich vehement gegen eine Umbenennung gewehrt. Bei einzeln abgehaltenen Info-Veranstaltungen machten einige nicht nur den Stadträten, sondern auch dem mit dem Thema betrauten Archivar Gerhard Neumeier den Vorwurf, schlecht informiert zu sein. Viele verteidigten die Namensgeber der Straßen, in der sie wohnen, und beklagten sich über Folgekosten, die durch die Umbenennung entstehen.

Klaus Quinten (BBV) zitierte in diesem Zuge Franz Josef Strauß: „Wenn die Bürger etwas ums Verrecken nicht wollen, soll man es nicht machen.“ Die BBV spreche sich für die Option aus, die Namen zu belassen und die Schilder mit erklärenden Tafeln zu versehen. CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Lohde: „Wir dürfen den Bürgerwillen nicht nur berücksichtigen, wenn er uns passt.“ Es sei gut, dass die neuen Anregungen der Bürger berücksichtigt würden.

Andreas Ströhle (Piraten) machte sich zum wiederholten Mal für die Umwidmung der Straßen stark. „Das ist ein guter Kompromiss. Wir widmen die Straßen einfach Namensvettern und alle sind zufrieden.“ In einigen Fällen gebe es andere bekannte Persönlichkeiten, auf die man verweisen könne. Außerdem erklärte er, wie Karin Geißler (Grüne) auch, dass der „Bürgerwille“ momentan nur ein Anwohnerwille sei. Und er zeigte sich skeptisch gegenüber der Tafel-Lösung: „Was wollen wir da drauf schreiben?“ Das und die restlichen Fragen soll nun der Arbeitskreis diskutieren.

Kommentar

Die Diskussion über die Umbenennung der Straßennamen ist nicht nur abendfüllend. Man könnte wissenschaftliche Abhandlungen über das Thema schreiben – mehrere. Die Frage ist: Würde man am Ende zu einem eindeutigen Ergebnis kommen? Oder bleibt einfach immer ein „aber“? Mal davon ausgegangen, letzteres wäre der Fall: Warum gehen Stadt und Anwohner nicht – wie von Andreas Ströhle vorgeschlagen – den Weg des geringeren Widerstandes und widmen zumindest die Straßen um, bei denen es möglich ist? Dann ehrt das Schild eben einen anderen Herrn Kögel, was soll’s? Oder hängen die Bewohner an den Namensgebern, die doch mindestens von einem Blickwinkel aus betrachtet fraglich erscheinen? Statt die Angelegenheit tot zu diskutieren, könnte man diese Option zumindest einmal in Erwägung ziehen.

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