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Wasser spielt eine zentrale Rolle in der Inszenierung von Jakob Roth des Ibsen-Stücks „Die Ballade des Meeres“. 

Fürstenfeldbruck

Theater 5 springt von einer Welt in die nächste

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Wer braucht schon die Einheit von Raum, Zeit und Handlung? Dass sie beim neuen Stück des Theaters 5 über Bord geworfen wurde, teilt der Erzähler dem Publikum im Laufe des Abends mehrfach mit.

Fürstenfeldbruck –  Und es macht überhaupt nichts. „Die Möglichkeit eines Meeres“ bietet dem Zuschauer eine Menge an –den verdichteten Inhalt einer Henrik-Ibsen-Ballade, skurrile Szenen mit viel Witz, allerhand Groteskes und umwerfendes Schauspiel. Kurz: die Möglichkeit, an einer unkonventionellen Inszenierung viel Spaß zu haben.

Ein klein wenig hatte Theater-5-Chef Matthias Weber sich vor der Premiere gesorgt, ob das Publikum den Weg in die Postdramatik mitgehen würde. Das tat es – und war begeistert. Das lag sicher nicht zuletzt an Weber selbst, der als armer Bildhauer wie ein Derwisch über die Bühne fegte und vor lauter Spielfreude schier aus den Nähten seines schlichten Anzugs zu platzen schien.

Die Sehnsucht nach Unendlichkeit

Unbekümmert springt die Inszenierung des Regie-Profis Jakob Roth gleich zu Beginn von einer Welt in die andere – von Ibsens Gedanken über die menschliche Sehnsucht nach Unendlichkeit hin zu einer Tanzszene im Stil einer amerikanischen 50er-Jahre-Revue mit pomadigem Conferencier (Finnegan Pulfer). Wassereimer werden in ein Planschbecken entleert, in das sich Pulfer eineinhalb Stunden später hineinwerfen wird. Wie kalt muss das Wasser da schon sein?, fragt man sich entsetzt und bewundert den Darsteller dafür, dass er keine Miene verzieht.

Die Frau vom Meer

In fünf Akten wird das Wesentliche aus dem Ibsen-Stück „Die Frau vom Meer“ herausdestilliert. Der Bezirksarzt Dr. Wangel (Steffen Buckmiller) lebt mit seiner zweiten Frau Ellida (Marita Kuhn) und den beiden Töchtern Hilde (Katharina Holzhey) und Bolette (Lena Sammüller) in einer norwegischen Kleinstadt. Eines Tages beichtet Ellida einen Seitensprung – und die Tatsache, dass sie zu ihrem Geliebten zwar keinen Kontakt mehr hat, ihn aber nicht vergessen kann. Der Ehemann will mit plumpen Rezepten seine Frau kurieren. Kann durch einen Ortswechsel alles gut werden, wenn wir uns selbst doch an jeden Ort der Welt mitnehmen? Kuhn und Buckmiller spielen das emotionale Drama der Eheleute angenehm zurückgenommen, während die Töchter mit ihren eigenen Sehnsüchten und Selbstzweifeln hadern. Dazwischen blitzen Gegenwarts-Situationen auf, Konflikte werden dargestellt, aber nie mit einfachen Lösungen banalisiert.

Komische, zuweilen slapstick-hafte Momente bringen Leichtigkeit in die Nöte der Protagonisten – Marita Kuhn im Nixenschwanz muss man gesehen, Lena Sammüllers panisches Flüstern über mehrere Oktaven gehört haben.

So geht’s weiter

Die nächsten Aufführungstermine des Theaters 5 an der Neuen Bühne Bruck sind am Mittwoch, 3. Juli, sowie am 7., 9., 12., 13. und 17. Juli, jeweils ab 20 Uhr.

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