Kreispolitik

Das Tönnchen für Bioabfall ist beschlossene Sache

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Trotz Widerstands der Grünen und der UBV kommt das Bio-Tönnchen. Es kann ab dem 1. Januar beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises als Behälter für den Bio-Abfallsack bestellt werden. Das beschloss der Kreistag, der damit der Empfehlung des Fachausschuss folgte.

Fürstenfeldbruck  – Das Tönnchen soll mehr Leute dazu bewegen, ihre Bioabfälle ordnungsgemäß zu entsorgen und nicht in den Hausmüll zu werfen. Problem bisher: Jeder kann zwar den Bioabfall-Papiersack (kostenpflichtig) beim AWB ordern. Oftmals aber zerfleddert er vor der Abholung auf der Straße. Das halte viele von dieser Möglichkeit der Entsorgung ab, wird im Kreistag befürchtet. So würden große Mengen des hochenergetischen Biomülls einer sinnvollen Verwertung entzogen.

Der UBV-Kreisrat Jakob Drexler aus Hörbach, Verfechter einer großen braunen Tonne für alle Verbraucher, bezeichnete das Tönnchen als absurd. Er fragte, warum der Landkreis Fürstenfeldbruck andere Wege gehen solle als viele andere Regionen.

Ingrid Jaschke (Grüne) betonte: Wenn dereinst wie geplant der Bonus für Selbstkompostierer wegfallen werde, müsse ohnehin über eine richtige Bio-Abfalltonne geredet werden. Der zuständige Abfallreferent im Kreistag, Dieter Rubenbauer (CSU), beharrte auf der Sinnhaftigkeit des kleinen Behälters zur Steigerung der Akzeptanz der Bioabfallsammlung. Zudem sei die Anschaffung des Behälters – er kostet 20 Euro – via Abfallwirtschaftsbetrieb für Verbraucher unschlagbar günstig. Nicht nur Marder und Katzen, sondern sogar schon Wildschweine hätten sich an den Biosäcken auf der Straße vergnügt, sagte Rubenbauer.

Der Kreistag bestätigte am Ende das Votum aus dem Werkausschuss mit 41:20 Stimmen. CSU und FW stimmten für das Tönnchen. FW-Sprecher Michael Schanderl etwa hält die Lösung für einen kleinen Schritt auf dem richtigen Weg.

Vorangegangen war ein kleines Polit-Scharmützel, weil die Grünen gleich zu Beginn der Sitzung beantragt hatten, den Tagesordnungspunkt ganz zu streichen. Ohne die gesamte, neue Gebührensatzung des AWB vorliegen zu haben, ergebe eine Beratung keinen Sinn, argumentierte Martin Runge. Es könne ja sein, dass bald die richtige braune Tonne eingeführt wird. Vor diesem Hintergrund warnte er: Das Abfall-Tönnchen könnte bald selbst zum Abfall werden.

Landrat Karmasin fand es nachvollziehbar, wenn es jemandem als voreilig erscheint, das Tönnchen zu bestellen. Allerdings handele es sich ja nur um ein Angebot, dem niemand folgen müsse.

Die CSU stimmte (gegen ihren Abfallreferenten) mit den Grünen für die Absetzung des Tagesordnungspunktes, unterlag aber der Mehrheit im Kreistag (29:26 Stimmen). Eine Absetzung des Punktes wäre durchaus sinnvoll gewesen, erklärte Fraktionschef Frederik Röder auf Nachfrage, da man wirklich ein Gesamtkonzept zur Erhöhung der Biomüll-Erfassung brauche. Nachdem aber die Mehrheit für die Behandlung des Punktes gewesen sei, sei es folgerichtig gewesen, für das Tönnchen zu votieren, da dieses ja ebenfalls das Ziel der Mehr-Erfassung verfolge.  st

Ganz nebenbei: 

In einer durchaus munteren Anfangs-Runde bei der jüngsten Kreistags-Sitzung stimmte die CSU mit Martin Runges Grünen für die Absetzung eines Tagesordnungspunktes, sodass Landrat Karmasin vom ersten schwarz-grünen Bündnis überhaupt sprach. Freilich muss man wissen: Grüne und CSU unterlagen hier der Mehrheit (siehe Bericht unten). Zu Jamaika reichte es auch nicht, da die FDP anderer Meinung war. Humorig gemeint warf Karmasin dabei in den Raum, dass man ja auch gleich über die Absetzung Runges als Kreisrat entscheiden könnte, wobei im allgemeinen Gelächter als einer von ganz wenigen wohl nur der Angesprochene selbst bemerkte, dass ein Vertreter der örtlichen Presse spontan zustimmend den Arm hob. Das freilich war auch nur humorig gemeint – und wird dem Unterzeichnenden sicher verziehen. (Thomas Steinhardt)


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