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Neues EU-Verbot: Nächster herber Rückschlag für Tätowierer - „Mordspanik“ bei Kunden

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Von: Tobias Gehre

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Tattoo-Künstler Manfred Schwitzke verpasst einem seiner Kunden einen neuen Körperschmuck. Dass er die seit vielen Jahren genutzten Farben jetzt nicht mehr einsetzen darf, kann der Fürstenfeldbrucker nicht wirklich verstehen.
Tattoo-Künstler Manfred Schwitzke verpasst einem seiner Kunden einen neuen Körperschmuck. Dass er die seit vielen Jahren genutzten Farben jetzt nicht mehr einsetzen darf, kann der Fürstenfeldbrucker nicht wirklich verstehen. © Weber

In den letzten Jahren sind Farben beim Tätowieren immer beliebter geworden. Eine EU-Verordnung verbietet jetzt viele davon - für Inhaber von Tattoo-Studios ein herber Rückschlag.

Fürstenfeldbruck – Tattoos sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Schmückten sich einst höchstens Seefahrer oder Gang-Mitglieder mit der Kunst auf der Haut, schwören heute Millionen von Menschen in Deutschland auf Tätowierungen. Auch im Landkreis gibt es viele Tattoo-Studios. Die müssen nach den coronabedingten Einschränkungen jetzt aber den nächsten Rückschlag verkraften.

Nach Corona nächster Rückschlag für Tattoo-Studios: Neues Farb-Verbot

Grund ist die Anpassung der EU-Chemikalienverordnung REACH. Demnach sind seit diesem Jahr Tattoo-Farben mit bestimmten Konservierungs- oder Bindemitteln verboten. Sie könnten allergische Reaktionen auslösen, so die Begründung.

Bei Tattoo-Künstler Tim Straub aus Germering hat das Verbot bereits im Vorfeld für Umsatzeinbußen gesorgt. Viele, die sich ein farbiges Tattoo zulegen wollten, hätten erst einmal abgewartet. Andere Kunden, deren farbiges Haut-Kunstwerk schon begonnen wurde, müssten jetzt erst einmal mit einem halb fertigen Tattoo leben.

Die Fläschchen mit den Tätowier-Farben hat Tim Straub entsorgt – insgesamt rund 50 Stück. Bei einem Preis von je rund 15 Euro kommen so 700 Euro zusammen. Nach den Verlusten wegen des Corona-Lockdown sei das ein weiterer Rückschlag. Sobald es neue, zugelassene Farben gibt, will Straub diese testen. „Entweder auf Kunsthaut oder an mir selbst“, sagt der Tattoo-Künstler.

Farb-Verbot für Tätowierer löst „Mordspanik“ aus - Bürokratiewahnsinn

Bei Manfred Schwitzke aus Fürstenfeldbruck machen farbige Tattoos rund 30 Prozent seiner Arbeit aus. Die Nachricht vom Verbot der Farben habe bei Fans von Farbtattoos eine „Mordspanik“ ausgelöst. Deshalb hat Schwitzke, der sich den Künstlernamen Merlin verpasst hat, alle farbigen Hautbilder vor dem Verbot fertig gemacht. Dann hat auch er seine restlichen Farben weggeworfen.

Der 58-Jährige will ebenfalls auf neue, erlaubte Farben umsteigen. Doch die seien sehr schwer zu bekommen. Schwitzke hofft, bald welche zu erhalten. Von dem Verbot hält der Fürstenfeldbrucker recht wenig. „Die bisherigen Farben waren doch Jahrzehnte im Einsatz“, sagt er. Probleme habe es nicht gegeben. Schwitzke spricht von Bürokratiewahnsinn.

Farb-Verbot beim Tätowieren: „Wieder ein Knüppel zwischen die Beine geworfen“

Wie sein Germeringer Kollege kämpft auch er mit der Kombination aus Farbenverbot und Corona-Einbußen. Letztere beziffert Schwitzke auf rund 40 Prozent. „Und jetzt wird einem wieder ein Knüppel zwischen die Beine geworfen.“

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