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Kunst am Körper: In der Tenne des Veranstaltungsforums hat am Wochenende erstmals eine Tattoo-Convention stattgefunden.

Tattoo-Convention im Veranstaltungsforum in Fürstenfeldbruck

Hier stechen die Nadel-Künstler zu

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Tätowierungen als Körperschmuck sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Erstmals fand nun auch in Fürstenfeldbruck eine Tattoo-Convention statt. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit und ließen sich ihr Motiv stechen.

Fürstenfeldbruck„Es war einfach an der Zeit für eine Convention“, sagt Arafat vom Brucker Tattoo-Studio „Body Art by Arafat“, der die Messe in der Tenne des Veranstaltungsforums moderierte. Die Szene sei zu einer richtigen Industrie geworden. Das Wachstum der Szene bringe aber auch verschärfte Vorgaben mit sich. „Die Hygienevorschriften werden immer härter, die Studios sind fast besser kontrolliert als Ärzte – aber das ist auch gut so.“

Arafat hat die Spezialmesse organisiert

Der 56-jährige Arafat – natürlich ein Künstlername – betreibt selbst seit über 30 Jahren Tattoo-Studios; anfangs in München, später zusätzlich in Bruck und künftig auch in Abensberg (Landkreis Kelheim). „Tattoo ist längst kein Phänomen mehr“, sagt der Nadel-Künstler. Die Kunden kämen aus allen Bevölkerungsschichten – vom Gleisarbeiter über den Bänker bis hin zum Sportler.

Gut 100 internationale Tätowierer waren bei der Convention. Darunter auch einige regionale Studios. Der Dachauer Julian Nanko (17) ließ sich beispielsweise von Mario Weißsteiner vom Estinger Studio „Body Industrie“ sein erstes Motiv stechen: ein Totenkopf mit einem Auge darüber. „Das steht für meine Großeltern“, erzählt der junge Dachauer. Sein Opa habe auch Totenköpfe gemocht, seine Oma hatte ebenfalls ein Auge tätowiert. Der Schmerz beim Stechen sei erträglich. „Ich hatte es schlimmer erwartet.“

Bitte stillhalten: Mario Weißsteiner von einem Estinger Studio verpasst Julian Nanko (17) sein erstes Tattoo.

Weißsteiner findet es gut, dass Nanko sich Motive statt beispielsweise der Namen tätowieren lässt. „Namen und Daten sind eher schwierig“, sagt der 28-jährige Tätowierer. Oft sei die erste Frage, ob jemand an dem gestochenen Datum gestorben sei oder für wen der Name steht. „Man sollte lieber ein Motiv auswählen, das für die Person steht.“ Wichtig sei dabei vor allem, sich nicht reinreden zu lassen. „Man hat die Tätowierung schließlich sein ganzes Leben alleine.“

Christian Müller ist das Tätowieren schon gewohnt. An seinem Unterarm arbeitet Kevin Schilling.

Auch der Brucker Christian Müller (30) ließ sich mit 17 Jahren zum ersten Mal stechen. In der Tenne bekam er beim Brucker Studio „Headzone“ von Kevin  Schilling (30) bereits seine dritte Tätowierung. „Sich tätowieren zu lassen, ist echt ansteckend“, sagt der Brucker. Trotzdem gibt es Stellen, die sich Müller nicht stechen lassen würde: „Nicht im Gesicht und insbesondere nicht auf den Augenlidern.“ Auch die Handrücken hat Müller noch frei. „Dann kann man die Tattoos noch verbergen, wenn man ein Hemd trägt.“ Denn noch sähen viele den Körperschmuck kritisch.

Wie man einen guten Tätowierer findet, dafür hat Schilling einen wichtigen Tipp: „Man sollte auf jeden Fall die Arbeiten anschauen.“ Besser noch sei es, man kennt jemanden, der sich schon im fraglichen Studio hat stechen lassen.

Bei der Convention hatten die zahlreichen Besucher viele Möglichkeiten, die Arbeiten zu bewundern. „So etwas hat in der Region definitiv gefehlt“, sagt Schilling über die Spezialmesse. „Und dann noch in dieser Location – das ist natürlich super.“

Auch bei den Besuchern kam die Convention gut an, wenngleich sich zum Beispiel Andreas Link (48) noch ein bisschen mehr Aussteller für den Eintrittspreis von 14 Euro gewünscht hätte. Der Grafrather steht auf Maori-Tattoos: Motive mit mystischen Symbolen, die in Polynesien ihren Ursprung haben.

„Für mich gibt es eigentlich keine Stelle, die man nicht tätowieren kann“, sagt Link – schiebt dann aber hinterher: „Obwohl... eine gibt es vielleicht doch, an der es besonders schmerzhaft werden könnte.“

Ihren rechten Arm bis hoch zur Schulter hat sich Tina R. (32) beim Augsburger Studio „Zaki ink. Tattoo“ tätowieren lassen. Umso erfreuter war die Schwabhausenerin, dass das Studio auch bei der Convention vertreten war. Immerhin verbrachte sie dort einige Zeit. „Das Tattoo entstand bei insgesamt drei Sitzungen.“ Das Motiv habe ihr einfach gefallen, Teile davon hätten aber auch eine besondere Bedeutung, wie sie erzählt. Das Wort „Secret“ etwa steht für ihre Tochter.

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