+
Eine Szene wie gemalt: (v.l.) Florian Ölmaier, Christine Wolfrum und Stefan Ernst spielen auf der Brett’l-Bühne.

Theaterpremiere beim Brucker Brett’l 

Bayern gegen Preißn im Obstler-Krieg

Die tiefbayerische Provinz Ende des vorletzten Jahrhunderts – das ist das Szenario, in dem sich der arme Dorfgastwirt Brandl Lois mit den Obrigkeiten in Berlin anlegt. Im neuen Stück des Brucker Brett’l kämpfen alte Traditionalisten gegen die Bestimmungen aus dem „Preißn“-Land.

Fürstenfeldbruck – „Die bayerische Prohibition“ heißt das Brett’l-Stück auf der Bühne beim ehemaligen Steffelwirt in Biburg. Das Ensemble unter der Leitung von Petra Engelhardt schafft es wunderbar, das Publikum für einen Abend in das Bayern des ausgehenden 19. Jahrhunderts zurückzuversetzen.

Im Mittelpunkt der Komödie in drei Akten von Peter Landstorfer steht der Dorfwirt Brandl Lois. Bei ihm ist der Name noch Programm. Denn am Brandltag kann er an nichts anderes mehr denken, als an seinen selbstgebrannten Obstler. Das der was „gscheids“ wird, hilft das ganze Dorf mit. Der Mesner und die Pfarrersköchin sowie die Graberin und ihr Mann der Totengräber bringen Lois Äpfel zum Destillieren und streiten sich darum, wer die besten hat. Alles könnte so schön sein, wenn nicht der Postbote aus der großen Stadt ein Gesetz aus Preußen mitbringen würde.

Kaiser Wilhelm hat beschlossen, dass ab sofort das Schnapsbrennen verboten ist. Jeglicher Brand wird von einem Abgesandten des Kaisers in einer Hausdurchsuchung eingezogen. Und so beginnt ein Katz- und Mausspiel, um den Beamten aus Berlin zu täuschen. Die kreativsten Verstecke werden ausgetüftelt, um den Schnaps für den Brandltag zu behalten.

Das neunköpfige Ensemble schlüpft hervorragend in die natürlich mit viel klischee-behafteten Rollen und agiert mit großer Routine. Protagonist ist der einfache und gutgläubige Dorfwirt Brandl Lois, gespielt von Florian Oelmaier. Er lässt sich regelmäßig von seinen Dorfkumpanen übervorteilen und wenn er seine Frau, die Brandl Beppi (Erika Pulfer) nicht hätte, wäre er am Ende wahrscheinlich noch im Kerker gelandet. Beide spielen überzeugend und authentisch.

Beim Brucker Brett‘l gab‘s Brandlschnaps fürs Publikum

Der festgefahrene Streit zwischen Afra der Pfarrersköchin (Sabine Kemmet) und der Frau vom Totengräber (Heike Limmer) darum, ob die Haushälterin letztes Jahr am Brandltag den Totengräber – gespielt von Bernd Pulfer – in ihre Kammer gelockt hat, bringt zusätzlich Würze in das Stück. Vergeblich versucht die Kräuterzenz (Christine Wolfrum) zwischen den verfeindeten Parteien zu vermitteln, doch gegen die bekannte, bayerische Sturheit ist wenig auszurichten.

Höhepunkte der Vorstellung sind die Auftritte des ewig betrunkenen Mesners Girgl (gespielt von Stefan Ernst) und vom stotternden Postboten Pangratz (Markus Klose von Waldreut), der mit seinem Satz „Da b…b…bin ich akkurat!“ den ganzen Abend prägt. Auch der stocksteife Beamte (Florian Pulfer) zeigt überzeugend, warum man in Bayern was gegen die „Preißn“ hat.

Alles in allem ist das Stück kurzweilig, lustig und lässt kein Klischee aus. Ein wenig ärgerlich sind höchstens die häufigen Pausen für die Umbauarbeiten. Aber die Wartezeit kann man sich ja mit dem extra für das Stück angebotenen Brandlschnaps vertreiben. Langjährige Brett’l-Besucher sagen, dass es schon bessere Stücke gegeben hat, aber lustig sei es trotzdem und so kann man es mit dem Brandl Lois halten: „Mia brenna weida“.

Karten für „die bayerische Prohibition“ des Brucker Brett‘l

kosten zehn Euro und sind unter Telefon (0 81 41) 29 08 16 oder (0176) 64 62 27 82 sowie im Internet unter www.bruckerbrettl.de erhältlich. Das Stück läuft noch den ganzen Oktober und Anfang November. Beginn ist Donnerstag bis Samstag um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr.

von Tom Eldersch

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

100 000 Euro Schaden nach Küchenbrand in Puchheim
Auf dem Herd vergessenes Essen hat am Samstag ein Feuer in einer Puchheimer Wohnung ausgelöst. Die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck ermittelt.
100 000 Euro Schaden nach Küchenbrand in Puchheim
Sozialer Wohnungsbau neben alter Molkerei
 Der soziale Wohnungsbau in Mammendorf nimmt konkretere Gestalt an. Nachdem die Gemeinde zunächst mit einigen Partnern geliebäugelt hat, wie Bürgermeister Josef Heckl …
Sozialer Wohnungsbau neben alter Molkerei
Beim Kinderhaus-Anbau läuft alles nach Plan – sogar das Wetter
Eigentlich war der Rohbau für die Erweiterung des Kinderhauses in Jesenwang schon Ende letzten Jahres fertig. Doch Bürgermeister Erwin Fraunhofer verlegte das Richtfest …
Beim Kinderhaus-Anbau läuft alles nach Plan – sogar das Wetter
Grafrath hat jetzt offiziell Freunde in Frankreich
Grafrath und das französische Lyons-la-Foret sind jetzt offiziell Partnergemeinden. Beim Neujahresempfang des Bürgermeisters von Lyons-la Foret, Thierry Plouvier, haben …
Grafrath hat jetzt offiziell Freunde in Frankreich

Kommentare