Fürstenfeldbruck

Tiefschlag beendet Traum vom WM-Gold

  • schließen

Ein Rauschgift-Fahnder der Brucker Kripo ist Vizeweltmeiter im Kickboxen. Bei den in Montego Bay auf Jamaika ausgetragenen Titelkämpfen des Weltverbands ISKA (International Sports Kickboxing Association) musste sich Benjamin Rauch erst im Finale gegen einen einheimischen Vertreter geschlagen geben.

FürstenfeldbruckAllerdings hatte der am Ende siegreiche Rasta-Man aus Jamaika seinen Erfolg einem Tiefschlag zu verdanken, Der 36-jährige Rauch konnte nach dem schmerzhaften Treffer nicht weiterkämpfen. Zudem hatte sich der Brucker Kripobeamte kurz vor der Weltmeisterschaft noch den Fuß angebrochen. „Mit viel Tape ist es dann doch irgendwie gegangen“, erzählt Rauch, dessen Zehen auch eine Woche nach dem Turnier noch blau angelaufen waren.

Der aus Altomünster (Kreis Dachau) stammende Benjamin „Benny“ Rauch ist neben seiner Tätigkeit als Sicherheitsbeauftragter des Fußball-Regionalligisten FC Pipinsried hauptberuflich Beamter bei der Kriminalpolizei in Fürstenfeldbruck im Rauschgift-Dezernat. Witzig: Bei einem Spaziergang durch die einschlägig weltberühmte Stadt Montego Bay wurden dem Kripobeamten aus Bayern und dessen Teamkollegen das eine oder andere „Päckchen“ angeboten. „Das war schon eine lustige Situation. Durch meine Ausbildung wusste ich natürlich gleich, um was es sich handelte. Es war alles dabei, Koks, Kokain...“, erzählt Rauch schmunzelnd. Wenn die „Anbieter“ gewusst hätten, mit wem sie es zu tun haben, wären die sicherlich nicht so offensiv vorgegangen.

„Wir hier bei der Kripo Fürstenfeldbruck sind natürlich alle sehr stolz auf ihn“, sagt Kripochef Manfred Frei. „Einige haben das zuerst gar nicht mitbekommen, denn Benjamin Rauch ist nicht einer, der den Erfolg groß herumposaunt.“ Sonderurlaub gab es aber nicht. „Da Kickboxen unter dem Verband ISKA nicht zu den Olympischen Sportarten zählt, ist dies leider nicht möglich“, erklärt Frei. Für den Athleten selbst nicht ganz verständlich: „Gerade bei der Polizei sollte man ja eigentlich um jede Art der sportlichen außerdienstlichen Betätigung froh sein“, sagt Rauch über die Schwierigkeiten einer Sportart, die nicht im Rampenlicht steht. So machte Rauch eben Ferien auf eine etwas andere Art.

Nach seiner Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2016 in Sindelfingen hatte er sich 2018 erneut für die deutsche Nationalmannschaft qualifiziert. Ein zweiter Platz bei der deutschen Meisterschaft sowie der Gewinn der Munich Open im April 2018 brachten die Nominierung.

Im Schwergewicht mit über 91 Kilo Körpergewicht ging Benjamin Rauch bei der WM an den Start. In dieser Klasse waren neben zahlreichen anderen Ländern gleich drei Jamaikaner gemeldet. Zwei konnte der Deutsche eliminieren, ehe es dann zum Finale gegen einen Profi und Lokalmatador ging. Der Kampf sollte eigentlich im Rahmen einer zwei Tage später stattfindenden Abendveranstaltung im Sportfernsehen von Jamaika live übertragen werden. Da sich dies jedoch mit dem lange zuvor gebuchten Heimflug nach Deutschland überschnitt, wurde das Duell vorgezogen.

Was nichts daran änderte, dass Rauchs Gegner zunächst vor allem durch taktische Fouls auffiel. Besonders die Beine des Deutschen wurden mehrmals unzulässig mit harten Kicks getroffen. Erst spät sprach der Hauptkampfrichter eine förmliche Verwarnung gegen den Jamaikaner aus. Wenig später – Rauch hatte gerade zu einem Kick zum Kopf des Gegners angesetzt – wurde der Kripo-Mann in den Unterleib getroffen und ging zu Boden. Das Finale war verloren. „Schade, dass nach einem derartigen Turnierverlauf eine solche Technik mein Finale beendet hat“, äußerte sich der Altomünsterer sichtlich enttäuscht. Dennoch hatte er in einer der sowohl von der Anzahl als auch der Qualität der Kämpfer am stärksten besetzten Gewichtsklassen des Turniers die Silbermedaille und damit die Vizeweltmeisterschaft gewonnen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Grafrath sagt Nein zur Wohnbaugesellschaft
Die Gemeinde wird sich nicht an der interkommunalen Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis Fürstenfeldbruck beteiligen. Der Gemeinderat sah mehrheitlich keinen Nutzen im …
Grafrath sagt Nein zur Wohnbaugesellschaft
Auf der Brücke über die Straße zum Firmen-Neubau
Das Mammendorfer Institut für Physik und Medizin an der Oskar-von-Miller Straße 6, das seit 1982 medizintechnische Geräte entwickelt und produziert, plant einen …
Auf der Brücke über die Straße zum Firmen-Neubau
79-Jähriger geht mit Beil auf Olchinger los
Ein seit längerem währender Streit ist jetzt in Olching eskaliert. Ein Senior zückte sogar ein Beil.
79-Jähriger geht mit Beil auf Olchinger los
Marius aus Mammendorf
Über die Geburt ihres zweiten Sohnes freuen sich Janet und Daniel Militaru aus Mammendorf. Marius kam jetzt im Brucker Kreisklinikum zur Welt, wie schon sein großer …
Marius aus Mammendorf

Kommentare